Sapere aude!

Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Immanuel Kant 1784 in Beantwortung der Frage "Was ist Aufklärung?"

 

In "post-faktischen" Zeiten scheint alles möglich. Fassungslos verfolgen wir die Ereignisse in der Welt, erstaunt fragend, wie das alles möglich ist - und bleiben immer wieder mit einem dumpfen Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit zurück. Die fatalen Folgen unseres (Nicht-)Handelns sind unübersehbar und die Frage drängt, wo unser Mut ist, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen.

 

Täglich wächst die Herausforderung, aus einer multimedialen Informationsflut Ereignisse und Fakten von Fake News und Propaganda zu unterscheiden, uns neuen Anforderungen zu stellen und doch auf dem eigenen Weg zu bleiben. Die Fundamente (west-)europäischer Demokratien erodieren in rasantem Tempo. Autokraten, Schwachmaten, Extremisten und Demagogen greifen Raum - shrinking spaces wachsen.

 

Höchste Zeit, unsere Stimme zu erheben, Verantwortung zu übernehmen, uns nicht länger verwalten und zum kritikfreien Konsumenten degenerieren zu lassen, gut genug als Stimmvieh, um danach als unmündig erklärt zu werden, das Gewählte vernünftig beurteilen zu können.

 

Anleitung zum Um- und Querdenken, kritisches Hinterfragen, Aufzeigen von Ursachen und Zusammenhängen und die Entwicklung neuer, kreativer Wege im Kantischen Sinne, der Entwicklung als das Auspacken eigener Fähigkeiten beschrieb, ist unserer Arbeitsauftrag.

Aktuelles

Gymnastik für Denker und das verlorene Verständnis von Ehre

12. März 2021

 

Keine Zeit zum Lesen? Dann hören Sie sich den Essay hier an.

 

Eine meiner täglichen Gepflogenheiten ist, morgens ab 05.30 Uhr im DLF die Informationen am Morgen zu hören. Diese bringen mir nicht nur die Neuigkeiten aus Deutschland und der Welt, sondern sie verkürzen auch die Morgengymnastik, da die Meldungen regelmäßig mein Blut zur Genüge in Wallung bringen.

 

Wenn ich bereits früh am Tag höre, „sie [die Pharmafirmen] sollen offenlegen, welche Länder schon [mit Impfstoffen] beliefert wurden“ und dass die Unions-Abgeordneten bis heute 18.00 Uhr eine Ehrenerklärung (!!!) abgeben sollen, dass sie sich nicht im Kontext der Bekämpfung der Corona-Pandemie bereichert haben, bin ich schlagartig hellwach und frage mich voll heiligem Zorn, aufgrund wessen sich die Abgeordneten in maßloser Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit derart aufblasen. Diese ungeniert offen zur Schau getragenen Dummheit, Unfähigkeit und Unwilligkeit ist noch vor dem, dass das unsere Demokratie ruiniert, ganz einfach unerträglich.

 

Warum das, was die Unions-Bundestagsabgeordneten bis heute Abend abgeben sollen als Ehrenerklärung bezeichnet werden muss, erschließt sich dem kundigen Beobachter nicht, außer, dass dieses in den Orbit trompetete Geschwafel der Beweis der Dummheit und Untugend der Volksvertreter sind.

 

Gemäß Duden ist eine Ehrenerklärung ein öffentlicher Widerruf einer Beleidigung oder verleumderischer Behauptung.

 

Ein Ehrenwort ist jemandes feierliche, sich auf seine Ehre stützende Versicherung zur Bekräftigung einer Aussage oder eines Versprechens.

 

Also müssten, folgt man dem Duden, die Abgeordneten zur Abgabe einer Erklärung aufgefordert werden, mit der sie bestätigen, vielleicht sogar an Eides statt versichern, dass sie keinerlei finanzielle Vorteile im Zusammenhang mit der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie erlangt haben. Wer mag, könnte das mit einem Ehrenwort garnieren. Aber in keinem Fall mit einer Ehrenerklärung!

 

Jedoch sind weder Ehrenerklärungen noch Ehrenworte justiziabel und gerade im Politischen ein bedeutungsloser, aufgeblaser Spuk, woran die folgenden Beispiele erinnern sollen: 

 

1. Der damalige schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident Uwe Barschel gab einst sein Ehrenwort gleich doppelt: „Über diese Ihnen gleich vorzulegenden eidesstattlichen Versicherungen hinaus gebe ich Ihnen, gebe ich den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Schleswig-Holsteins und der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort – ich wiederhole: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! – dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.“

 

Diese zur Bekräftigung gegebene Verdoppelung des Ehrenwortes tut ja schon aus Kindertagen bekanntermaßen immer dann not, wenn man weiß, dass man zum Beispiel Süßigkeiten statt Obst gegessen hat, der skeptisch dreinblickenden Mutter aber sagte, man habe doch Obst gegessen, ganz bestimmt habe man Obst gegessen und keine Süßigkeiten. Während die meisten normalen Menschen diese frühkindlichen Übungen schnell überwunden haben, werden sie für andere zur Methode zur Machterlangung und des Machterhaltes.

 

Was nötigte den CDU-Ministerpräsidenten 1987 zu diesem doppelten Ehrenwort? Es gab einen schmutzigen Wahlkampf und der SPD-Ministerpräsidenten-Kandidat Björn Engholm war als Sunnyboy attraktiv und beliebt, und obgleich er Barschels Meinung nach flach war und nicht dessen Qualitäten hatte, war er ein gefährlicher Konkurrent. Da Barschel Engholm nicht mit echten Argumenten schlagen konnte, initiierte er eine Verunglimpfungskampagne, mit der Barschel versuchte, Engholm als pädophil und bisexuell darzustellen. Damit nicht genug, inszenierte Barschel eine Durchsuchung seines eigenen Büros, bei der auch Abhörwanzen angebracht wurden, was Engholm in die Schuhe geschoben werden sollte. Barschels Adlatus Reiner Pfeiffer bekam Skrupel, ging zum Notar ... und anschließend zum „Spiegel“, der die Story dankbar aufgriff. Es kam, wie es kommen musste: die gründlich recherchierenden Journalisten deckten Barschels Lügen auf, dieser trat zurück, um dann einige Tage später ein unrühmliches Ende in einer Badewanne des herrlichen Hotels Beau Rivage am Genfer See zu nehmen. Warum musste er ausgerechnet noch diese feine Adresse in Mitleidenschaft ziehen? Dachte er dabei an Kaiserin Sissi, die ebenfalls in diesem Hause nach einem Attentat durch einen italienischen Anarchisten verstarb? Bleibt zu hoffen, dass Herr Barschel zumindest die Hotelrechnung im Voraus und aus eigenem Vermögen bezahlt hat und nicht dem des Steuerzahlers!

 

Trotz Watergate-Erfahrung hätte Hollywood ein Drehbuch mit so einer Geschichte wahrscheinlich als zu absurd abgelehnt.

 

2. Das zweite berühmte Ehrenwort kam aus dem hollywoodschen Mutterland Amerika. Dort gab 1998 der damalige US-Präsident Bill Clinton öffentlich zunächst folgende Erklärung: „I want to say one thing to the American people. I want you to listen to me. I’m going to say this again. I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky. I never told anybody to lie, not a single time; never. These allegations are false.” Einige Monate später schwor er unter Eid, keine Beziehung mit Lewinsky gehabt zu haben. Dank unappetitlicher Spermaspuren an einem extra für solche Fälle aufbewahrten Kleid (hat eigentlich jemand geprüft, ob dieses Kleid wirklich Ms Lewinsky gehörte und von ihr getragen wurde?) wurde Clinton der Lüge überführt und es fanden sich Zeugen, dass er andere zur Falschaussage anzustiften versuchte. Dennoch blieb er im Amt.

 

Mit wem ein Präsident sexuelle Beziehungen hat, ist ausschließlich dessen Privatangelegenheit und nur von seiner Ehefrau zu beurteilen. Als höchster Würdenträge das ganze Volk unter Eid zu belügen, hat hingegen eine Dimension, die meines Erachtens überhaupt nicht genügend beleuchtet wurde. Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn Personen in höchsten Ämtern für zumindest im politischen Sinne völlig unerhebliches (einvernehmlich sexuelles) Verhalten derart lügt? Wie psychosozial gestört muss jemand sein, ein so wichtiges Amt aufs Spiel zu setzen, das Amt als solches genauso wie die eigene Amtsinhaberschaft, die Ehe und seine Reputation? 

 

3. Der letzte im Bunde ist unser Altkanzler Helmut Kohl, der rechtswidrig Spendengelder in Millionenhöhe wie in einem schlechten Kriminalroman angenommen hatte, resp. hat annehmen lassen, die Namen der anonymen Spender aber stur und trotzig wie ein Kleinkind nicht nennen wollte unter dem Vorwand, er habe den Spendern sein Ehrenwort gegeben, deren Namen nicht zu nennen. Nun war Kohl, als die Spendenaffäre 1999 aufflog, bereits seit zwei Jahren nicht mehr im Amt, so dass die Würden in möglicherweise nicht mehr tangierten. Das ein Ehrenwort gegenüber Personen, die anzunehmenderweise nicht aus Bescheidenheit anonym bleiben wollten, sondern, weil die gespendeten Beträge aus dem Finanzamt nicht bekannten Quellen sprudelten und mit Tätigkeiten erworben wurden, die wahrscheinlich nicht friedensnobelpreisverdächtig waren, das diese Ehrenworte mehr gelten, als der Amtseid eines der freiheitlich demokratischen Grundordnung verpflichteten Bundeskanzlers, der geschworen hatte, dem Wohle des Volkes zu dienen, ist unfassbar - bis heute. Amtseide sollten sich auch über die Amtsdauer hinaus im Verhalten der Personen widerspiegeln. Zumal die Spenden während Kohls Amtszeit geflossen sind und Waffenhändler mit im Spiel waren. Und das von einem bekennden Christen, der als promovierter Historiker und Kriegskind wissen dürfte, wohin Lügen und Waffengeschäfte führen.

 

Wer heute lamentiert, dass irgendwelche Terroristen, sonstige -ismen oder Verschwörer unsere Republik oder die demokratischen Staaten westlicher Couleur zerstören wollen, der verdrängt die Tatsache, dass es genau diese prominenten Politiker wie die vorgenannten sind, die allen -ismen und tatsächlich Zerstörungswütigen durch ihre perfiden Amtsmissbräuche den Boden bereiten und dadurch auch all die guten, aufrichtigen Politiker diskreditieren, weil der gewöhnliche Betrachter nur selten tiefgründig reflektiert. Und das ist nichts, das der Vergangenheit angehört. In dieser Stunde stehen drei Abgeordnete am Pranger, sich an der Pandemiebekämpfung bereichert zu haben. 

 

Haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages wirklich keine ausreichenden Einkünfte? Die gegenwärtig perfiderweise Diäten genannten Bezüge liegen monatlich bei 10.083,45 Euro plus einer monatlichen Kostenpauschale von 4.418,09 Euro. Macht in Summe 14.501,54 Euro. Ok, davon muss ein kleiner Teil an die eigene Partei abgeführt werden, was an sich schon höchst fragwürdig ist! Alle Abgeordneten werden durch die Steuerzahler allimentiert und in einer Demokratie finanziert jeder die Opposition mit. Auch wenn einem das nicht immer gefällt, ist das der richtige Weg. Wenn aber mit meinem Geld nicht nur opositionelle Personen, sondern demokratiezersetzende Parteien finanziert werden, sieht die Sache schon ganz anders aus. Ferner müssen Abgeordnete die üblichen Abgaben für Kranken- und Rentenversicherung und Steuern zahlen. Zum Troste stehen ihnen zusätzlich phantastische Zubehöre zur Verfügung. Möchte der Normal-Bürger täglich die FAZ lesen , muss er monatlich 71,50 Euro bezahlen. Werden Fach-Literatur, Bücher, Fachzeitschriften, digitale Abos oder Zugang zu Archiven gebraucht, zahlt man selbstverständlich alles aus dem eigenen Portemonnaie, ebenso den Montblanc Füller, Computer, Drucker, Papier und und und. Die gewählten Volksvertreter nehmen für diese Bedarfe einen schicken Katalog und bekommen als bald alles an ihren Platz geliefert - ohne Kosten, das versteht sich. Auch werden sie gerne zu dekorativen Zwecken als Ehrengäste zu Veranstaltungen eingeladen, für die der Normal-Bürger viel Geld bezahlen müsste. Sprechen sie dort einige salbungsvolle Worte, haben sie ein paar Tausend Euro mehr auf dem Konto, ohne das sie für die Kosten der Anreise und Unterkunft aufkommen zu müssen - schließlich sind sie im Dienste des Vokes unterwegs. Halten Sie irgendwo geschwätzige Vorträge, die in der Regel von ihren Referenten oder dem wissenschaftlichen Fachdienst des Bundestages erarbeitet werden und also nur noch abgelesen werden müssen, erhalten sie satte vier- bis fünfstellige Honorare und gelten als Top-Redner. Ohne ihre Mandate würden die meisten wohl kaum auf diesen Bühnen stehen.

 

Dazu kommen die Nebentätigkeiten. Schauen Sie sich in einer ruhigen Stunde die Profile der Abgeordneten auf der Internetseite des Bundestages einmal etwas genauer an. Die neben der Abgeordneten-Tätigkeit erlangenten "Nebeneinkünfte" sind veröffentlichunspflichtig. Da schwirrt Ihnen der Kopf, weil es nur schwer nachvollziehbar ist, wie jemand, der eigentlich einen Vollzeitjob im Bundestag plus seinen Wahlkreis hat, auch noch die Zeit aufbringen kann, "Nebeneinkünfte" zu generieren, die oft genug die monatlichen Diäten um ein Vielfaches übersteigen.

 

Und das reicht noch immer nicht??? Muss man tatsächlich noch das Image aller Politiker und der Demokratie als Selbstbedienungsladen ruinieren, in dem man sich ausgerechnet in Notzeiten auch noch die Taschen dick macht? Die 600.000 Euro für die Vermittlung eines Auftrags zur Lieferung von Masken ist ja noch schäbiger als wenn der CEO der UBS in 2020 mehr als 13 Millionen bekommen hat, während gleichzeitig gegen die UBS Prozesse wegen Begünstigung von Steuerhinterziehung laufen. Im Gegensatz zu gewählten Volksvertretern in Demokratien sind die UBS- und andere Banker immerhin nie mit dem Schwur angetreten, zum Wohle aller ihrem Land zu dienen, sondern mit der Marschrichtung der Profitmaximierung um (fast) jeden Preis.

 

Verstehen Sie mich bitte richtig. Ich finde Geld gut und viel Geld noch viel besser. Wenn man aber keinen inneren Kompass mehr hat, ab wo der Bereich des moralisch Richtigen verlassen wird, dann entfaltet das System des Kapitalismus mit voller Wucht seine zerstörerischen Kräfte, anstatt die positiven Aspekt weiter auszubauen.

 

Mein an dieser Stelle kostenfreier Rat an alle Abgeordneten, die denken, dass sie allwissend, unersetzbar, weltrettend, einfach so unfassbar gut sind, dass die mageren Abgeordneten-Bezüge ihre Fähigkeiten nicht widerspiegeln: gehen Sie mit Ihren begnadeten Talenten in die freie Wirtschaft! Dort haben manche das Glück, tatsächlich die Gehälter zu bekommen, die sie denken verdient zu haben. Hoffentlich reichen Ihre Fähigkeiten aus, einen besseren Job als den des Pförtners zu bekommen. Den guten alten Pförtner, der noch jeden kannte und alles im Blick hatte, gibt es nicht mehr. Das machen jetzt Security-Leute, für Mindestlohn. Der wird aber schon in Ordnung sein, sonst hätten Sie, liebe Abgeordnete diesen Mindestlohn nicht in dieser Höhe eingeführt, oder? Schließlich sind Sie kompetent und kennen sich aus. Ob Ihre Qualifikationen indes ausreichen für einen hochdotierten Job in der freien Wirtschaft, dessen bin ich mir nicht ganz so sicher. Schließlich habe ich mir nicht nur Ihre "Nebeneinkünfte", sondern auch Ihre Biographien angesehen. Daraus kann ich beim besten Willen keine Rechtfertigung für exorbitante Bezüge ableiten.

 

Größenwahn, Selbstüberschätzung, das Ignorieren kluger Ratgeber haben nicht nur das Alte Rom in den Untergang geführt.

 

Diese Betrachtung zeigt einmal mehr die Korrelation:

je mehr Gerrede um die Ehre, desto frevelhafte die Tat!

 

 

Der zweite Punkt, der mich heute früh munter machte, war die Forderung, Firmen sollen offenlegen, in welche Länder sie bereits geliefert haben. Und diese Forderung kam nicht von einem totalitären, autokratischen, diktatorischen Regime.

 

Es sind genau diese Abgeordneten, die seit langem verhindern, dass die in hinreichender Zahl bekannten, seriösen Warnungen vor dem bevorstehenden Auftreten von Pandemien, den daran gekoppelten Risiken und Notwendigkeiten konsequent in politisches Handeln übersetzt werden, in dem man zumindest Logistiken plant und im Notfall abrufbare Kapazitäten vorstrukturiert. Auf europäischer Ebene kennt der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union  AEUV zwar den Artikel 168 über das Gesundheitswesen, beschränkt indes die Rolle der Europäischen Union auf die Ergänzung der Politik der Mitgliedsstaaten. Die EU kann im Bereich des Gesundheitswesens nicht eigenständig aktiv werden. In dem im Dezember 2009 in Kraft getretenen, aktuell gültigen Vertrag wurden die großen Katastrophen ausgeblendet oder, wohlwollender formuliert, nicht berücksichtigt. Ob Wettbewerbsinteressen der einzelnen EU-Mitgliedsländer eine gemeinsame Politik bisher verhindert haben? Deutschland hat mächtige Pharmakonzerne, Frankreich auch... Man hätte gehofft, dass den ökonomischen Interessen zumindest eine echte Bedrohung übergeordnet wäre.

 

Die im Artikel 222 verankerte Solidaritätsklausel bietet für den Katastrophenschutz der EU nur eine Koordinierungsplattform: „Die Union und ihre Mitgliedstaaten handeln gemeinsam im Geiste der Solidarität, wenn ein Mitgliedstaat von einem Terroranschlag, einer Naturkatastrophe oder einer vom Menschen verursachten Katastrophe betroffen ist.“ Es wirkt nachgerade naiv, dass offensichtlich niemand auf die Idee kam, dass alle Mitgliedstaaten (und der Rest der Welt) zeitgleich mit einer einzigen Herausforderung konfrontiert sein könnten.

 

Der ursprünglich als Verfassung der Europäischen Union konzipiert Vertrag von Lissabon wurde unter den Bedingungen einer vom Terrorismus bedrohten Welt verfasst. Dementsprechend finden dort terroristische Bedrohungen expressis verbis Eingang. Globale Seuchen muteten eher museal an und waren vielleicht deshalb auf niemandes Radar. Dabei gab es sehr wohl Ereignisse, die im Zusammenhang der Terrorbekämpfung zwangsläufig auf die Spur von biologischen Kampfstoffen und somit auch zu Viren führten, wenn man denn schon nicht an Epi- oder Pandemien denken mochte. Erinnern Sie sich an die Aum-Sekte? In Japan? Weit weg vom islamistischen Terror? Diese 1984 als Yoga-Club gegründete Gruppe radikalisierte sich zügig und kündigte für 1997 den Weltuntergang an. Um diesem etwas Vorschub zu leisten, verübten sie mit dem chemischen Kampfstoff Sarin, den sie seit 1994 selbst herstellen konnten, einen medienwirksamen Giftgasanschlag in der Tokyoter U-Bahn.

 

Infolgedessen wurden zumindest im Bereich der Terrorabwehr verschiedene Szenarien zu Angriffen mit unsichtbaren Kampfstoffen wie Giftgasen, Bakterien und Viren durchgespielt. Unter anderem wurde der Einsatz von Pockenviren diskutiert, die ohne Aufwand (sofern man die Seren hat), unauffällig in Klimaanlagen eingebracht vor allem an Flughäfen ihr unheilvolles Werk verrichten könnten. Diese Planspiele, gekoppelt mit den Warnungen der Epidemiologen und anderer Politikbeobachter, weisen seit vielen Jahren auf die ernste Gefahr unsichtbarer Bedrohungen hin, sei es durch gezielte terroristische Einsätze, Laborunfälle oder andere Übersprünge auf menschliche Wirte. Um hier Zusammenhänge erstellen zu können, wäre indes die Fähigkeit und der Mut, sich seines eigenen Verstandes bedienen zu können und zu wollen, von Nöten. Von Politikern wurden sie gepflegt ignoriert.

 

Und wem das Wissenschaftliche zu komplex und kompliziert war, für den gab es genügend Spielfilme, in denen man, gemütlich Chips futternd, auf dem Sofa dem Weltuntergang durch Pandemien zuschauen konnte. Aber ach: es war ja nur ein Film, in Echt gibt’s das nicht… kann ja gar nicht… weil ich das nicht will…. Möge das nicht als Beispiel dienen für die Folgen, wenn ganze Generationen sich mit Ballerspielen vergnügen, die auch angeblich keine Auswirkung auf das psychosoziale Verhalten haben.

 

Nun denn! Es ist schlechterdings für den gebildeten Betrachter nicht nachvollziehbar, warum weltweit keinerlei geeignete Notfallpläne und Vorbereitungen für den Ernstfall virologischer Pandemien vorhanden waren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt und gar das Konstrukt pharmazeutischer Lobbyisten-Diktaturen zusammenzimmert.

 

Es ist unwahrscheinlich, dass ein Abgeordneter diesen Essay bis zum Ende liest. Nicht nur, weil sie als wichtige Leute gar keine Zeit für philosophische Betrachtungen haben, allein es ist zu viel Text. Sollten Sie jedoch durchgehalten haben, gibt es hier noch das philosophische Bonbon:

 

"Ehrgefühl ist das Gefühl für den Wert der Ehre (Selbstwertgefühl), das uns treibt, das Urteil unserer selbst (Eigenwertgefühl) und anderer über uns rein zu erhalten und die angegriffene oder verlorene Ehre wiederherzustellen."

 

Diese treffliche Definition finden Sie im "Wörterbuch der philosophischen Begriffe" (Hg. Regenbogen/Meyer). Sollten Sie bestrebt sein, Ihre eigene Ehre rein zu halten und wissen nicht mehr so genau, wie das in dem großen Grundrauschen unserer schnelllebigen Zeit geht, oder sollten Sie ihre Ehre gar wiederherstellen müssen und wissen nicht so genau wie: zögern Sie nicht und vereinbaren Sie einen Termin mit meinem Büro! Seien Sie versichert, die Bibel hat (nicht nur in diesem Punkt) recht: Wer suchet, der findet. Wer anklopft, dem wird auf getan.

Simplex Simplicitas

05. März 2021

 

Heute berichten die Medien, dass die Zahl der mit Corona Neu-Infizierten um 600 Personen höher ist, als letzte Woche Freitag. Schaut man genauer hin, ist die 600 eine interessante Zahl.

 

Haben Kinder zum Beispiel am Weltspartag 600 EUR auf ihren Sparbüchern, werden sie ziemlich stolz sein und große Pläne machen. Haben Auto- und PS-Liebhaber einen Maserati mit 600 PS (und eine freie Autobahn), haben auch sie ein Gefühl von Stolz und unbegrenzter Freiheit.

 

Nimmt man die Weltbevölkerung um das Jahr 600 n.Chr., lag diese bei rund 200 Millionen Menschen. Am heutigen Tag leben 7.852.046.000 Menschen auf diesem schönen Erdenrund, was einem Wachstum von 3.926 % entspricht. Nur ist die Erde nicht im gleichen Maße um das 3.926-fache angewachsen, weshalb es heute etwas voller und enger ist als vor 1421 Jahren. Und weil das so ist, sind 600 mit dem SARS-COV-2-Virus Infizierte mehr als vor einer Woche eine unfassbar große Zahl. Besonders bedenklich ist, dass dieser Anstieg unter den Bedingungen einer angelaufenen Impfmaschinerie erfolgte und ab Montag schrittweise geöffnet werden soll.

 

Vor einigen Tagen wurde von einer Düsseldorfer Arzthelferin berichtet, die wissentlich mit einer der hochansteckenden Virus-Mutanten infiziert arbeiten ging und – Sie ahnen es schon - ebenfalls mit 600 Personen Kontakt gehabt haben soll, die man nun mühevoll versucht ausfindig zu machen. Wenn trotz Impfungen und noch unter Lockdown-Bedingungen die Zahl der Neuinfektionen wieder steigen, kann man ohne besondere mathematische Talente ausrechnen, wie lange es bis zum nächsten Lockdown dauert. Aber auch für Mathematik gilt, wie für so viele Dinge, die über lange Zeit als gut und richtig galten, dass nichts ewig währt...

 

So lernten wir vor drei Tagen in der FAZ: „2 + 2 ≠ 4“![1] Offensichtlich lösen sich in den USA die bisherigen Gesetze der Mathematik derzeit auf, weil mathematische Ergebnisse nun doch keine mathematischen Gesetze sind, sondern ein Zeichen „weißer Vorherrschaft“ und die Idee von 2 + 2 = 4 kulturelle Gründe habe, wie eine Studierende konstatierte. Deshalb forderte das Kultusministerium von Oregon die Lehrer auf, sich in Ethno-Mathematik weiterzubilden, damit sie lernen, dass die bisherigen eineindeutigen mathematischen Ergebnisse eben doch nicht richtig sind, sondern die Folge von Imperialismus und Kolonialismus. In dieser Fortbildung sollten die Lehrer nun lernen, dass in der Mathematik jede Aufgabe mindestens zwei Ergebnisse habe! Endlich!!! Ich habe es immer schon gewußt: wenn ich in der Schule eine fünf in Mathe hatte, lag das nicht daran, dass ich das nicht verstanden hatte, sondern der Lehrer nicht wusste, dass es immer zwei Lösungen gibt.

 

Ob unsere Abgeordneten das bereits wußten? Dann wäre es verständlich, warum bis gestern früh für die große Öffnung und das Ende des Lockdowns ein Inzidenzwert von 35 die Ultima Ratio war,  dieser jetzt aber ZWISCHEN 50 und 100 liegen kann. Kommt halt immer drauf an…

 

Für jemanden, dessen Stärke sich nicht im Mathematikunterricht gezeigt hat, ist die Numerologie ein interessantes Terrain. So nehmen wir am Ende der heutigen Betrachtungen den § 600 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der die Mängelhaftung definiert. Dort heißt es: „Verschweigt der Verleiher arglistig einen Mangel im Recht oder einen Fehler der verliehenen Sache, so ist er verpflichtet, dem Entleiher den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.“ Im Kontext von Corona geht es bei den finanziellen Hilfen teilweise um Verliehenes. Bei der Beantragung der ersten Corona-Hilfen im März/April 2020 gab es (noch) keine Rückzahlungsbedingungen und auch keinen Hinweis, das da etwas in der Mache ist. Diese kamen erst ins Spiel, nachdem die ersten Gelder längst geflossen und ausgegeben waren – zweckfremd, wie viele kleinere Unternehmen schon bald schmerzlich lernen sollten. Da stellt sich die Frage der Conditio-sine-qua-non und wie die Rückführung möglicherweise zu viel erhaltenen Hilfen unter den neuen mathematischen Bedingungen berechnet werden soll, wird gewiss eine heitere Angelegenheit. [Hierbei handelt es sich selbstverständlich weder um eine juristische noch steuerliche Betrachtung und auch soll weder den AOs des BTs noch dem Gesetzgeber Arglist unterstellt werden. Diese Überlegung dient lediglich der Demonstration, wie man mit Zahlen und Vergleichen umgehen kann].

 

Aber! Was kann man ernsthaft erwarten von Volksvertretern, die, wenn sie im Hohen Hause des Bundestages ans Rednerpult treten ALLE ihre abgenommenen Mund-Nase-Bedeckungen (vulgo: Masken) offenherzig und für jeden einsehbar auf dem Rednerpult ablegen, so dass den Betrachter bei längerer Verfolgung dieser Bundestagsdebatte, bei der es immerhin auch um die Abwehr der Pandemie und ihre Folgen ging, ein äußerst befremdliches Gefühl beschleicht, weil der Blick automatisch auf die auf dem Rednerpult offen gaffenden Masken gezogen wird? Das ist so dermaßen abstoßend, dass ich diesen Satz lieber nicht zu Ende denke. Abgeordnete, die noch nicht einmal den Mindestanstand wahren und ihre Schnodderlappen (vulgo: Masken) in ihren Jacken- oder Hosentaschen verbergen und sich vor den Augen der geneigten Öffentlichkeit ohne Mindestabstand in den Reihen miteinander unterhalten, beweisen spätestens mit dieser unappetitlichen Geste, dass sie weder die alte noch die neue Mathematik beherrschen.

 

Den Viren ist Mathematik indes egal. Da ist es ganz simple: wenn ein Infizierter einem Nicht-Infizierten begenet, ergibt das (ohne geeigneten Schutz und Immunität) gemäß Viren-Mathematik gleich zwei Infizierte. Und wenn ein Infizierter dann 600 Personen begegnet und diese 600 wiederum je 600 … dann ist ein Virus im Schlaraffenland. Das ist nicht das Ergebnis weißer Vorherrschaft, sondern Viren-Logik.

 

An dieser Stelle muss ich leider aufhören. Ich muss los und mir einen neuen Taschenrechner besorgen mit einer zusätzlichen Funktionstaste, die die „weiße Vorherrschaft“ herausrechnet. In meinen Statistik-Büchern aus dem Studium habe ich leider keine geeignete Formeln zur Berechnung dieser Abweichungen gefunden.

 

Haben Sie einen schönen Tag und bleiben Sie heiter!

 

P.S.: Weil die Zahl 600 wirklich schön und interessant ist, gab es natürlich auch 600.000 EUR Schmiergeld, pardon: Beraterhonrar für den Zuschlag zur Beschaffung der Masken.

 


[1] Heil, Christiane, 2 + 2 ≠ 4, FAZ, 02.03.2021, S. 8

 

 

Grün ist die Hoffnung

25. Februar 2021

 

Noch gibt keinerlei Erkenntnis, gesichert durch mittel- und langfristige Studien, in welchem Spektrum und über welche Dauer die im Schnellschuss aus dem Boden gestampften Impfungen tatsächlich wirken und schon gar nicht ist auch nur in ersten Ansätzen belegt, dass Geimpfte nicht nur nicht mehr erkranken, sondern, dass die Viren an ihnen abprallen und sie diese deshalb nicht mehr weitertragen.

 

Wie der amtierende österreichische Bundeskanzler auf die Idee kommt, Geimpfte mit einem neu zu schaffenden europäischen Impfausweis zu versehen, der sie berechtigt, wieder alles zu machen und das auch noch nach dem Vorbild des grünen Impfausweises Israels, das die Bekämpfung der Pandemie mit lupenrein autoritären, totalitären und diktatorischen Maßnahmen der Gesellschaft aufoktroyiert hat, ist nicht nachvollziehbar, aber für zwei Dinge ein sicheres Zeichen:

 

1. Kurz hat nicht wirklich verstanden, worum es bei Pandemien in Demokratien geht!

 

2. Das Ende freiheitlicher Demokratien westlicher Couleur aufbauend auf der Aufklärung ist ganz offensichtlich eingeläutet. Westliche Demokratien haben eine derart massive individuelle, persönliche Entwicklung und Entfaltung für die meisten ihrer Bürger mit sich gebracht, dass diese vor allem von jeder Eigenverantwortung freien Individuen diese Freiheit und Demokratie aus Überdruss heraus zerstören können, weil sich selber anzustrengen, auf die Bedürfnisse anderer zu achten und sie zu respektieren und sich dann auch noch eigenständig mit Fakten auseinanderzusetzen, auch wenn sie nicht dem persönlichen Empfinden entsprechen, offensichtlich eine Zumutung ist. Das ist der Anfang des Endes – wenn nicht ganz schnell noch ein Wunder geschieht.

 

So also auch an Sie die Frage, Herr Kurz:

 

Es gibt Impfprioritäten, nach denen die Alten und Vulnerablen zuerst geimpft werden. Wer sich in dieser Reihenfolge vordrängelt, soll mit einem Bußgeld von 25.000 EUR belegt werden. Wer also die Möglichkeit hat, die ansonsten zu vernichtenden Impfdosen, die niemand haben will, sich selbst oder anderen impfen zu lassen, die noch nicht auf dem Plan, aber willig sind, darf zahlen. Ein schlauer Plan unserer fein aufeinander abgestimmten und austarierenden GroKo. Schließlich ist unser Staatssäckel derart geschröpft, dass da dringend frisches Geld hinein muss. Welch Segen, dass soviele Bürger nicht mit einem bestimmten Serum geimpft werden möchten und Wegschmeißen dieses kostbarsten, unser Überleben sichernden Gutes wohl selbst die Deutschen in revolutionäre Höhen auftreiben würde.

 

Zur Frage: Was, bitte schön, sollen denn die nun geimpften Alten und Vulnerablen machen? Wohin sollen sie gehen mit ihrem die vollendete Freiheit garantierenden grünen Impfausweis? Endlich mal nach Ballermann reisen, weil dort gerade eine wohltuende Ruhe und keine Party ist? Die Anreise könnten sie nicht nur ökologisch 100% korrekt zu Fuß, Fahrrad oder Rollator vornehmen, nein sie müssten, denn: Fliegen oder Reisebus-Touren gehen nicht, weil die anderen ja noch Corona haben oder gefährdet, da nicht geimpft sind. Nun gut, die Geimpften könnten vielleicht noch selbst kochen, wenn das Alter und andere Erkrankungen ihnen das nicht verunmöglich. Das müssten sie denn auch tun, weil Restaurants weiterhin geschlossen sind. Im Zelt übernachten ist vielleicht nicht mehr so ganz ihr Ding, aber anders können sie nicht verreisen, da die Hotels ebenfalls noch geschlossen sind, denn deren Mitarbeiter stehen in der Impfprioritätenliste viel weiter hinten. Statt Museums- und Konzertbesuche könnten sie selbst malen und musizieren, vielleicht auf öffentlichen Plätzen, dann könnten all die anderen noch nicht Geimpften zumindest partiell kulturelle Genüsse und Ergüsse erheischen.

 

Theoretisch könnten Sie das auch selbst erkennen, oder Herr Kurz? Das sind Dinge, auf die kann jeder mit einem gesunden Menschenverstand kommen. Das hat nichts damit zu tun, ob jemand eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat, was bei Ihnen ja nicht der Fall ist. Aber Sie sind nun mit einem Amt betraut, an dem Menschen wachsen könnten, zumindest wenn sie Persönlichkeiten sind.

 

Und by the way: Nur selber denken macht schlau! Selber Denken ist indes etwas gaaaaanz anderes als ungefiltert die Äußerungen anderer oder einem durchs Gehirn schießende Ideen unreflektiert in die Welt zu blasen!

 

Bleiben Sie gesund, Herr Kurz, und lassen Sie uns bitte kurz wissen, wenn Sie geimpft wurden und auch, wie es ihnen danach und damit geht!

 

 

Summ summ summ

05. Februar 2021

 

In ein gar nicht so unbekanntes Land reiste dereinst ein den meisten unbekannter Mann. Wahrscheinlich per Schiffspassage, das Fliegen war noch nicht populär und nahezu unbezahlbar. Waldemar Bonsels war auf der Suche nach einer besseren Welt, denn die Nazis hatten ihren Worten ohne Zögern Taten folgen lassen. Nachdem sie gewählt in Amt und (ohne) Würden kamen und Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichkanzler ernannt wurde – in der fatalen Annahme, die braune Brut durch Einbindung besser kontrollieren zu können [!] – brannten nur vierzehn Wochen später am 10. Mai 1933 bereits die Bücher. Darunter die Autobiographie Waldemar Bonsels‘, in der er positiv über ein jüdisches Mädchen schrieb. So bedeutend Bonsels zu seiner Zeit auch war, wüssten wir heute kaum noch von ihm, wenn nicht eine kleine „Biene Maja“ durch die Welt summte, die er 1912 verfasst und ihn unsterblich gemacht hat. Es ist schon fast verblüffend, dass nicht auch die Biene Maja mit ihrem Drang nach Freiheit und dem Infragestellen des herrschenden Systems auf dem Index gelandet ist. Aber die braune Brut hat sich nicht durch feinsinnige Bildung ausgezeichnet, die auch zwischen den Zeilen zu lesen versteht.

 

Bonsels überquerte also den großen Teich. Zunächst, um auf einer Vortragsreise das gelobte Land Amerika in Augenschein zu nehmen, ob er dort leben könne. Laut Weidermann fand er das Land »abscheulich, technikgläubig und verkommen.«: »“Es gibt kaum etwas, das hier nicht rasch geglaubt und ebenso rasch wieder verworfen würde; es ist schwer, bei den Technikern dieser Kulte zwischen dem Aberglauben einer verbohrten Inbrunst und dem routinierten Geschäftssinn gewissenloser Ausbeuter zu unterscheiden.“« Bonsels kehrte daraufhin nach Deutschland zurück. Offensichtlich war es für ihn erträglicher, unter den Nazis zu leben als in Amerika.

 

Das ist für uns Heutige kaum nachvollziehbar. Gerade Amerika hat vielen Menschen das Überleben und einen Neuanfang ermöglicht. Es kann also nicht alles und jeder schlecht gewesen sein. Das von Bonsels beobachtete und beschriebene Verhalten der Amerikaner, etwas rasch zu glauben, wie zu verwerfen finden wir indes auch heute noch. Trump und die Stürmung des Capitols bleiben einprägsame Beispiele. Mit welcher Leidenschaft die USA andere Länder in Kriege stürtzen, natürlich zum Wohle der Bevölkerung vor Ort, und sich dann, wenn die beschrieenen Erfolge ausbleiben, zurückziehen und Zerstörung und failed states zurücklassen, ist in dieser Form einzigartig und erfordert wohl die vorgenannte Mentalität. Vietnam, Iraq und andere lassen grüßen.

 

Trotz all der Durchgeknallten bleibt Amerika ein interessant zu bereisendes Land und wer das im Moment nicht tun kann, dem sei zur Erheiterung des Gemütes die erneute Lektüre der Biene Maja ans Herz gelegt. Wer sich etwas genauer mit den Auswirkungen politischen und bürgerlichen Handelns befassen möchte, nehme sich „Das Buch der verbrannten Bücher“ von Volker Weidermann vor, der in sehr erhellender und bei aller Dramatik kurzweiligen Schreibe dieses dunkle Kapitel der Geschichte beleuchtet. Dort fand ich heute beim Wiederlesen die Geschichte des 'Vaters' der Biene Maja, die trotz aller Widrigkeiten, Krisen, Kriegen und Konflikten munter weiter durch die Welt summt und Frohsinn versprüht – sogar im arabischen Fernsehen, wie ich kürzlich mit Vergnügen feststellte.

 

Das ist posthume Friedensarbeit par excellence! Diese kleine Biene namens Maya zeigt mit Frohsinn, wie man bei Gegenwind stark bleibt, hinterfragt und immer neugierig auf alles bleibt. Das ist wahre Resilienz, wie sie in den kostspieligsten Seminaren nicht erlernt werden kann. Daran könnten sich – nicht nur – Politiker ein Beispiel nehmen, wie man haltbare Brücken zwischen Menschen, Völkern, Kulturen und Zeiten baut. Beide Bücher seien auch in besonderer Weise dem neuen US-Präsidenten ans Herz gelegt. Vielleicht hat er bei all seinen Aufgaben keine Zeit für gute Lektüre, aber immerhin hat er eine gebildete Frau an seiner Seite. Das allein schon lässt hoffen. Kann sie doch, wie das halt so ist in einer guten Partnerschaft, die Bücher lesen und ihm dann beim Sonntagsfrühstück darüber erzählen. Danke Her Weidermann, dass Sie uns daran erinnert haben!

Was Hamburg von Hong Kong lernen und von Hühnern übernehmen kann:

01. Februar 2021

 

Der Rat der Europäischen Union erbarmte sich 1999 der Legehennen und verbot deren Haltung in konventionellen Käfigen ab 2012[1]. Ihnen stehen nun größere Käfige zu, was gut und richtig ist, Tiere brauchen Platz für das Wohlbefinden.

 

Für Menschen gilt jetzt Gegenteiliges, zumindest in Hamburg-Nord. Der dortige Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz, Mitglied der Grünen, hat den Neubau von Einfamilienhäusern verboten! Jawohl – Sie lesen richtig: Der Bau neuer Einfamilienhäuser ist jetzt im Bezirk Hamburg-Nord verboten, weil Einfamilienhäuser zu viele Ressourcen verbrauchen und auf derselben Fläche viel mehr Leute leben könnten[2], was ökologisch, CO2- und sonst wie sinnvoller ist. So wurde es 2020 im Koalitionsvertrag der Grünen und SPD vereinbart, da die Fläche für Wohnraum immer knapper und teurer wird. Mathematisch und physikalisch stimmt es, dass, bringt man auf hundert Quadratmetern 10 Leute unter, neun Mensch mehr Platz auf derselben Fläche finden, als wenn nur einer dort lebt. Auch wird weniger Heizenergie verbraucht: je mehr Menschen, desto wärmer! Man braucht nur noch einen Telefon- und Internetanschluss, eine Hausratversicherung, Shampoo, Spülmittel und Pasta können in Großgebinden gekauft werden. Vielleicht sollte das Verbot des Neubaus von Einfamilienhäusern ergänzt werden mit einem Erlass, dass je Haus maximal ein Auto für alle zugelassen sein darf. Man darf gespannt sein, wie lange die Konsumgüterindustrie sich das gefallen lässt…

 

Kommunismus, Sozialismus, Totalitarismus, Autokratien oder Kleptokratien haben alle eine schlaue Idee (abhängig von der Seite des Betrachters): Die Abschaffung des Eigentums, der Individualität, Freiheit, Bildung und des Verstandes. Die Umerziehung der Menschen zu funktionierenden Arbeitsobjekten, die, sofern sie Glück haben und gut angepasst sind, immerhin das notwendigste zum Überleben erhalten. Alles andere wird gebraucht, damit die Häuser, Autos, Flugzeuge, Yachten und Wälder der Oligarchen und Herrschenden um so größer sein können. Gesamt gesehen verbrauchen diese doch weniger Fläche, als wenn man dem ordinären Pöbel gestattet, sich Eigenheime mit Garten zu bauen.

 

China wird gerne für seinen blühenden Kapitalismus gerühmt, für den es dort auch nicht das lästige Instrument der Demokratie braucht. Es lohnt also ein Blick in das Land der aufgehenden Sonne. So gibt es in Hong Kong die sogenannten Cage-People. Cage-People sind Menschen, deren Zuhause ein Käfig ist in Häusern mit vielen Räumen, in denen wiederum viele Käfige sind, in denen die Bewohner auf ungefähr zwei Quadratmetern leben, übereinander, nebeneinander, soviele halt eben reinpassen.[3]

 

Möglicherweise haben die Grünen und Sozis in Hamburg davon noch nichts gehört. Aber es könnte ein Modell sein, mehrere Probleme auf einmal zu lösen: zur Gewinnung von Wohnraumfläche könnten die nun für die Legehennen nicht mehr erlaubten, weil zu kleinen, Käfige einer neuen Verwendung zugeführt werden und Langzeitarbeitslose bekämen eine sinnvolle Beschäftigung. Mit dem Ziel der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt machen diese einen Ein-Euro-Job, in dem sie z.B. je zwanzig der nicht mehr gebrauchten Hühnerkäfige neu zusammenschweißen, in denen dann nach chinesischem Vorbild je eine Person, aber gemeinsam mit anderen in einem Raum, wohnen kann. Dafür werden die Ein-Euro-Jobber zuvor mit einen Crash-Kurs in Schweißen beglückt, so haben auch Bildungsträger neue Aufträge und die Kosten der Entsorgung alter Käfige werden gespart. Gibt man dann noch ein wenig Glückshormone ins Trinkwasser, werden die Bürger es phantastisch finden, auf ihrem  rot-grünen Wolkentraum zu schweben.

 

Nun bin ich kein Ökonom und habe auch nur aus Interesse vier Semester Volkswirtschaft studiert, aber mir scheint, man könnte bei der Umsetzung dieses Planes von einer Win-Win-Situation sprechen. Und der Bezirksamtsleiter in Hamburg-Nord, der wohl ein angemessenes Salär haben wird, hat dann, wenn die „nutzlose Masse“, wie Harari sie in Homo Deus nennt[4], ökonomisch und ökologisch effektiv, effizient und ressourcenschonend eingepfercht und beschäftigt ist, genügend freie Fläche für sein eigenes EFH, das ihm natürlich zu steht, weil er ja ein wichtiger Mann ist.

 

Zur Wahrung des sozialen Friedens und zur Gewährleistung von Fairness und Gerechtigkeit gäbe es ein weiteres Instrument zur eigenverantwortlichen Steuerung eines Vorrechtes auf Immobilienbesitz: wieder lernen wir von China und kreditieren das soziale Verhalten der Bürger. Gehen sie bei rot über die Ampel, gibt’s Abzug, ebenso, wenn der Müll nicht richtig entsorgt ist, man seine Steuern nicht pünktlich bezahlt, falsch parkt, kein Fit-Bit nutzt und anderes mehr. Bei Erreichen einer maximalen Punktezahl hat man das Anrecht auf die Option, in ein Auswahlverfahren zu kommen, über das, wenn man Glück hat, man ein Grundstück erwerben und bebauen darf. Dieser Prozess dauert in der Regel jedoch so lange, dass man wahrscheinlich erst am Ende eines Lebensweges zu Wohn-Eigentum kommt, das dann allerdings 1,80 tief und nur noch einen Meter breit ist! Wenn die in beengten Räumlichkeiten zusammengequetschten Trauernden dann die Verblichenen an ihrer letzten Heimstätte besuchen, haben sie immerhin die Möglichkeit, an einem ruhigen, gediegenen, schön begrünten Ort endlich richtig durchzuatmen und bei der Grabpflege ein wenig Erholung zu erfahren und von besseren Zeiten zu träumen.

 

Es ist perfide, dass der Hamburg-Nord-Bezirksamtsleiter auf Facebook den Ohlsdorfer Friedhof liked, während er den Lebenden das Recht auf ein EFH versagt. Liebe Hamburger, versteht mich bitte nicht falsch! Der Ohlsdorfer Friedhof ist ein kulturhistorisches, architektonisches, landschaftliches Kleinod, auf dem ich gerne spazieren gehe, weshalb mir auch der Raum je Grab und Gruft bekannt ist - woran auch niemand rütteln soll. Schließlich garantiert nicht zuletzt unsere Grundgesetz die Würde des Menschen über den Tod hinaus. Es wäre halt nur nützlich für den Fortbestand freier, demokratischer Gesellschaften, wenn gelegentlich auch die Würde des (lebenden) Menschen berücksichtigt wird. Gerne auch NACH den Hühnern und dem nun von FDP gemeinsam mit den Grünen vorgeschlagenen Selbstbestimmungsgesetz, mit dem dann ab dem vollendeten vierzehnten Lebensjahr jeder jährlich neu entscheiden können soll, ob er rechtlich als Mann oder Frau betrachet werden will, wofür unabhängig der biologischen Geschlechtsmerkmale eine Erklärung beim Standesamt reicht[5]

 

Sollte dieser Entwurf dereinst gültiges Recht sein, müsste allerdings noch mal überlegt werden, ob oder wie man ggf. eine Trennung der Käfige nach Geschlechtern organisieren muss und ob sich der Eigentümer der Käfige möglicherweise strafbar macht, wenn die Käfige nicht unisex und die Klos für alle sind. 

 

Wie sagte einst die prominente chinesische Vertreterin für ein demokratisches China Tienchi Martin-Liao zu mir: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“

 

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Schluss mit dem Gegacker.

 

Congratulations Mr President Joe Biden Jr

and Mrs Vice-President Kamala Harris

The U.S Capitol Building is prepared for the inaugural ceremonies for President-elect Joe Biden as American flags are placed in the ground on the National Mall on January 18, 2021 in Washington, DC.

"The U.S Capitol Building is prepared for the inaugural ceremonies for President-elect Joe Biden as American flags are placed in the ground on the National Mall on January 18, 2021 in Washington, DC.  Joe Raedle | Getty Images"  (Source)

Fänchen im Wind

20. Januar 2021

 

Die heutige Inauguration des praktizierenden Katholiken Joseph Robinette "Joe" Biden Jr. zum 46. Präsident der USA wird wohl in besonderer Weise in die Geschichte eingehen. Fähnchen - im Winde flatternd -  stellvertretend für Bürger, die hoffentlich nicht wie Fähnchen im Winde flattern, werden von dem wohl höchsten Sicherheitsaufgebot ever geschützt, wenn sie dem neuen Präsidenten während der Zeremonie zuwehen.

 

Fast prophetisch klingen heute die etwas martialischen Worte während seiner Nominierungsrede von der Schlacht, dem Kampf (battle) um die Seele Amerikas und seine Bitte an Gott, die Armee zu schützen!

 

Die Freude aller, die froh sind, dass dieses widerwärtige, demokratiezersetzende Trumple-Tier endlich aus dem Amt ist, sollte nicht über den wahren Zustand Amerikas und der geistigen und moralischen Verfassung seiner Bürger hinwegtäuschen - und auch nicht über die Geisteshaltung des in wenigen Stunden neuen Präsidenten, der seine Nominierungsrede am 21. August 2020 mit einem Zitat der Bürgerrechtlerin Ella Baker begann: "Gib den Menschen Licht und sie werden ihren Weg finden". Darauf aufbauend verkündete Biden, dass er ein Verbündeter des Lichtes, nicht der Dunkelheit sein werden, wenn man ihm die Präsidentschaft anvertraue. 

 

"Ella Baker, a giant of the civil rights movement, left us with this wisdom: Give people light and they will find a way. Give people light. Those are words for our time. The current president has cloaked America in darkness for much too long. Too much anger. Too much fear. Too much division. Here and now, I give you my word: If you entrust me with the presidency, I will draw on the best of us not the worst. I will be an ally of the light not of the darkness. It's time for us, for We the People, to come together. For make no mistake. United we can, and will, overcome this season of darkness in America. We will choose hope over fear, facts over fiction, fairness over privilege." 

 

Und Biden schloss seine Nominierungsrede mit den Worten: "May God protect our troops." Möge Gott unsere Armeen schützen!!! Bleibt zu hoffen, das dieser herbeigebetete Schutz wirkt und diese von Gott beschützten Truppen heute die Fähnchen im Winde und natürlich auch das Weiße Hause und alle Menschen schützen.

 

Viel Glück und Gottes Segen für ihr großes und schweres Amt, Mister President!

Mars macht mobil...

17. Januar 2021

 

So begann einst ein Werbejingle für einen Schokoriegel. Möchte jemand diesen Schokoriegel kaufen, klingt das schnell wie "ein Maas bitte". Das r ist in der Aussprache durch ein gedehntes a ersetzt. 

 

Der Verzehr eines Schokoriegels -mit ar- treibt die Insulinausschüttung in die Höhe, was kurzfristig die Leistungsfähigkeit steigert (was die Werbung als Mobilisator anpreist), um dann um so stärker abzufallen (wie der Mediziner weiß). 

 

Der derzeitige deutsche Außenminister würde auch gerne mobil machen. Heiko Maas -mit aa- bläst erneut seine Ideen in den politischen Orbit, dass es dem geneigten Bürger ebenfalls die inneren Ausschüttungen in die Höhe treibt.

 

Titelt noch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 03. Januar 2021 "Kein Vorrecht für Geimpfte" und zitiert damit aus einem Gespräch mit dem NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet, fühlt sich Maas mal wieder zu Höherem berufen und will, nach Laschets Kür zum künftigen CDU-Vorsitzenden, den Geimpften Privilegien einräumen, die ihnen jetzt auch wieder zu stünden, wie zum Beispiel die Besuche von Restaurants und Kinos. 

 

Nun gut. Nur weil jemand auch das zweite juristische Staatsexamen abgelegt hat, heisst das weder, dass das automatisch zu einem demokratischen Rechtsverständnis führt und schon gar nicht, das man Gesellschaft und betriebswirtschaftliche Belange versteht.

 

Grundsätzlich ist ja fraglich, warum man mit dem Impfen eines nicht erprobten Impfstoffes ausgerechnet bei den über 80-Jährigen beginnt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt... Moralisch lässt sich das politisch gut präsentieren: seht her, wir kümmern uns um die Vulnerabelsten. Aber wie sinnvoll ist das, wenn man eben nicht die Absicht hat, die Ü-80-Jährigen als Versuchskaninchen zu missbrauchen? Es wäre zum Erhalt der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und des sozialen Friedens wohl zwingend geboten gewesen, zunächst das ganze Krankenhaus-, Pflegeheim-, Arztpraxenpersonal und IT-Experten durchzuimpfen, die Polizei und Feuerwehr und andere Sicherheitskräfte, dann die Verkäufer, Zugbegleiter, Handwerker und Lehrer. Danach hätten alle Schüler geimpft werden müssen, die sich in zu großer Zahl noch am Wenigsten um das richtige Coronaschutz-gerechte Verhalten bemühen. Dadurch wären auch jene erheblich besser geschützt in Krankhäusern und Heimen sind.

 

Herr Maas, möglicherweise ist Ihnen nicht bekannt, dass die Ü-80-Jährigen nicht zu der Klientel gehören, die durch ihr Konsumverhalten Restaurants, Kinos und wer weiß, welche Etablissements Sie noch so im Hinterkopf hatten, am Laufen halten. Und was sollen die frisch-geimpften Ü-80-Jährigen dann in den Restaurants und Kinos machen? Selber kochen, putzen, Filme abspielen und sich das Popkorn selbst zubereiten? Diejenigen, deren Job es ist, die üblichen Aufgaben zum Betrieb eines Restaurants oder Kinos auszuführen, sind nach gegenwärtiger Planung voraussichtlich überwiegend erst im Sommer mit der Impfung an der Reihe.

 

Dass, was Sie, Herr Maas mit diesem blamablen Einwurf erreicht haben, ist, dass der Volkszorn hochkocht, ähnlich wie die Bauchspeicheldrüse nach dem Verzehr eines Ihrem Namen ähnlichen Schokoriegels. 

Our international program and activities you will find at The Bridge Builders

Zitat des Tages

"Während meines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten habe ich bemerkt, daß eine demokratische Gesellschaftsordnung wie die der Amerikaner für die Errichtung des Despotismus einzigartige Möglichkeiten bieten könnte; [...] Ich bin überzeugt, daß es leichter ist eine absolute und despotische Regierung in einem Volk zu errichten, in dem die gesellschaftlichen Bedingungen gleich sind, als in einem anderen, und ich glaube, eine derartige Regierung würde - einmal in einem solchen Volk errichtet - die Menschen nicht nur unterdrücken, sondern auf die Dauer jedem einige der wesentlichen Attribute der Menschheit entreißen. Der Despotismus erscheint mir daher in den demokratischen Zeiten als eine besondere Gefahr."

Alexis de Toqueville 1840

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