Sapere aude!

Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Immanuel Kant 1784 in Beantwortung der Frage "Was ist Aufklärung?"

 

In "post-faktischen" Zeiten scheint alles möglich. Fassungslos verfolgen wir die Ereignisse in der Welt, erstaunt fragend, wie das alles möglich ist - und bleiben immer wieder mit einem dumpfen Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit zurück. Die fatalen Folgen unseres (Nicht-)Handelns sind unübersehbar und die Frage drängt, wo unser Mut ist, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen.

 

Täglich wächst die Herausforderung, aus einer multimedialen Informationsflut Ereignisse und Fakten von Fake News und Propaganda zu unterscheiden, uns neuen Anforderungen zu stellen und doch auf dem eigenen Weg zu bleiben. Die Fundamente (west-)europäischer Demokratien erodieren in rasantem Tempo. Autokraten, Schwachmaten, Extremisten und Demagogen greifen Raum - shrinking spaces wachsen.

 

Höchste Zeit, unsere Stimme zu erheben, Verantwortung zu übernehmen, uns nicht länger verwalten und zum kritikfreien Konsumenten degenerieren zu lassen, gut genug als Stimmvieh, um danach als unmündig erklärt zu werden, das Gewählte vernünftig beurteilen zu können.

 

Anleitung zum Um- und Querdenken, kritisches Hinterfragen, Aufzeigen von Ursachen und Zusammenhängen und die Entwicklung neuer, kreativer Wege im Kantischen Sinne, der Entwicklung als das Auspacken eigener Fähigkeiten beschrieb, ist unserer Arbeitsauftrag.

Aktuelles

Triell – oder: de bello germanico

10. September 2021

 

Salve!

 

Ich hatte Glück! Ich lernte an einem humanistisch-altsprachlichen Gymnasium als erste Fremdsprache ab der 5. Klasse Latein bei Alt-Philologen, die auch die Zeitgeschichte des römischen Imperiums aus dem Effeff kannten. Vor jeder neuen Lektion gab es immer eine spannende Einführung. So lasen wir natürlich ab der 9. Klasse Caesars „De bello gallico“ – Über den gallischen Krieg, dessen Lektüre Pflicht für jeden angehenden und Möchte-gern-Politiker sein müsste. Und auch für politische Journalisten. So wie Cäsar sich schnörkellos und absolut präzise ausdrückte, war zu seinen Zeiten auch Krieg noch eine klar umgrenzte Sache mit definierten Waffen.

 

Heute ist in unseren Breitengraden vor allem das Wort eine mächtige Waffe, die zu oft von jenen geführt wird, die den Umgang damit weder verstehen noch beherrschen. Dazu empfahl Caesar dereinst, „dass man ein abgekommenes, ungewöhnliches Wort wie ein Felsenriff vermeiden müsse.“[1]. Da aber offensichtlich weder die Politiker noch die Interviewer Caesar gelesen und schon gar nicht verstanden haben, wird am kommenden Sonntag in die zweite Schlacht gezogen. Der Spiritus rector des Triell-Formates möchte vielleicht als pfiffig oder gebildet gelten. Indes: es ist eine demokratiegefährdende Schmierenkomödie.

 

Die Begrifflichkeit „Triell“ ruft mir Bilder spätrömischer Dekadenz in den Sinn, wo Menschen hungrigen Löwen in der Arena zum Fraß vorgeworfen wurden zur Erheiterung der Meute. Und das erste Triell hat diese Bilder mit Leben gefüllt. Das war kein Diskurs, kein Ringen um die besten Lösungen, kein Erörtern, wie welche Herausforderungen angegangen werden können, sondern ein gegenseitiges Bashing und Diskreditieren, auch wenn die Kandidaten beteuerten, eben das nicht tun zu wollen. Und was hat das mit meinem Latein-Unterricht zu tun? Genau: die Übersetzung.

Triell = Duell + Eins. Nehme ich den Stowasser zur Hand, findet sich unter „duellum“ der Verweis auf „bellum“ und bellum bedeutet „Krieg, Schlacht“. Das man im 21. Jahrhundert in einer Demokratie potentiell künftige Kanzler zum Krieg in die mediale Manege treibt, ist nachgerade perfide. Warum?

 

Am heutigen Tag beträgt die Staatsverschuldung 2.328.000.000.000 EUR (2,3 Billionen!). Dieser unvorstellbare Berg wächst pro Sekunde um 8.740 EUR. Runtergebrochen entspricht das einer Verschuldung von 27.983 EUR je Bürger.[2] Dumm an dieser exorbitanten Staatsverschuldung ist, dass das Geld nicht mehr in ausreichendem Maße in zukunftssichernde Projekte investiert wird, sondern in Kosten für den bis kurz vor dem Platzen stehend überblähten Regierungsapparat, als Stopfmittel für Haushaltslöcher, zementierte Altschulden, Kriegsspielplätze oder zur Subventionierung erstaunlicher Projekte.

 

Elon Musk schoss vor drei Jahren einen Tesla-Roadster als Marketing-Gag ins Weltall.[3] In diesem gigantomanischen Glanz möchte sich gar mancher gerne sonnen. Also bekommt dieser egomane Spaßvogel nun ein Fleißkärtchen in Form von 1,1 Milliarden Euro staatlicher Förderung für die im wahrsten Sinne auf Sand gebaute Gigafactory zur Produktion von Baterien für Elektromobilität.[4] Somit finanziert der deutsche und europäische Steuerzahler indirekt diesen geschmacklosen Witz führer- und fahrerloser Fahrzeuge, die den Berg des Weltraumschrotts bereichern, pardon, natürlich die Arbeitsplätze in Brandenburg. Dass er davon jemals etwas wiedersieht, darf als ausgeschlossen gelten. Und dass Saudi Arabien einen nicht unerheblichen Anteil an Tesla-Aktien hält, sei nur am Rande erwähnt.[5] 

 

Würde die Regierung diese 1,1 Mrd. Euro in Bildung samt Schul-Klos investieren, erhöhte das die Chance, das Ruder des leckgeschlagenen Schiffes herumreißen zu können. Aber wir sehen ein: Annalena mit mit dem blauen Umweltengel zertifizierten Klopapier auf einem mit Ökofarbe gestrichenem und mit Abwasser gespültem Schul-Klo ist vielleicht nicht so attraktiv, wie Armin mit Elon Arm in Arm. Wenn Politiker aber zumindest von Zeit zu Zeit so täten, als würden sie langfristig denken (können), könnten sie der Frage nachgehen, für welchen Absatzmarkt diese Batterien tatsächlich produziert werden und zu welchen Bedingungen. Es wird sich wohl schon in Kürze zeigen, welche Art von Arbeitsplätzen Teslas Gigafactory tatsächlich offeriert und wie bereitwillig und in welcher Höhe Steuern und Sozialabgaben entrichtet werden.

 

Wenn es um die Sicherung des Standortes Deutschland/Europa und die Gewährleistung zukunftstauglicher Technologien ginge, warum wurde nicht von deutschen Autobauern in Kooperation mit Bosch und Siemens ein Hub gegründet, der, gerne auch mit staatlicher Förderung, die Entwicklung von Batterien im Rahmen eines Gesamt-Energie-Konzeptes vorantreibt? Natürlich haben auch diese Konzerne geschickte Steuervermeidungsmodelle. Dennoch blieben, salopp gesprochen, Geld und Know-how im Lande. Wer bezahlt, bestimmt die Musik. Wenn beispielsweise demnächst Israel Batterien braucht und dafür mehr Geld bietet, als deutsche Hersteller, gehen die Batterien eben nach Israel. Hinweise, dass diese doch mit deutschen Steuergeldern gefördert wurden und Deutschland deshalb vorrangig zu bedienen sei, werden ungehört im Sande versickern. Welche Macht hat Deutschland? Tesla wird immer die (A-)Karte der Arbeitsplätze spielen – natürlich die der Bullshit-Jobs, aber damit nehmen wir es nicht so genau, Hauptsache, die Statistik stimmt.

 

Wenn wir nicht wollen, dass Bullshit-Jobs, eine verfestigte, stetig steigende Sockelarbeitslosigkeit, marode Renten- und Krankenversicherungssysteme uns um die Ohren fliegen, wenn wir den rasant zunehmenden Verlust an Arbeitsplätzen, plus Klimakatastrophe, Artensterben, Flächenversiegelung, Pandemien und die Frage, woher der Strom für all die wunderbaren E-Mobilität, Datenautobahnen und kryptische Währungen kommt, wenn wir all das bewältigen wollen, ohne in eine große Katastrophe zu stürzen, dann haben wir keine Zeit für Brot und Spiele in der Wahlkampf-Arena. All das sind keine Herausforderungen, sondern ernste Probleme, die nur gemeinsam gelöst werden können! Aber die gewählten Volksvertreter und jene, die sich dazu berufen fühlen, verkaufen die Bürger für so dumm, dass sie ihnen wie eh und je den Bären aufbinden, dass nur die jeweilige Partei die einzig wahre Lösung parat habe.

 

Die Wahrheit ist indes simple: Wir können das nur gemeinsam lösen, ungeachtet der Parteifarben. Es braucht alle Kompetenzen und jede Gruppierung hat Spektren, die gemeinsam Sinn ergeben. Und auch wenn’s schwerfällt: die Interessen von Liberalen, Grünen, Roten, Schwarzen haben viele Schnittpunkte und sind gleichberechtigt, ob es einem passt, oder nicht. Dass Kanzlerkandidaten sich ernsthaft vor den Karren der Medien spannen lassen und sich duellieren, Entschuldigung, es muss natürlich triellieren heißen, also sich bekämpfen, ob zu zweit oder zu dritt, ist an Perfidie nicht mehr zu überbieten. Die Einladung zu einer offenen Aussprache in dem Begehren, gemeinsame Lösungen zu diskutieren wäre der angemessenere, würdigere und chancenreichere Ansatz für das 21. Jahrhundert. Brot und Spiele haben schon in den römischen Arenen den Untergang des Alten Roms vorweggenommen.

 

Ob Caesar dereinst am Ende eines kriegerischen Tages versonnen in den Sternenhimmel blickte und Großmachtphantasien sponn, wie es wohl wäre, man könne auch diese astrae incognitae erobern, ist nicht überliefert. Als Gedankenspiel dürfte diese Überlegung jedoch anregender und amüsanter sein, als das kommende Triell.

 

[1] Gellius, Aulus, Die attischen Nächte, in der Übertragung von Fritz Weiss, Leipzig 1875, 1. Buch, 10. Cap., §4

[3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/tesla-elektroauto-im-all-nur-noch-der-rahmen-ist-uebrig-17177364.html

[5] https://www.arabianbusiness.com/transport/402422-saudi-invests-2bn-in-tesla-as-founder-elon-musk-mulls-taking-it-private

Die Vermeidung der Wieder-Auferstehung von Churchills schwarzem Hund

21. August 2021

 

Während unsere Bundeswehrsoldaten wieder einmal unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen und dieses Mal sogar die Freiheit der für sie zuarbeitenden Afghanen, kamen unserer hiesigen Julia Klöckner, ihres Zeichens Bundeslandwirtschaftsministerin, Bedenken.

 

Vielleicht wurde sie beim Schauen der Nachrichten in den letzten Tagen derart betrübt, dass sie sich ihr Schoßhündchen schnappte und ein wenig mit ihm kuschelte, um für einen Moment ein wohlig geborgenes Gefühl zu haben. Vielleicht hat sie aber auch in Ermangelung eines solchen über eine Anschaffung nachgedacht und musste diese Idee wieder verwerfen, weil sie als vielbeschäftigte Ministerin nicht genügend Zeit für die Pflege eines Hündchens hat und die Ausgaben für einen Hundesitter steuerlich nicht absetzbar sind.

 

So in Gedanken versunken malte sie sich vielleicht aus, wie zauberhaft der Umgang für die Züchter mit den neugeborenen Welpen sein müsse. Der Hindukusch-Horror entriss sie aber ihrem Schwelgen und die deutlich wahrgenommene eigene Hilflosigkeit bei diesem Thema motivierte sie, wenn sie schon nicht den Afghanen, dem Weltfrieden insgesamt, den missbrauchten und verwahrlosten Kindern, den Tieren aus der Fleischmassenproduktion helfen, wenn sie auch nicht dafür sorgen kann, dass zumindest Schulklos einwandfrei funktionieren und mit einer ökologisch 1A-Abwasserspülung ausgestattet sind, dann, ja dann muss man halt irgendetwas retten. Und was ist dafür besser geeignet, als kleine wuselig Geschöpfe mit treuem Hundeblick. Den braucht man auch in diesen Zeiten, in denen Treue und Vertrauen sich schon ins Nirvana aufgemacht zu haben scheinen. Und es wurde das gute Herz der Ministerin ganz schwer bei der Vorstellung, irgendjemand könne sich nicht liebevollst um diese kleinen treuherzigen Geschöpfe kümmern. So kam ihr die Erleuchtung: jemand müsse sich nur vier Stunden täglich um die kleinen Kerlchen kümmern, dann wird alles gut - zumindest für jene Welpen,die die Gnade der Geburt am richtigen Ort haben.

 

Geht’s noch Frau Klöckner? Vielleicht liegt es ja an ihrer Ausbildung zur staatlich examinierten Lehrerin, dass sie denken, dass es tatsächlich etwas verändert, wenn man künftig alle Hundezüchter per Gesetz zu vier Stunden täglichem Umgang mit Welpen zwingt. Vielleicht hätten sie nicht nur Pädagogik, Theologie und Politik studieren, sondern auch  Vorlesungen in Betriebs- und Volkswirtschaft hören sollen! Und wie wollen Sie das umsetzen? Ich hätte da eine Idee: Alle, die eine Lizenz für die Züchtung von Hunden haben oder haben möchten, bekommen zwingend einen entsprechend programmierten Chip implantiert und alle neugeborenen Welpen auch. Dann kann man überprüfen, ob die physische Nähe zu den Kleinen über vier Stunden eingehalten wurde. Mein Smartphone weiß auch, wann ich wo und wie lange war - auch ohne dass ich dem zugestimmt habe oder darüber in Kenntnis gesetzt wurde. (Dagegen müssten Politiker etwas unternehmen, wenn ihnen die freiheitliche Grundordnung wichtig wäre.) Wenn dann um 24.00 Uhr z.B. nur 3,5 mit dem Welpen gemeinsam verbrachte Stunden bei der entsprechende Behörde registriert sind, wird das dann fällige Bußgeld sofort vom Konto der Züchter abgebucht. Da heutzutage viele nicht mehr genügend Geld auf dem Konto haben, müsste man natürlich vorher ein notarielles Anderkonto einrichten. Wenn das geschröpft ist, wird die Lizenz entzogen. Ganz einfach und mit minimalstem Personalaufwand umsetzbar. So werden auch endlich wieder Einnahmen ins Staatssäckel gespült. Künftige Hundebesitzer werden dankbar sein, dass es in Polen, Rumänien oder Portugal genügend Straßenhunde und Züchter gibt…

 

Sie müssen allerding Ihren Vorschlag noch konsequent zu Ende denken: der Vier-Stunden-Kümmer-Zwang für Welpen müsste richtigerweise auch auf die weitere Lebenszeit des Tieres ausgedehnt werden. Das Tierwohl könnte auch nach der Welpenzeit gefährdet sein. Und wenn wir schon gerade mal dabei sind, am Samstagvormittag ein wenig zu plaudern: Denken Sie bitte daran, geeigneten Fachkollegen Ihr fertiges Gesetz zum Vier-Stunden-Kümmer-Zwang für Welpen weiterzugeben, damit diese das entsprechend modifiziert auch für die Aufzucht von Kindern umsetzen.

 

Asterix und Obelix wurden berühmt durch Ihre Aussage: Die spinnen, die Römer! Bevor ich ähnliches über Politiker sage oder, oh horribile dicto, mich Churchills Schwarzer Hund unsanft beißt, entschwinde ich lieber in meine Küche, aus der ein wohliger Duft gerade im Ofen backender Baguettes strömt. Auch für Baguettes gibt es eine Vier-Stunden-RegelWenn man den Teig über vier Stunden vier Mal neu zusammenfaltet – nicht schlagen, nicht kneten, KEINE Gewalt am Teig bitte – dann, ja dann gibt es ein köstliches, knuspriges, wohlschmeckendes Baguette, das Ihnen und Ihren Liebsten sämtliche trüben Gedanken vertreibt. Derart beglückt kommt man auch nicht auf dumme Gedanken.

 

Und - ich traue mich kaum es auszusprechen: es braucht kein Gesetz, Baguette-Teig vier Stunden gehen zulassen, um ein typisch französisches Baguette zu haben!!! Dafür braucht es lediglich kluge Vorväter (ich weiß! Das ist nicht gendergerecht – und schon gar nicht sachlich richtig, es waren die Vormütter, die früher gebacken haben, aber das klingt nicht so schön), also es brauchte kluge Vorväter, Mütter, Großmütter und Tanten, denen man beim Zubereiteten knuspriger Baguettes  über die Schulter schaute und sich dabei miteinander unterhielt. So wurde Wissen spielerisch und konkret weitergegeben - ohne App, ohne Video, ohne Gesetz! C'est tout!

 

Haben Sie, geneigte Leser, ein geruhsames Wochenende – trotz all dem Wahnsinn in der Welt

 

P.S.: Frau Klöckner: Welpen schützen zu wollen ist ehrenwert und notwendig. Es zeigt aber im mindesten Fall mangelhaften Takt Ihrerseits, wenn Sie, während Millionen Afghanen oder die Menschen in Haiti in höchster Not sind, sich auf Welpenschutz fokussieren. Oder gehen Sie damit gar auf Stimmenfang, damit die Wahl in fünf Wochen für Ihre Partei kein Desaster wird? Gerade jetzt, wo so viele auf den Hund gekommen sind… Glauben Sie ernsthaft, dass Sie damit punkten können? Hoffentlich haben Sie Ihrer Partei und den Politikern insgesamt keinen Bärendienst erwiesen. Ach: und ergänzen Sie bitte Ihren Vorschlag noch um den Punkt, wer zu verklagen ist und zu zahlen hat, wenn Menschen einen psychischen Schaden erleiden durch den Umgang mit Hunden, die trotz bester Vier-Stunden-Betreuung den Menschen terrorisieren, kläffen, beißen oder mittem auf dem Bürgersteig ihre Verdauungsendprodukte hinterlassen, ohne das der Halter das entfernt.

 

Encore, un bon week-end à tous.

- x - = +

19. August 2021

 

Vor 363 Tagen verkündete der gegenwärtige US-Präsident Joe Biden in seiner Nominierungsrede mit einem Zitat der Bürgerrechtlerin Ella Baker „Gib Menschen Licht und sie finden ihren Weg“, dass er, wenn man ihn mit der Präsidentschaft beauftrage, ein Verbündeter des Lichtes und nicht der Dunkelheit sein werde. Zur Bekräftigung dieser Ankündigung erbat er für die militärischen Truppen noch den Schutz des Allmächtigen[1]. Derzeit brauchen die noch in Afghanistan verbliebenen Militärs eine Menge Licht und göttlichen Schutz, um zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Der afghanischen Zivilbevölkerung hatten die Amis und andere schon vor Jahrzehnten das Licht ausgelöscht und mittlerweile sieht es für alle ziemlich düster aus. Licht und Erleuchtung scheinen in ungreifbare Ferne entrückt.

 

Statt das eigene Scheitern auf allen Ebenen einzugestehen, zersetzen westliche Politiker sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen und begründen  in den letzten Stunden die ach so völlig unerwartet aufgetretene Machtübernahme der Taliban u.a. damit, dass "das afghanische Volk noch nicht bereit gewesen sei, sein Land selbst zu verteidigen". Das ist an Perfidie nicht mehr zu unterbieten!

 

Die Taliban haben trotz aller westlicher Bemühungen, Gelder, militärischer Präsenz und Aufbauarbeiten ihre Terrorherrschaft mit brutalsten Methoden, Folter und Mord durchgesetzt. Wie ein Volk, das ohnehin kein homogenes, einiges, sondern von tribalistischen Strukturen zersetztes ist, eine wehrhafte Demokratie im Sinne einer freiheitlichen Grundordnung aufbauen soll, ist mir vollständig schleierhaft.

 

Wenn ich heute christliche, demokratisch gewählte Volksvertreter lax daher schwadronieren höre, dass die Afghanen doch übergangsweise in die Nachbarländer sollen, um dort auf die friedvolle Entwicklung in Afghanistan zu warten, könnte ich kotzen, schreien oder schlimmeres (bitte verzeihen Sie! Aber das musste einfach mal raus).

 

Jene, die aufgrund ihrer Muttersprache Dari/Farsi und familiären Beziehungen voller Hoffnung in den letzten Jahren nach Iran geflohen sind, haben nicht nur grauenhafte Fluchtwege durch Taliban-besetzte Gebiete, i.d.R. über Pakistan nach Iran hinter sich, dabei alles verloren,  Gewalt und Versklavung erfahren. Das war indes nichts im Vergleich zu dem, was sie im Iran erwartete. Ein eventuelles Bleiberecht wurde von der iranischen Führung für afghanische Männern daran gekoppelt, dass diese zunächst zu einem militärischen Einsatz nach Syrien mussten, um dort die DAESH/ISIS zu bekämpfen. Ich habe in den letzten Jahren mit einigen Afghanen gesprochen, die durch diese Hölle durch mussten. Das ist unverstellbar und auch hier nicht wiedergebbar.

 

Der Aufbau einer stabilen Gesellschaft braucht Bildung, Infrastruktur und wirtschaftliche Produktion. Mit einem Anteil von derzeit 85 % der weltweiten Opium-Produktion hat Afghanistan immerhin einen echten Exportschlager. Als die Taliban 1994 die Macht übernahmen, haben sie Scharia-konform die Opium-Produktion zunächst zerschlagen. Seit dem hilfsbereiten, selbstlosen Kreuzzug gegen das Teuflische und den Einmarsch westlicher Mächte ab 2001 hat sich die afghanische Opium-Produktion wieder unangefochten auf Platz eins geschoben. Immerhinque! Man kann also nicht sagen, dass alles an diesen Einsätzen schlecht war…

 

Auf einem Bein steht sich allerdings auf Dauer bekanntermaßen nicht gut. Die Westmächte haben zu keinerlei Entwicklung irgendwelcher darüber hinausgehender Wirtschaftszweige geführt. Nun denn. Dieser Zug ist abgefahren. Der künftige, deutlich mehr einbringende Wirtschaftszweig wird nach dem Opium das Uran. Dessen Förderung werden die Chinesen freundlich lächelnd übernehmen. Dafür haben sie das Geld, die Macht und den Willen. Keine Macht, und schon gar keine westliche, ist jetzt noch in der Lage, diesen Prozess irgendwie zu beeinflussen.

 

Die neuen Taktvorgeber sind neben China Saudi Arabien und/oder Qatar und Russland, das nur allzu gerne die historische, verlustreiche Schlappe der 10 jährigen Besetzung Afghanistans ausmerzen möchte und dem Westen auch endlich die Schmach der zerfallenen Sowjetunion heimzahlen würde. Mathematisch ist das einfach: Afghanistan unter Taliban-Herrschaft kann, ob es will oder nicht, sich der finanziellen Unterstützung durch die saudischen Brüder im Glauben nicht entziehen. Das ist (aus westlicher Sicht) das eine Minus-Bündnis. Das zweite ist die kommunistisch-sozialistische Bruderschaft zwischen China und Russland. Im Mathematikunterricht haben wir dereinst gelernt: minus multipliziert mit minus ergibt plus! So einfach ist das.

 

In der Zwischenzeit zersägt sich der Westen selbst, ist sämtlich in nicht mehr bezifferbaren Billionengrößen überschuldet, bei sich immer deutlicher zeigenden Zusammenbrüchen der Infrastrukturen, ohne wirkliche Ressourcen, mit denen man heute noch Lokomotive sein könnte, um in einem altmodischen Bild zu bleiben, mit dem der Westen stark wurde. Darüber hinaus werden die westlichen Demokratien derzeit in atemberaubender Geschwindigkeit von nationalistischen, autokratischen, totalitären Gruppierungen zersetzt. Überschwemmungen, Waldbrände, Klimawandel sind da nur noch Beschleuniger, aber nicht das Kernproblem.

 

Die tatsächliche und schwerste Krankheit des Westens – und der Welt – ist, dass das Vertrauen abhandengekommen ist. Ein friedvolles Miteinander, ob in der eigenen Familie oder der gesamten Welt, funktioniert dauerhaft nur, wenn man anderen etwas zutraut und einander vertraut.

 

Ohne Trauen und Vertrauen bleibt am Ende nur noch Trauer…

 

Bleiben Sie dennoch unverdrossen heiter. Heiterkeit ist eine wunderbare Kraftquelle, die den Verstand nährt, um sich all dem Wahnsinn in diesen Zeiten entgegenzustellen.

 

Dabei gutes Gelingen und einen schönen Tag

 

PS:

Wenn die Taliban aufrichtig gute Absichten hätten, Frieden wollten, Vergebung gewähren und alle an dem neuen Staat beteiligen wollen würden, dann dürften sie all jenen nicht im Wege stehen, die trotz wohltönender Versprechen das Land zumindest vorläufig verlassen möchten, sondern müssten dafür sorgen, dass die Wege zu den Flughäfen und Landesgrenzen frei sind. So könnten sie auch gleich erste Schritte im Erlernen von Verwaltung machen.

 

Stattdessen dröhnt jetzt das Siegesgebrüll durch die Straßen, die Taliban hätten die verhassten Amerikaner bezwungen.

 

Und unsere Volksvertreter speien weiterhin ihre Logorrhoe über's Volk ...

 

Einfach nur mal so ins Blaue gesprochen...

 

[1] https://www.nytimes.com/article/biden-speech-transcript.html

 

 

Nomen est Omen – oder der Schlächter und der Wolf

18.08.2021

 

Aus dem nichts aber erwartungsgemäß, tauchte gestern ein Regierungssprecher der Taliban zu seiner ersten Pressekonferenz auf. Sein Name: Zabihullah Mujahid.

 

Es ist mir fast nicht möglich, in diesem Kontext das Wort Regierungssprecher zu nutzen, da ich mit den Begriffen Regierung und Sprecher etwas anderes verbinde, als dass, was die Taliban darstellen und wohl auch meinen. Wenn ich im Folgenden das Wort Regierungssprecher nutze, ist das lediglich als x, als Platzhalter zu verstehen, zumindest bis auf weiteres. Vielleicht hat der nun aufgetauchte Regierungssprecher Zabihullah Mujahid tatsächlich durch und durch gute Absichten. Vielleicht wünscht er tatsächlich ein freies, gleichberechtigtes, mit Rechten ausgestattetes Volk, dass in Frieden und Wohlstand leben kann. But: who knows???

 

Da die Taliban als Kämpfer im Namen Gottes auftreten und auch der Regierungssprecher schon in seiner ersten öffentlichen Pressekonferenz klar gemacht hat, dass all diese Rechte Scharia-konform sein müssen, passe ich mich mit meiner Wortwahl an und sage: Allein, mir fehlt der Glaube! Schon als Kind habe ich aus Märchen gelernt, dass der Wolf Kreide frisst, um mit sanfter Stimme die Großmutter zu bezirzen, die er hinterher fressen will. Nicht, dass ich das hier unterstellen möchte, aber solange wir hier noch nachdenken dürfen, mache ich davon auch Gebrauch.

 

Seit nunmehr fünf Jahren studiere ich gründlich die Arabische Sprache. Das bedeutet zwar noch nicht, dass ich sie auch beherrsche, aber die Grammatik ist mir sehr wohl vertraut und es ist mir möglich, mit etwas Aufwand, Worte und Texte zu übersetzen. Als ich den vorgeblichen Nachnamen des Regierungssprechers hörte, war ich heute früh schlagartig wach. Mujahid hat dieselbe Wurzel wie Mujahidin. Und die Mujahidin sind die Vorläufer der Taliban (siehe meinen Essay vom 16.08.2021).

 

Auch wenn die Taliban in der Regel Paschtu sprechen, ist doch die Sprache ihres Glaubens Arabisch. Da sie sich als Glaubenskrieger gerieren, übersetze ich aus der Sprache ihres Glaubens den Namen des Regierungssprechers und möge Gott (oder sonst wer) die Welt davor schützen, das in diesem Fall nomen omen ist!!!

 

Im Arabischen bedeutet Mujahid مُجَاهِد Kämpfer, kämpferisch. Der Vorname Zabihullah ذبیح الله ist ein Kompositum aus ذبیح  und الله und könnte als Kompositum Opfer Gottes bedeuten. Aber:  الله Allah bedeutet Gott. ذبیح  Zabih/Dhabih bedeutet geschlachtet. Im Oxford Arabic Dictionary finden sich ferner die Bedeutungen murdered, massacred. 

 

Vielleicht ist es Zufall. Es gibt auch in der deutschen Sprache Personen mit Namen, die keine Bedeutung haben, zumindest nicht mehr ihre ursprüngliche. Wenn also heute jemand Müller heißt, bedeutet das nicht, dass er auch ein Müller ist! So kann es natürlich auch bei Zabihullah Mujahid sein – und man mag hinterher schieben: hoffentlich!

 

Es könnte aber auch ein gezielt konstruierter Name MIT einer Bedeutung sein, um dem Rest der Welt die eigene Blindheit und Borniertheit vorzuführen und vor allem, um auf Kommendes zu verweisen. In diesem Fall wäre die wohlgemerkt rein wörtliche Übersetzung des Namens Zabihullah Mujahid: das kämpferische Opfer Gottes oder der geschlachtete Gottes Kämpfer. Es gäbe mehr Möglichkeiten, aber wir sind ja hier nicht in der Abteilung für Haarspalterei.

 

Da mir meine Übersetzungen ein Gefühl des Grauens bereiteten, rief ich sicherheitshalber bereits um 6.30 Uhr einen arabischen Freund an, der mir leider keine Fehler meiner Übersetzung aufzeigen konnte … Im Gegenteil bestätigte er meine schlimmsten Befürchtungen. Wenn man die Worte dieses Namens übersetzt, gibt es dafür KEINE positiv konnotierte Übersetzung. Das Wort Zabih findet sich nicht im normalen Sprachgebrauch, sondern ausschließlich in islamistisch, fundamentalistisch, rückwärtsgewandter Ausrichtung, zum Beispiel bei den Muslim Brothers.

 

Ich will das nur mal in den Raum gerufen haben, damit nicht hinterher alle wieder ganz überrascht sind, wenn der Wolf dann doch die Großmutter frißt.

 

Schönen Tag

Max Lieberman und der Paradiesgarten Gottes - 

Zum Hintergrund der Katastrophe in Afghanistan

16. August 2021

 

Afghanistan war den alten Legenden nach der Paradiesgarten Gottes, den er den Afghanen gegeben hat. Schaut man sich alte Bilder und Aufzeichnungen an, weiß man, was damit gemeint war. Jedoch hatte Gott diesen Garten zu gut ausgestattet. Ein Blick in den alten Putzger weist Afghanistan noch als ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe aus. Das war sein Schutz und Segen. So hatten westliche Mächte während den Kolonialzeiten kaum Interesse an einer Inbesitznahme. Dummerweise hat sich das geändert und aus dem Paradiesgarten wurde ein Schlachtfeld. Die in den letzten Tagen sichtbar werdenden furchtbaren Folgen des Afghanistan-Einsatzes und -abzugs kommen nicht überraschend und treiben uns mit Tränen in den Augen an den Rand des Wahnsinns. Die Frage nach dem Warum drückt schwer auf Gehirn und Gemüt.

 

Wer ernsthaft annimmt, dass zum Physiker, Rechtsanwalt oder Lehrer ausgebildete Personen allein durch die Absicht, ein politisches Amt bekleiden zu wollen, auch dazu qualifiziert seien, darf sich nicht erstaunt geben, wenn – huch!!! – ganz plötzlich und völlig unerwartet politische Fehlentscheidungen getroffen werden. Um hochkomplexe, gesamtgesellschaftlich und global miteinander verflochtene Prozesse durchdringen zu können, braucht es lange Jahre Erfahrungen und umfangreiche Kenntnis der Geschichte, der generischen Hintergründe, Ursachen, Auslöser, Zusammenhänge. Das allerdings gehörte heute nicht mehr zur Grundausstattung gewählter Volksvertreter. Menschen ohne jede Erfahrung und Wissen werden in Ämter gewählt oder berufen, denen sie nicht gerecht werden können.

 

Wer à la Grönemeyers Motto „Kinder an die Macht“ fordert, darf über Sandkastenspiele nicht erstaunt sein. Was genau spräche eigentlich dagegen, dass Minister und Abgeordnete für Bereiche, für die sie zuständig sein sollen, vorher einen Eignungstest nach einem definierten Wissenskanon ablegen MÜSSEN? Eine Motorsäge darf man auch nur mit einem entsprechenden Qualifizierungsnachweis bedienen, genauso wie der Gabelstapler nur mit einem Extra-Führerschein gefahren werden darf. Aber um einen Einsatz in Afghanistan zu beschließen, braucht es nichts. Klar, es gibt Anhörungen, Fragestunden oder Referentenentwürfe, die hauptsächlich von zwei Personengruppen erarbeitet: 1. Uni-Absolventen mit Bestnoten dafür bar jeder Erfahrung, oft genug mit einer (noch) nicht ausgebildeten Fähigkeit zum eigenständigen, zusammenhängenden Erkennen und Denken, was auch nicht ihr Auftrag ist. 2. von Lobbyisten, für den Aspekt der fachlichen Expertise, die nicht vom Bürger gewählt, von ihren eigentlichen Auftraggebern, in der Regel Konzernen, bezahlt werden und selbstverständlich in deren Sinne arbeiten, auch wenn sie während der Arbeit an den Referatsentwürfen in vom Steuerzahler finanzierten Büros im Bundestag arbeiten. [1].

 

Bei berechtigten Befürchtungen, dass Wahlmanipulationen auch und gerade von anderen Staaten zu Störungen nationaler Politiken führen könnte, wäre ein adäquater Grundwissenstest des Politischen, Historischen, Soziologischen und Kulturellen ein guter Schutzschild gegen negative Auswirkungen äußerer Manipulationen. Das Nachplappern kann man getrost den Papageien und das Produzieren von Luftblasen den Fischen überlassen. Die können das besser und kosten nichts. Man stelle sich die US-Wahl 2016 vor und der Frage an alle Kandidaten, zum Beispiel auf einer lediglich mit den Landesgrenzen konturierten Weltkarte Europa, Afghanistan, Libyen und Syrien anzuzeigen. Der Welt wäre ein durchgeknallter Egomane erspart geblieben. Die Politiker machen ansonsten auch immer neue Qualifizierungsnachweise verpflichtend, zur Sicherheit für Volk und Anwender. Als Vorlage für die Abgeordneten-Qualifizierung könnte billig und banal der Einbürgerungstest genommen werden, den man lediglich um internationale und ressortspezifische Fragen ergänzt.

 

Das Wüten der Taliban ist eine unfassbare Katastrophe, gegen die SOFORT gezielt vorgegangen werden muss. Da hilft allerdings kein Reden! Zeitgleich müssen die politischen Akteure endlich Ihre Lektionen lernen und verstehen, was seit 1978 in Afghanistan in welchem weltpolitischen Kontext geschieht. Viele stellen den Afghanistan-Einsatz nur in einen Zusammenhang mit 9/11. Der Angriff auf die Zwillingstürme führte 2001 zum ersten „Bündnisfall“ der NATO, da ein Mitgliedsland auf seinem Territorium angegriffen wurde, sich verteidigen muss und dem nach Artikel 5 des Nato-Vertrages das Bündnis militärisch beizustehen hat [2]. Dank Bekennervideo war die Täterschaft bin Ladins bald bekannt. Der damalige, vielleicht dank Alkoholkrankheit allwissende US-Präsident Georg W. Busch wusste natürlich, dass Usama bin Ladin sich in den afghanischen Bergen versteckt und forderte die Taliban zur Herausgabe auf!!! Gleichzeitig teilte er die Welt in zwei Teile: die Guten und die Bösen. Gut waren jene, die die USA in ihrem „Kreuzzug gegen den Terror“ unterstützen und Böse alle, die das nicht taten und deshalb zu Feinden deklariert wurden, die es zu bekämpfen gilt. 26 Tage nach 9/11 begann das US-Militär und seine Verbündeten, Afghanistan nach und nach in Schutt und Asche zu zerlegen, ohne dass der Verbleib bin Ladins dort bewiesen war. Am 02. Mai 2011 erschossen die US-Militärs einen Mann, den sie als Usama bin Ladin ausmachten – in Abbottabad, das, wie wir heute alle wissen, in Pakistan liegt, dem südlichen Nachbarn Afghanistans, um präzise zu sein...

 

Wer an dieser Stelle mit dem Versuch, die afghanische Situation zu verstehen endet, greift zu kurz. Afghanistan hat im Norden eine 2500 km lange Grenze zur früheren Sowjetunionin mit in dessen damaligem Süden oberhalb des Grenzverlaufes überwiegend muslimischer Bevölkerung, den heutigen Ländern Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan. 1978 putschten sich in Afghanistan linke Offiziere an die Macht und paktierten mit afghanischen Kommunisten. Sie ermordeten den der Sowjetunion zugewandten afghanischen Präsidenten Taraki, holten sich aber dennoch für ihren Kampf gegen vermeintlich mittelalterliche, muslimische Strukturen sowjetische Militär-Berater.

 

Im Nachbarland Iran hatten die USA gemeinsam mit den Briten 1953 den liberalen, weltoffenen, geachteten Premier Mossadegh gestürzt, nachdem dieser sich erdreistete, von den Briten die Hoheit über die landeseigenen Ölvorkommen und die damit verbundenen Einnahmen zurückholen zu wollen. Der Schah wurde re-inthronisiert, um eine willfährige Marionette vor Ort und ungehinderten Zugriff auf das iranische Öl zu haben. Daneben bauten die USA das Drohszenarios eines weltgefährdenden Kommunismus zur Festigung der eigenen Macht auf und nutzen im Kalten Krieg jede, gerne auch herbeigeführte Gelegenheit, um das propagierte Erstarken und Ausdehnen des Einflussbereiches der Sowjetunion einzudämmen, vulgo: um ihren eigenen Machtbereich weiter auszudehnen. Unter dem Schah wurden die Zustände im Iran immer prekärer, was zu Unruhen, Aufständen und in Folge dem Sturz des Schahs im Januar 1979 führte, nachdem Frankreich (Valéry Giscard d’Estaing), USA (Jimmy Carter), Großbritannien (James Callaghan) und Deutschland (Helmut Schmidt) beschlossen, den Schah nicht mehr zu unterstützen, sondern Gespräche mit dem islamisch fundamentalistischen Ajatollah Chomeini zu suchen!

 

Diese Rahmenbedingungen führten zu der sowjetischen Entscheidung, 1979 in Afghanistan einzumaschieren, um die dortigen kommunistischen Putschisten zu unterstützen und den eigenen Macht- und Einflußbereich auszubauen. Ihre Befürchtung war u.a., dass sich das nach dem Sturz des Schahs iranische islamistisch-fundamentalistische Regime in ein geschwächtes Afghanistan ausdehnt und dabei von den Muslimen ihres sowjetischen Südgürtels unterstützt würde, wodurch auch dort eine islamistische Front erstarken könnten. Die USA nutzten den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan für die Behauptung, dass die Freiheit durch einen sich ausdehnenden Kommunismus bedroht sei. Um dem vorzubeugen, suchten sich die USA Verbündete in Afghanistan, die sie mit Waffen und Geld hochrüsteten, damit diese die Kommunisten zurückschlugen. Dafür erkoren die USA die Guerilla-Gruppe der Mudjahedin, die Vorläufer der seit 1994 als Taliban auftretenden islamistisch-terroristischen Kämpfer.

 

Der Präsidenten-Flüsterer der Idee, dass die UdSSR auf direktem Wege von Afghanistan über Pakistan und Iran zum Indischen Ozean sei, war Zbigniew Brzezinski, nachdem der damalige US-Präsident Jimmy Carter persönlich beleidigt war, dass die Sowjets das SALT II-Abkommen (zur Begrenzung strategischer Waffen zwischen USA und UdSSR) nicht umgehend ratifizierten. In seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation erklärte Carter am 23. Januar 1980: „Jeder Versuch einer auswärtigen Macht, die Kontrolle über die Region am Persischen Golf zu erlangen, wird als ein Anschlag auf die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika betrachtet, und solch ein Anschlag wird mit allen notwendigen Mitteln, einschließlich militärischer Gewalt abgewehrt werden.“[3] Mit diesem Vorwand wurden von da an Rüstungsgüter an China geliefert, in der überheblichen Annahme, dass die Chinesen mit Leidenschaft die militärische Vertretung der Amerikaner in dieser Region übernähmen. Dass die Chinesen all diese heilsversprechenden Wunderwaffen aufs Erfolgreichste kopiert haben und sich in den nicht-westlichen Ländern von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet unfassbar starke Militärbasen aufgebaut haben, mit denen sie wohl in absehbarer Zeit dem Rest der Welt kraftvoll zeigen werden, wer von dann an die Regeln des Weltgeschehens vorgibt, genauso, wie die Amerikaner das seit bald 100 Jahren vorgemacht haben, sei nur eine Randbemerkung. Es ist ein Naturgesetz, dass Kinder mit dem vorhandenen Spielzeug spielen und das vormals Entrechtete in vielfacher Weise zurück schlagen, notfalls auch an anderer Stelle, wie das Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern täglich zeigt. En passent sei erwähnt, dass Jimmy Carter, der der amerikanischen Entspannungspolitik seiner Zeit ein vorläufiges Ende bescherte, 2002 den Friedensnobelpreis erhielt …

 

Die Historie ist lang. Der Versuch, in einem Satz auf die Frage zu antworten, warum die Milliarden-Investitionen, Sanktionen, Gewalt, nicht zu einem freien, friedlichen Volk in Afghanistan geführt haben, ist so simpel, wie die Lage komplex ist: Guerilla-Kämpfer kann man nicht mit westlichen Militär-/Strategien bezwingen. Der Putsch linksgerichteter Rebellen 1978 in Afghanistan erfolgte nach dem bis dahin kaum untersuchten Phänomen der Guerilla-Strategien. Die Taliban spielen bis heute ihr grausames Spiel nach Guerilla-Taktiken, die nicht mit westlichen, militärischen Methoden zu durchdringen sind. Auch deshalb zeugte der Vorschlag des damaligen afghanischen Präsidenten Ghani während der Friedensgespräche in Kabul im Februar 2018 mit den Taliban den Frieden zu verhandeln von Dummheit oder Irreführung. Man mag hoffen, dass es in der naiven Idee geschah, die 26 Delegierten der unterstützenden Staaten charmieren zu wollen, damit diese ihn, Ghani, weiterhin unterstützen. An jenen Gesprächen hatten die Taliban trotz Einladung nicht teilgenommen mit der Begründung, nicht verhandeln zu wollen, solange die 14.000 US-Soldaten noch im Land seien. Nun sind sie weg und die Taliban setzen genau das um, was sie angekündigt haben. Man kann nicht erst in ein Land reinbomben, dann Geld in den Krater werfen und erwarten, dass künftig alles nach den Ideen der geldwerfenden Bomber läuft. Das geht vielleicht in vergleichbaren Ländern mit einem gemeinsamen kulturellen Hintergrund. Einem völlig anderen Kulturkreis mit gänzlich anderen Traditionen, Werten, Methoden und Sitten die eigenen mit Gewalt aufzwingen zu wollen hat noch nie funktioniert. Das hinterlässt immer nur Zerstörung, Verzweiflung, Hass.

 

Dass die Politik sich heute weltweit als geschockt, zutiefst betroffen und völlig überrascht geriert, ist perfide, grenzt an Verhöhnung der Betroffenen und beweist Inkompetenz und Machtgier. Wir ahnen es alle längst: Wenn hochgerüstete und mit viel Geld ausgestattete Militärs durchgeknallte Ballermänner in Sandalen nicht eliminieren können; wenn Bildungs-, Infrastrukturmaßnahmen, Hilfen aller Art und Güte keinerlei Erfolge zeigen, dann muss es um etwas anderes gehen. In keinem Fall kann es um die Menschen gehen. Diese sind der Vorwand, in dessen Name agiert wird. Es geht auch erst an zweiter Stelle um Geld. Das Geld ist der Treibstoff, mit dem der Motor läuft. Es geht um Macht, ob auf Seiten der Taliban, irgendwelcher Präsidenten oder hiesiger parteipolitischer Sprecher.

 

In diesem seit über vierzig Jahre währenden afghanischen Drama gab es manche, denen es auch dank der Hilfen besser geht und die erfolgreich etwas aufbauen konnten. Ebenso gab es die Kleptokraten, die sich zu bereichern wussten. Der weit größere Teil der Bevölkerung jedoch lebt in Angst, Elend, Armut, Unfreiheit und zahlt den Preis für diese Stellvertreter-Kriege, für die sie absolut keinerlei Verantwortung haben. Sie hatten das Pech in einem Land zu leben, dass für die strategischen Interessen vermeintlicher Großmächte gerade günstig lag.

 

Abgesehen von einigen erfolgreichen Maßnahmen in einem zwanzigjährigen Einsatz, ist die Infrastruktur desolat. Zur Schule können vornehmlich Privilegierte; in den Regionen, wo die Taliban die Macht haben, können Mädchen in der Regel nicht zur Schule und der Unterricht erfolgt nach islamistischer Doktrin (Koran-Schulen), vorausgesetzt man überlebt den Schulweg, der oft genug einem Himmelfahrtskommando gleicht. Wer hier aus seiner westlichen Wohlstandsperspektive heraus denkt, dass man die Taliban in einen künftigen Staat mit einbinden muss, ähnlich wie die Nazis nach dem zweiten Weltkrieg in die junge Bundesrepublik, macht einen gravierenden Denkfehler. Die Nazis, die in den Aufbau der BRD mit eingebunden wurden, waren ausgebildet und in ihren jeweiligen Bereichen kompetent. Es wurden zu viele Menschen im Krieg getötet und Millionen waren noch in Kriegsgefangenschaft. Da musste man an Arbeitskraft durchaus nehmen, was noch da war. Das trifft auf keinen Taliban zu. Ein gebildeter, formal qualifizierter Taliban, der etwas anderes kann, als Menschen zu foltern, zu töten, zu vergewaltigen und zu plündern dürfte wohl die Ausnahme sein. In keinem Fall gäbe es derer genügend, mit denen seriös ein Aufbau funktionierender staatlicher Strukturen möglich wäre, die auch nur einem Minimalansprach an Grundrechten gerecht würden. Zu unterstellen, dass ein überwältigender Teil der Bevölkerung hinter den Taliban stünde, kommt einer Versündigung am afghanischen Volk gleich! Fraglos gibt es Unterstützer der Taliban. Aber der überwiegende Teil der Bevölkerung hat gar keine Chance, sich dem Terrorregime der Taliban zu entziehen. Wenn sie überleben, nicht gefoltert, etwas zu Essen oder Gesundheitsversorgung haben wollen, haben sie gar keine andere Chance, als so zu tun, als machen sie mit. 

 

Wäre es politischer Wille gewesen zu erfahren, was wirklich los ist in Afghanistan hätte es zwei gute Quellen gegeben: Alle Asyl-Antragsteller müssen zu einem Interview, dass mit i.d.R. vereidigten Dolmetschern in den jeweiligen Muttersprachen geführt wird. Hier gab es höchst wertvolle Informationen über die tatsächliche Lage in Afghanistan. Wie immer wurden aber nur Sachverhalte verwaltet (wie verteilt und versorgt man die Geflüchteten und wie wird man sie ggf. wieder los), anstatt auf das riesige Potential und perspektivische Chancen zu rekurrieren. Die andere Quelle hätten die Erfahrungsberichte der Afghanistan-Veteranen sein können. Aber diese Chance wurde vertan.

 

Kurz vor der nächsten Bundestagwahl sei daran erinnert, dass der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr unter rot-grüner Ägide verabschiedet wurde. Die Grünen, einst angetreten als ökologische Friedenspartei, zogen 1983 erstmalig in den Bundestag ein. Fünfzehn Jahre später stellten sie den Außenminister, Joschka Fischer, der seine Qualifikation als Steinewerfer und Taxifahrer erlangte, in schlampigem Outfit und zerlatschten Turnschuhen dem Bundestag seine Mißachtung demonstrierte und seine rhetorischen Fähigkeiten mit der in den Plenarsaal gebrüllten Bemerkung „mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“ unter Beweis stellte. Im Dezember 2001 stimmten auch die Grünen für einen deutschen Militäreinsatz in Afghanistan – um „unsere Freiheit am Hindukusch zu verteidigen“ im Namen des Friedens – auch für die Afghanen. Der für diesen Einsatz verantwortliche damalige SPD-Verteidigungsminister Rudolf Scharping entblößte seine politisch-strategische Unfähigkeit kurz zuvor, als er sich fröhlich planschend im mallorquinischen Pool ablichten ließ, während deutsche Soldaten in Mazedonien einmarschierten, um dort den Frieden zu bringen.

 

Die Eskalation in Afghanistan und das Verhalten vieler politischer Akteure wie der Kommentatoren zeigt einmal mehr, dass die mühevollst und unter größten Zugeständnissen aller in Jahrzehnten nach dem WK II aufgebauten Kooperations- und Dialogstrukturen einer gemeinsamen Global Governance gescheitert sind und Demokratien westlicher Art mit freien, gleichen und partizipierenden Bürgern im Niedergang begriffen sind.

 

Spätestens seit dem Entdecken riesiger Uran-Vorkommen in Afghanistan in 2009/10 haben die Afghanen kaum noch eine Chance, ihr Land je wieder in eigene Verwaltung zu bekommen. Neben Cybertechnologie ist der Besitz von Uran gegenwärtig genau das, was ein Land unangreifbar und mächtig macht, weshalb alle Länder, die die Hoheit über nukleare Rüstungsgüter in ihren Händen halten und diese Macht nicht teilen wollen, den Aufstieg Afghanistans verhindern müssen, damit diese nicht das Uran verkaufen oder selbst nukleare Rüstungsgüter produzieren, mit dessen Verkauf Milliarden verdienen und um einer potentiellen nuklearen Bedrohung durch Afghanistan vorzubeugen. Die Uranvorkommen reichen aus, die Welt zu zerstören und es gibt genügend Kandidaten, die das Uran gerne kaufen und/oder die Entwicklung und den Bau geeigneter Produktionsanlagen finanzieren würden. Vom Westen entwickelte Regelwerke, dass nicht jedermann seine eigene atomare Rüstungsproduktionsanlage bauen kann, sind für diese Kandidaten so wenig von Belang, wie für die Taliban. 

 

Die gegenwärtig hoch dramatische Lage könnte Humus für eine nicht hochgenug einzuschätzende Bedrohung werden. Nach der Machtübernahme werden die Taliban sich für eine Weile handzahm gerieren, Friedensverhandlungen und Frauenrechte anbieten. Trauen sollte man dieser Brut indes nicht. Es könnte möglich sein, dass sie hinter diesem Vorhang auf die Entwicklung der Schürfung und Nutzung der Uranvorkommen spekulieren, um ihre eigene Machtbasis aufzubauen und für Jahrzehnte zu festigen. Bis es in Afghanistan wieder genügend des Denkens fähige Politiker gibt, die verantwortungsvoll damit umgehen können, dass mit dem Einsatz nuklearer Produkte egal welcher Art die ganze Menschheit bedrohende Risiken verbunden sind, dürfte wahrscheinliche zu viel Zeit vergangen sein. Mögen die Taliban dumm genug sein, diese Sprengkraft nicht zu erkennen, in beider Bedeutung Sinn. Aber gerade weil sie nicht in unserem Verständnis politisch denken, werden sie möglicherweise schon bald glorreichen Versprechungen anderer Heilsbringer aufsitzen, die ihnen den Abbau der Uranvorkommen und die Entwicklung damit herzustellender Güter abnehmen. Es bleibt zu vermuten, dass sich in dieser Riege keine in westlich-demokratischer Tradition Stehenden mehr finden werden. 

 

Als Liebhaberin der schönen Künste gehört zu meinen Lösungsvorschlägen die Befassung mit Kunst. Dank guter Erziehung kann ich nicht mit eigenen Worten ausdrücken, was ich am liebsten tun möchte, wenn ich das politischen Agieren und Unterlassen im Kontext mit Afghanistan beobachte. Deshalb versuche ich ein Schlusswort mit einem Zitat des großartigen Impressionisten Max Lieberman. Seinen Ekel über den Sieges-Fackelzug der NSDAP am 30. Januar 1933 drückte er wie folgt aus: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“ Danke, Herr Liebermann, besser kann man es nicht ausdrücken. Und was daraus geworden ist, ist hinlänglich bekannt…

 

[1] Laut Bundesanzeiger haben wir derzeit 2297 akkreditiere Lobbygruppen: https://www.bundestag.de/resource/blob/189456/c9f95e162866fe23c3f3a3b7f2aaf739/lobbylisteamtlich-data.pdf

[2] https://www.nato.int/cps/en/natohq/official_texts_17120.htm?selectedLocale=de

[3] Loth, Wilfried, Helsinki, 01. August 1975. Entspannung und Abrüstung, München 1998, S. 204

Das Spiel mit den Elementen – oder von der Unwilligkeit zu Weitsicht und Gemeinsinn

18.07.2021

 

Heute vor 17 Jahren toste ein Tornado durch unsere Region. Während ich mir entspannt den Sonntagsabend-Tatort ansah, rief meine um die Ecke wohnende Mutter an und berichtete kaum Vorstellbares von abgerissenen Balkonen, abhebenden Dächern, entwurzelten Bäumen. Davon hatte ich fünf Minuten entfernt nichts mitbekommen. Am nächsten Tag war es kaum möglich, morgens auf die Autobahn zu kommen, durch die Stadt zog sich eine Schneise der Verwüstung. Auch dieses Ereignis hat nach anfänglichem Entsetzen kaum etwas geändert und ist längst wieder aus dem kollektiven Gedächtnis entschwunden.

 

Gegenwärtig zeigt sich erneut ein nur über lange Zeit sichtbar werdendes Versagen von Politik wie Gesellschaft. So war es Anfang der 1990er Jahre ausgesprochen schwierig, Kunden von der Notwendigkeit einer Elemantarschaden-Versicherungen zu überzeugen. Es gab kaum ein Bewusstsein für derartige Schäden und für die Vermittler dieser Produkte gab es so gut wie keine Provision, was die mühevolle Überzeugungsarbeit höchst unattraktiv machte, obgleich die Versicherten lediglich einen Mehrbeitrag im Promillebereich hätten aufwenden müssen, um gegen das versichert zu sein, was nun nicht mehr nur Nachrichten aus fernen, oft genug armen Länder sind, sondern unsere eigenen Häuser, Straßen, Gesellschaften zerstört. Aber der Geiz und die Uneinsichtigkeit, dass auch Ereignisse, die man nicht will und nicht kennt, eintreffen können, verhinderten, diesen klugen Versicherungsschutz für niedrigste zweistellige Beträge zu inkludieren.

 

In den 80er und 90er Jahren war Versicherungsbetrug zum Volkssport Nummer eins avanciert, in der sicheren Überzeugung, dass man sich doch seine Prämie zurückholen müsse, weil der Versicherer ja nichts zu zahlen habe in Ermangelung „echter“ Schäden. Und die Versicherer wiederum opferten auf dem Altar der Profitmaximierung die klassische Versicherungsidee „einer für alle, alle für einen“, in der jeder einen kleinen Beitrag leistete, damit einzelne bei einem großen Schaden die bestmögliche Deckung haben.

 

Infolge des Brundtland-Reports von 1988 verbreitete sich die Idee von Nachhaltigkeit in immer weitere Bereiche der Gesellschaft und es entwickelte sich eine andere Wahrnehmung von Risiken. Der zunächst „nur“ akademisch prognostizierte Klimawandel zeigte sich mit immer stärker Wucht und traf jeden, mittel- oder unmittelbar. Auch das führte mit dazu, dass die Versicherer bereits seit Mitte der 90er Jahre die Versicherungsbedingungen und Risikoklassen nach unten anpassten. Jetzt wurde es schwieriger, Elementarschäden zu versichern. Und spätestens seitdem die Oderflut 1997 zeigte, was auf die Republik zu geschwommen kommt, wurde es ein immer teurerer Spießrutenlauf für die nun doch einsichtiger Werdenden, sich gegen Elementarschäden abzusichern. Jene, die noch Verträge mit alten Bedingungen hatten, lernen ganz aktuell existenzvernichtend, dass Versicherer smarte Wege finden, diese alten Verträge mit sehr guten Konditionen nicht mehr zu erfüllen und nach Ablehnung der Schadensregulierung zu kündigen, was das Versicherungsvertragsgesetz ermöglicht, da erst im Schadensfall sich Versicherer und Versicherte tatsächlich kennenlernen, weshalb beiden Parteien nach Regulierung oder Ablehnung eines Schadens ein außerordentliches Kündigungsrecht zusteht.

 

Nichts des Vorbenannten gehört in den Bereich des Geheimwissens der Druiden und wenn wir kluge, umfassend gebildete und des eigenen Denkens fähige Volksvertreter hätten, hätte hier längst von politischer Seite Einfluss genommen werden müssen. Elementarschäden heißen Elementarschäden, weil sie zum einen durch die Elemente Wasser oder Wind verursacht sind, aber auch, weil die Elemente Existenzen vernichten können. Hier hätte die Politik Jahrzehnte Zeit gehabt, geeignete Modelle von Pflichtversicherungen in „guten“, also schadensarmen Zeiten zu konzipieren, mit denen genügende Überschüsse hätten erwirtschaftet werden können, aus denen Großereignisse wie die gegenwärtigen hätten vernünftig reguliert werden können.

 

Der Preis der Freiheit ist immer ein hoher. Wenn die Menschen frei sein wollen, eigenverantwortlich zum Beispiel über den Abschluss einer Versicherungen zu entscheiden, müssen sie zumindest die Eigenverantwortung aufbringen, sich auch mit nicht ganz naheliegenden Themen zu befassen und entsprechend Vorsorge zutreffen. Freiheit gibt es halt nicht allein!!! Wirkliche Freiheit kann man immer nur dann erreichen, wenn sie im Kanon mit anderen angestrebt wird und das kann im Zweifel bedeuten, Versicherungen abzuschließen für kleinste Prämien, um vielleicht doch irgendwann Schäden abgesichert zu wissen – in der stillen Hoffnung, dass das nie eintreffen möge. Es hätte jedem ein gutes Gefühl sein könne, ja müssen, zu wissen, dass die zerstörerischen Schäden bei anderen gut gedeckt sind, während man selber das große Glück hatte, unbeschadet davon zu kommen. Zumindest dieses Mal...

 

Am Ende noch einmal das Zitat von Ernst Wilhelm Reinoldi, dem Begründer der Gothaer Versicherungen, dessen Maxime es war: Einer für alle – alle für einen. Das ist das Wesen einer Gemeinschaft, der Kern der Demokratie. Irgendwie ist dieser Gedanken in längst vergangenen Fluten wohl irgendwie, irgendwann untergegangen… Diesen Gemeinsinn neu aufzubauen dürfte erheblich schwieriger sein, als die gegenwärtigen Flutschäden zu beseitigen. In den letzten Tagen schwingt das Wort der Solidarität zu neuen Höhen auf, weil so viele freiwillige Helfer bis zur Erschöpfung Hilfe leisten. Das kann man gar nicht hochgenug loben!

 

Schlussendlich bleibt die Frage, wie weit es mit der Solidarität jenseits aller Katastrophenereignisse ist, durch die sich eine Gesellschaft stabilisiert, zum Beispiel indem man sich versichert, auch um andere zu schützen und die Prämien gerne zahlt, dankbar um jedes Jahr vermeintlich„unnötig“ gezahlter Prämien – ohne das Bedürfnis, sich davon irgendetwas zurück zu holen. Das wäre prophylaktische Solidarität, die eine Gesellschaft besser zusammenschweißt, als alle Aktionen im Ernstfall oder politische Sonntagsreden!

Es grünt so grün, wenn Phantasiegeschichten blühen!

18. Juli 2021

 

Es ist nicht nachvollziehbar, wie jemand sich für die Kanzlerschaft als geeignet und auserwählt fühlt, nicht in der Lage ist, sich an banalste Rechtmäßigkeiten zu halten. Wenn Mitgliedschaften und Tätigkeiten öffentlich zu machen sind und man Schwierigkeiten mit dem eigenen Erinnerungsvermögen hat, muss man in medias res gehen, bis alles Gegenwärtige und Vormalige beisammen ist. Notfalls frage man die eigene Mutter oder andere geeignete Personen. Wenn jemand dazu weder Bereitschaft noch Fähigkeit hat, möge Gott oder sonstige höheren Mächte und notfalls der Wähler selbst sein Land davor schützen, dass so eine Person tatsächlich ins dritte höchste Staatsamt gelangt.

 

Ein derartiges Verhalten zeugt von infamer Dummheit, Arroganz und/oder Ignoranz. Falls das nicht zutrifft, müsste Betrugs- oder Täuschungsabsicht unterstellt werden und im aller günstigstem Falle, dass es jemand nicht der Mühe wert erachtet, korrekt und ehrlich zu sein. Inwieweit das zur Kanzlerschaft qualifizieren soll, bleibt ein Rätsel. Daneben verblassen selbst Kohls schwarze Kassen, Konten und Ehrenworte! Immerhin gab es da noch ECHTE Sachverhalte: es ging um hohe Millionenbeträge, die zum Wohle und Machterhalt der Partei dienten und nicht dem persönlichen Vorteil.

 

Nicht dass das entschuldbar wäre! Aber unser Land regiert zu wissen von einer Person ohne Verantwortungsgefühl in kleinen Dingen, der sich nicht an eine Mitgliedschaft erinnern kann, die nur drei Jahre zurückliegt, möchte ich mir in kühnsten Albträumen nicht ausmalen. Die Annahme, man könne in und an einem Amt wachsen, trifft gewiss auf manche Persönlichkeiten zu. Das per se zu unterstellen, wäre indes eine fatale, trügerische Hoffnung und darf hier wohl kaum noch ernsthaft angenommen werden.

 

Es ist nun mal ein Unterschied, ob jemand eine Person ist oder Persönlichkeit!

 

Wer ein in seinem Namen publiziertes Buch als eigenen geistigen Erguss ausgibt ohne Kenntlichmachung eines Ghostwriters, mit dem man erst bei Plagiatsvorwürfen rausrückt, lässt nichts Gutes erwarten für den Fall einer Kanzlerschaft. Mal sehen, welcher Kaspar da noch aus der Kiste springt… Lustig ist das in keinem Fall mehr, sondern systemzersetzend! Hoffentlich besinnen sich die Bürger jenseits aller Heilsversprechen rechtzeitig und machen von ihrem Recht auf freies Denken Gebrauch! Wenngleich fraglos gilt: nie war es so schwierig, wie heute - und auch nicht so spannend!

Treffen sich ein Kabarettist und Gedichteliebhaber…  

01. Juni 2021

 

… Witze die so beginnen, sind immer schlecht, das wissen schon Kinder und rollen die Augen. Leider geht es im Folgenden noch nicht einmal um einen schlechten Witz, sondern um bittere Wahrheiten des politischen Alltags, die erneut zeigen, dass die Steigerung von dumm - dümmer - am Dümmsten noch einen Super-Superlativ kennt.

 

Die Akteure:

 

1. Habeck, grüner Co-Vorsitzende und Verlierer der Schlacht um die Bundeskanzler-Kandidatenkür. Habeck schrieb dereinst seine universitären Abschlussarbeiten über Gedichte und die literarische Ästhetizität, was wunderbare und viel zu seltene Themen sind. Das qualifiziert einen indes nicht im Geringsten in politischer oder volkswirtschaftlicher Hinsicht. Jedoch sollte man jemandem nach einem geisteswissenschaftlichen Studium doch zutrauen können, dass er in der Lage ist, Geschriebenes lesend zu erfassen. Da er nunmehr 19 Jahre sich dem Politischen verbunden fühlt und mit Ämtern betraut wurde, sollte man doch annehmen, dass Habeck seine Fähigkeiten des lesenden Verstehens auch auf politische Texte auszudehnen gelernt hat. Das hat er möglicherweise auch in verschiedenen Bereichen. Im Bereich der Rüstung definitiv nicht!

 

Deutschland und die Europäische Union haben im Kontext mit Rüstungsgütern, zumindest auf dem Papier, höchst differenziert ausgearbeitete Gesetze, wie das Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen (KrWaffKontrG), das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) oder den „Gemeinsamen Standpunkt 2008/944/GASP des Rates der Europäischen Union“, aus dem der seit 2014 gültige Vertrag über den Waffenhandel „Arms Trade Treaty“.

 

Ich lebe und empfehle jedem mein Motto: Ein Blick ins Gesetz hat noch keinem geschadet! Nun haben Sie vielleicht gerade heute keine Zeit, sich durch die vorbenannten Gesetze zu arbeiten. Dann machen Sie es sich leicht und nehmen den „Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter im ersten Halbjahr 2020 – Rüstungsexportbericht“, Stand Oktober 2020.

 

Dort lesen Sie in der Anlage 1, III. 7:

 

„Die Lieferung von Kriegswaffen und kriegswaffennahen sonstigen Rüstungsgütern wird nicht genehmigt in Länder,

  • Die in bewaffneten Auseinandersetzungen verwickelt sind oder wo eine solche droht,
  • In denen ein Ausbruch bewaffneter Auseinandersetzungen droht oder bestehende Spannungen und Konflikte durch den Export ausgelöst, aufrechterhalten oder verschärft würde.

Lieferungen an Länder, die sich in bewaffneten äußeren Konflikten befinden oder bei denen eine Gefahr für den Ausbruch solcher Konflikte besteht, scheiden deshalb grundsätzlich aus, sofern nicht ein Fall des Artikels 51 der UN-Charta vorliegt.“[1]

 

Ich weiß jetzt nicht, was man an diesem Grundsatz nicht verstehen kann. Zusammenfasst in einfach steht dort: wo geballert wird, dorthin wird nicht geliefert. Das ist doch ganz einfach.

Und zum letzten Satz des Zitates ist zu ergänzen, dass die UN bisher noch keinen Fall nach Artikel 51 ausgerufen hat! Die ganz besonders Interessierten können diesen gerne nachlesen. Hier der Link[2]

 

2. Der zweite Akteur Selenskyj hat immerhin ein Jurastudium abgeschlossen, so dass man meinen könnte, dass zumindest ihm das verstehende Lesen von politischen und juristischen Texten nicht schwerfällt. Zwar hat Selenskyj nie als Jurist gearbeitet, sondern ist nahtlos in die darstellenden Künste gewechselt. Seine politische Expertise, die ihn 2019 in das Amt des Staatspräsidenten der Ukraine brachte, sammelte er mit seiner Satire über die politische Situation in Russland. Damit ist er wahrscheinlich noch qualifizierter als manch andere politischen Akteure. Eine gute Satire braucht exzellentes Verständnis und tiefes Durchdringen des satirischen Gegenstandes. Nun ist es indes etwas anderes, ein Thema satirisch zu durchdringen, als im harten politischen Alltag das angeschlagene, korruptionsdurchseuchte Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Das Putin an Selinskyj keine Freude hat, war naheliegend. Das er dagegen vorgeht, ist für keinen politischen Beobachter eine Überraschung.

Vielleicht hat der deutsche Grüne gedichtverliebte Habeck den parodierenden Satiriker Selenskyj besucht, um sich über Literatur, Wortgewalt und anderes auszutauschen. Warum sonst hätten sie sich treffen wollen?

 

Nun ist Selenskyj aufgefallen, dass die Deutschen ihm keine Waffen liefern! Tststs… , so was aber auch… . STandesgerecht fordert er nun deutsche Waffenlieferungen ein - und Habeck springt seinem möglicherweise Kumpanen im Geiste bei und unterstütz dessen Begehren.

 

Wie ausgerechnet einer, der sich den Grünen-Idealen verschrieben hat auf die Idee kommt, in ein Land, dass (nicht nur) von Deutschland Entwicklungshilfegelder erhält on the top auch noch Rüstungsgüter liefern zu wollen, ist unfassbar und lässt furchterregend tief blicken. Da eine genauere Beschreibung dessen, was ich darüber denke vielleicht unhöflich erscheine könnte, unterlasse ich weitere Kommentierungen und überlasse alles Weitere Ihnen.

 

In diesem Sinne: Bleiben Sie friedlich, heiter und coronafrei an diesem sonnigen Tag. Und denken Sie daran: Nur selber denken macht schlau!

 


[1] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Aussenwirtschaft/ruestungsexport-zwischenbericht-2020.pdf?__blob=publicationFile&v=14

[2] https://unric.org/de/charta/

Gymnastik für Denker und das verlorene Verständnis von Ehre

12. März 2021

 

Keine Zeit zum Lesen? Dann hören Sie sich den Essay hier an.

 

Eine meiner täglichen Gepflogenheiten ist, morgens ab 05.30 Uhr im DLF die Informationen am Morgen zu hören. Diese bringen mir nicht nur die Neuigkeiten aus Deutschland und der Welt, sondern sie verkürzen auch die Morgengymnastik, da die Meldungen regelmäßig mein Blut zur Genüge in Wallung bringen.

 

Wenn ich bereits früh am Tag höre, „sie [die Pharmafirmen] sollen offenlegen, welche Länder schon [mit Impfstoffen] beliefert wurden“ und dass die Unions-Abgeordneten bis heute 18.00 Uhr eine Ehrenerklärung (!!!) abgeben sollen, dass sie sich nicht im Kontext der Bekämpfung der Corona-Pandemie bereichert haben, bin ich schlagartig hellwach und frage mich voll heiligem Zorn, aufgrund wessen sich die Abgeordneten in maßloser Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit derart aufblasen. Diese ungeniert offen zur Schau getragenen Dummheit, Unfähigkeit und Unwilligkeit ist noch vor dem, dass das unsere Demokratie ruiniert, ganz einfach unerträglich.

 

Warum das, was die Unions-Bundestagsabgeordneten bis heute Abend abgeben sollen als Ehrenerklärung bezeichnet werden muss, erschließt sich dem kundigen Beobachter nicht, außer, dass dieses in den Orbit trompetete Geschwafel der Beweis der Dummheit und Untugend der Volksvertreter sind.

 

Gemäß Duden ist eine Ehrenerklärung ein öffentlicher Widerruf einer Beleidigung oder verleumderischer Behauptung.

 

Ein Ehrenwort ist jemandes feierliche, sich auf seine Ehre stützende Versicherung zur Bekräftigung einer Aussage oder eines Versprechens.

 

Also müssten, folgt man dem Duden, die Abgeordneten zur Abgabe einer Erklärung aufgefordert werden, mit der sie bestätigen, vielleicht sogar an Eides statt versichern, dass sie keinerlei finanzielle Vorteile im Zusammenhang mit der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie erlangt haben. Wer mag, könnte das mit einem Ehrenwort garnieren. Aber in keinem Fall mit einer Ehrenerklärung!

 

Jedoch sind weder Ehrenerklärungen noch Ehrenworte justiziabel und gerade im Politischen ein bedeutungsloser, aufgeblaser Spuk, woran die folgenden Beispiele erinnern sollen: 

 

1. Der damalige schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident Uwe Barschel gab einst sein Ehrenwort gleich doppelt: „Über diese Ihnen gleich vorzulegenden eidesstattlichen Versicherungen hinaus gebe ich Ihnen, gebe ich den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Schleswig-Holsteins und der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort – ich wiederhole: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! – dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.“

 

Diese zur Bekräftigung gegebene Verdoppelung des Ehrenwortes tut ja schon aus Kindertagen bekanntermaßen immer dann not, wenn man weiß, dass man zum Beispiel Süßigkeiten statt Obst gegessen hat, der skeptisch dreinblickenden Mutter aber sagte, man habe doch Obst gegessen, ganz bestimmt habe man Obst gegessen und keine Süßigkeiten. Während die meisten normalen Menschen diese frühkindlichen Übungen schnell überwunden haben, werden sie für andere zur Methode zur Machterlangung und des Machterhaltes.

 

Was nötigte den CDU-Ministerpräsidenten 1987 zu diesem doppelten Ehrenwort? Es gab einen schmutzigen Wahlkampf und der SPD-Ministerpräsidenten-Kandidat Björn Engholm war als Sunnyboy attraktiv und beliebt, und obgleich er Barschels Meinung nach flach war und nicht dessen Qualitäten hatte, war er ein gefährlicher Konkurrent. Da Barschel Engholm nicht mit echten Argumenten schlagen konnte, initiierte er eine Verunglimpfungskampagne, mit der Barschel versuchte, Engholm als pädophil und bisexuell darzustellen. Damit nicht genug, inszenierte Barschel eine Durchsuchung seines eigenen Büros, bei der auch Abhörwanzen angebracht wurden, was Engholm in die Schuhe geschoben werden sollte. Barschels Adlatus Reiner Pfeiffer bekam Skrupel, ging zum Notar ... und anschließend zum „Spiegel“, der die Story dankbar aufgriff. Es kam, wie es kommen musste: die gründlich recherchierenden Journalisten deckten Barschels Lügen auf, dieser trat zurück, um dann einige Tage später ein unrühmliches Ende in einer Badewanne des herrlichen Hotels Beau Rivage am Genfer See zu nehmen. Warum musste er ausgerechnet noch diese feine Adresse in Mitleidenschaft ziehen? Dachte er dabei an Kaiserin Sissi, die ebenfalls in diesem Hause nach einem Attentat durch einen italienischen Anarchisten verstarb? Bleibt zu hoffen, dass Herr Barschel zumindest die Hotelrechnung im Voraus und aus eigenem Vermögen bezahlt hat und nicht dem des Steuerzahlers!

 

Trotz Watergate-Erfahrung hätte Hollywood ein Drehbuch mit so einer Geschichte wahrscheinlich als zu absurd abgelehnt.

 

2. Das zweite berühmte Ehrenwort kam aus dem hollywoodschen Mutterland Amerika. Dort gab 1998 der damalige US-Präsident Bill Clinton öffentlich zunächst folgende Erklärung: „I want to say one thing to the American people. I want you to listen to me. I’m going to say this again. I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky. I never told anybody to lie, not a single time; never. These allegations are false.” Einige Monate später schwor er unter Eid, keine Beziehung mit Lewinsky gehabt zu haben. Dank unappetitlicher Spermaspuren an einem extra für solche Fälle aufbewahrten Kleid (hat eigentlich jemand geprüft, ob dieses Kleid wirklich Ms Lewinsky gehörte und von ihr getragen wurde?) wurde Clinton der Lüge überführt und es fanden sich Zeugen, dass er andere zur Falschaussage anzustiften versuchte. Dennoch blieb er im Amt.

 

Mit wem ein Präsident sexuelle Beziehungen hat, ist ausschließlich dessen Privatangelegenheit und nur von seiner Ehefrau zu beurteilen. Als höchster Würdenträge das ganze Volk unter Eid zu belügen, hat hingegen eine Dimension, die meines Erachtens überhaupt nicht genügend beleuchtet wurde. Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn Personen in höchsten Ämtern für zumindest im politischen Sinne völlig unerhebliches (einvernehmlich sexuelles) Verhalten derart lügt? Wie psychosozial gestört muss jemand sein, ein so wichtiges Amt aufs Spiel zu setzen, das Amt als solches genauso wie die eigene Amtsinhaberschaft, die Ehe und seine Reputation? 

 

3. Der letzte im Bunde ist unser Altkanzler Helmut Kohl, der rechtswidrig Spendengelder in Millionenhöhe wie in einem schlechten Kriminalroman angenommen hatte, resp. hat annehmen lassen, die Namen der anonymen Spender aber stur und trotzig wie ein Kleinkind nicht nennen wollte unter dem Vorwand, er habe den Spendern sein Ehrenwort gegeben, deren Namen nicht zu nennen. Nun war Kohl, als die Spendenaffäre 1999 aufflog, bereits seit zwei Jahren nicht mehr im Amt, so dass die Würden in möglicherweise nicht mehr tangierten. Das ein Ehrenwort gegenüber Personen, die anzunehmenderweise nicht aus Bescheidenheit anonym bleiben wollten, sondern, weil die gespendeten Beträge aus dem Finanzamt nicht bekannten Quellen sprudelten und mit Tätigkeiten erworben wurden, die wahrscheinlich nicht friedensnobelpreisverdächtig waren, das diese Ehrenworte mehr gelten, als der Amtseid eines der freiheitlich demokratischen Grundordnung verpflichteten Bundeskanzlers, der geschworen hatte, dem Wohle des Volkes zu dienen, ist unfassbar - bis heute. Amtseide sollten sich auch über die Amtsdauer hinaus im Verhalten der Personen widerspiegeln. Zumal die Spenden während Kohls Amtszeit geflossen sind und Waffenhändler mit im Spiel waren. Und das von einem bekennden Christen, der als promovierter Historiker und Kriegskind wissen dürfte, wohin Lügen und Waffengeschäfte führen.

 

Wer heute lamentiert, dass irgendwelche Terroristen, sonstige -ismen oder Verschwörer unsere Republik oder die demokratischen Staaten westlicher Couleur zerstören wollen, der verdrängt die Tatsache, dass es genau diese prominenten Politiker wie die vorgenannten sind, die allen -ismen und tatsächlich Zerstörungswütigen durch ihre perfiden Amtsmissbräuche den Boden bereiten und dadurch auch all die guten, aufrichtigen Politiker diskreditieren, weil der gewöhnliche Betrachter nur selten tiefgründig reflektiert. Und das ist nichts, das der Vergangenheit angehört. In dieser Stunde stehen drei Abgeordnete am Pranger, sich an der Pandemiebekämpfung bereichert zu haben. 

 

Haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages wirklich keine ausreichenden Einkünfte? Die gegenwärtig perfiderweise Diäten genannten Bezüge liegen monatlich bei 10.083,45 Euro plus einer monatlichen Kostenpauschale von 4.418,09 Euro. Macht in Summe 14.501,54 Euro. Ok, davon muss ein kleiner Teil an die eigene Partei abgeführt werden, was an sich schon höchst fragwürdig ist! Alle Abgeordneten werden durch die Steuerzahler allimentiert und in einer Demokratie finanziert jeder die Opposition mit. Auch wenn einem das nicht immer gefällt, ist das der richtige Weg. Wenn aber mit meinem Geld nicht nur opositionelle Personen, sondern demokratiezersetzende Parteien finanziert werden, sieht die Sache schon ganz anders aus. Ferner müssen Abgeordnete die üblichen Abgaben für Kranken- und Rentenversicherung und Steuern zahlen. Zum Troste stehen ihnen zusätzlich phantastische Zubehöre zur Verfügung. Möchte der Normal-Bürger täglich die FAZ lesen , muss er monatlich 71,50 Euro bezahlen. Werden Fach-Literatur, Bücher, Fachzeitschriften, digitale Abos oder Zugang zu Archiven gebraucht, zahlt man selbstverständlich alles aus dem eigenen Portemonnaie, ebenso den Montblanc Füller, Computer, Drucker, Papier und und und. Die gewählten Volksvertreter nehmen für diese Bedarfe einen schicken Katalog und bekommen als bald alles an ihren Platz geliefert - ohne Kosten, das versteht sich. Auch werden sie gerne zu dekorativen Zwecken als Ehrengäste zu Veranstaltungen eingeladen, für die der Normal-Bürger viel Geld bezahlen müsste. Sprechen sie dort einige salbungsvolle Worte, haben sie ein paar Tausend Euro mehr auf dem Konto, ohne das sie für die Kosten der Anreise und Unterkunft aufkommen zu müssen - schließlich sind sie im Dienste des Vokes unterwegs. Halten Sie irgendwo geschwätzige Vorträge, die in der Regel von ihren Referenten oder dem wissenschaftlichen Fachdienst des Bundestages erarbeitet werden und also nur noch abgelesen werden müssen, erhalten sie satte vier- bis fünfstellige Honorare und gelten als Top-Redner. Ohne ihre Mandate würden die meisten wohl kaum auf diesen Bühnen stehen.

 

Dazu kommen die Nebentätigkeiten. Schauen Sie sich in einer ruhigen Stunde die Profile der Abgeordneten auf der Internetseite des Bundestages einmal etwas genauer an. Die neben der Abgeordneten-Tätigkeit erlangenten "Nebeneinkünfte" sind veröffentlichunspflichtig. Da schwirrt Ihnen der Kopf, weil es nur schwer nachvollziehbar ist, wie jemand, der eigentlich einen Vollzeitjob im Bundestag plus seinen Wahlkreis hat, auch noch die Zeit aufbringen kann, "Nebeneinkünfte" zu generieren, die oft genug die monatlichen Diäten um ein Vielfaches übersteigen.

 

Und das reicht noch immer nicht??? Muss man tatsächlich noch das Image aller Politiker und der Demokratie als Selbstbedienungsladen ruinieren, in dem man sich ausgerechnet in Notzeiten auch noch die Taschen dick macht? Die 600.000 Euro für die Vermittlung eines Auftrags zur Lieferung von Masken ist ja noch schäbiger als wenn der CEO der UBS in 2020 mehr als 13 Millionen bekommen hat, während gleichzeitig gegen die UBS Prozesse wegen Begünstigung von Steuerhinterziehung laufen. Im Gegensatz zu gewählten Volksvertretern in Demokratien sind die UBS- und andere Banker immerhin nie mit dem Schwur angetreten, zum Wohle aller ihrem Land zu dienen, sondern mit der Marschrichtung der Profitmaximierung um (fast) jeden Preis.

 

Verstehen Sie mich bitte richtig. Ich finde Geld gut und viel Geld noch viel besser. Wenn man aber keinen inneren Kompass mehr hat, ab wo der Bereich des moralisch Richtigen verlassen wird, dann entfaltet das System des Kapitalismus mit voller Wucht seine zerstörerischen Kräfte, anstatt die positiven Aspekt weiter auszubauen.

 

Mein an dieser Stelle kostenfreier Rat an alle Abgeordneten, die denken, dass sie allwissend, unersetzbar, weltrettend, einfach so unfassbar gut sind, dass die mageren Abgeordneten-Bezüge ihre Fähigkeiten nicht widerspiegeln: gehen Sie mit Ihren begnadeten Talenten in die freie Wirtschaft! Dort haben manche das Glück, tatsächlich die Gehälter zu bekommen, die sie denken verdient zu haben. Hoffentlich reichen Ihre Fähigkeiten aus, einen besseren Job als den des Pförtners zu bekommen. Den guten alten Pförtner, der noch jeden kannte und alles im Blick hatte, gibt es nicht mehr. Das machen jetzt Security-Leute, für Mindestlohn. Der wird aber schon in Ordnung sein, sonst hätten Sie, liebe Abgeordnete diesen Mindestlohn nicht in dieser Höhe eingeführt, oder? Schließlich sind Sie kompetent und kennen sich aus. Ob Ihre Qualifikationen indes ausreichen für einen hochdotierten Job in der freien Wirtschaft, dessen bin ich mir nicht ganz so sicher. Schließlich habe ich mir nicht nur Ihre "Nebeneinkünfte", sondern auch Ihre Biographien angesehen. Daraus kann ich beim besten Willen keine Rechtfertigung für exorbitante Bezüge ableiten.

 

Größenwahn, Selbstüberschätzung, das Ignorieren kluger Ratgeber haben nicht nur das Alte Rom in den Untergang geführt.

 

Diese Betrachtung zeigt einmal mehr die Korrelation:

je mehr Gerrede um die Ehre, desto frevelhafte die Tat!

 

Der zweite Punkt, der mich heute früh munter machte, war die Forderung, Firmen sollen offenlegen, in welche Länder sie bereits geliefert haben. Und diese Forderung kam nicht von einem totalitären, autokratischen, diktatorischen Regime.

 

Es sind genau diese Abgeordneten, die seit langem verhindern, dass die in hinreichender Zahl bekannten, seriösen Warnungen vor dem bevorstehenden Auftreten von Pandemien, den daran gekoppelten Risiken und Notwendigkeiten konsequent in politisches Handeln übersetzt werden, in dem man zumindest Logistiken plant und im Notfall abrufbare Kapazitäten vorstrukturiert. Auf europäischer Ebene kennt der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union  AEUV zwar den Artikel 168 über das Gesundheitswesen, beschränkt indes die Rolle der Europäischen Union auf die Ergänzung der Politik der Mitgliedsstaaten. Die EU kann im Bereich des Gesundheitswesens nicht eigenständig aktiv werden. In dem im Dezember 2009 in Kraft getretenen, aktuell gültigen Vertrag wurden die großen Katastrophen ausgeblendet oder, wohlwollender formuliert, nicht berücksichtigt. Ob Wettbewerbsinteressen der einzelnen EU-Mitgliedsländer eine gemeinsame Politik bisher verhindert haben? Deutschland hat mächtige Pharmakonzerne, Frankreich auch... Man hätte gehofft, dass den ökonomischen Interessen zumindest eine echte Bedrohung übergeordnet wäre.

 

Die im Artikel 222 verankerte Solidaritätsklausel bietet für den Katastrophenschutz der EU nur eine Koordinierungsplattform: „Die Union und ihre Mitgliedstaaten handeln gemeinsam im Geiste der Solidarität, wenn ein Mitgliedstaat von einem Terroranschlag, einer Naturkatastrophe oder einer vom Menschen verursachten Katastrophe betroffen ist.“ Es wirkt nachgerade naiv, dass offensichtlich niemand auf die Idee kam, dass alle Mitgliedstaaten (und der Rest der Welt) zeitgleich mit einer einzigen Herausforderung konfrontiert sein könnten.

 

Der ursprünglich als Verfassung der Europäischen Union konzipiert Vertrag von Lissabon wurde unter den Bedingungen einer vom Terrorismus bedrohten Welt verfasst. Dementsprechend finden dort terroristische Bedrohungen expressis verbis Eingang. Globale Seuchen muteten eher museal an und waren vielleicht deshalb auf niemandes Radar. Dabei gab es sehr wohl Ereignisse, die im Zusammenhang der Terrorbekämpfung zwangsläufig auf die Spur von biologischen Kampfstoffen und somit auch zu Viren führten, wenn man denn schon nicht an Epi- oder Pandemien denken mochte. Erinnern Sie sich an die Aum-Sekte? In Japan? Weit weg vom islamistischen Terror? Diese 1984 als Yoga-Club gegründete Gruppe radikalisierte sich zügig und kündigte für 1997 den Weltuntergang an. Um diesem etwas Vorschub zu leisten, verübten sie mit dem chemischen Kampfstoff Sarin, den sie seit 1994 selbst herstellen konnten, einen medienwirksamen Giftgasanschlag in der Tokyoter U-Bahn.

 

Infolgedessen wurden zumindest im Bereich der Terrorabwehr verschiedene Szenarien zu Angriffen mit unsichtbaren Kampfstoffen wie Giftgasen, Bakterien und Viren durchgespielt. Unter anderem wurde der Einsatz von Pockenviren diskutiert, die ohne Aufwand (sofern man die Seren hat), unauffällig in Klimaanlagen eingebracht vor allem an Flughäfen ihr unheilvolles Werk verrichten könnten. Diese Planspiele, gekoppelt mit den Warnungen der Epidemiologen und anderer Politikbeobachter, weisen seit vielen Jahren auf die ernste Gefahr unsichtbarer Bedrohungen hin, sei es durch gezielte terroristische Einsätze, Laborunfälle oder andere Übersprünge auf menschliche Wirte. Um hier Zusammenhänge erstellen zu können, wäre indes die Fähigkeit und der Mut, sich seines eigenen Verstandes bedienen zu können und zu wollen, von Nöten. Von Politikern wurden sie gepflegt ignoriert.

 

Und wem das Wissenschaftliche zu komplex und kompliziert war, für den gab es genügend Spielfilme, in denen man, gemütlich Chips futternd, auf dem Sofa dem Weltuntergang durch Pandemien zuschauen konnte. Aber ach: es war ja nur ein Film, in Echt gibt’s das nicht… kann ja gar nicht… weil ich das nicht will…. Möge das nicht als Beispiel dienen für die Folgen, wenn ganze Generationen sich mit Ballerspielen vergnügen, die auch angeblich keine Auswirkung auf das psychosoziale Verhalten haben.

 

Nun denn! Es ist schlechterdings für den gebildeten Betrachter nicht nachvollziehbar, warum weltweit keinerlei geeignete Notfallpläne und Vorbereitungen für den Ernstfall virologischer Pandemien vorhanden waren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt und gar das Konstrukt pharmazeutischer Lobbyisten-Diktaturen zusammenzimmert.

 

Es ist unwahrscheinlich, dass ein Abgeordneter diesen Essay bis zum Ende liest. Nicht nur, weil sie als wichtige Leute gar keine Zeit für philosophische Betrachtungen haben, allein es ist zu viel Text. Sollten Sie jedoch durchgehalten haben, gibt es hier noch das philosophische Bonbon:

 

"Ehrgefühl ist das Gefühl für den Wert der Ehre (Selbstwertgefühl), das uns treibt, das Urteil unserer selbst (Eigenwertgefühl) und anderer über uns rein zu erhalten und die angegriffene oder verlorene Ehre wiederherzustellen."

 

Diese treffliche Definition finden Sie im "Wörterbuch der philosophischen Begriffe" (Hg. Regenbogen/Meyer). Sollten Sie bestrebt sein, Ihre eigene Ehre rein zu halten und wissen nicht mehr so genau, wie das in dem großen Grundrauschen unserer schnelllebigen Zeit geht, oder sollten Sie ihre Ehre gar wiederherstellen müssen und wissen nicht so genau wie: zögern Sie nicht und vereinbaren Sie einen Termin mit meinem Büro! Seien Sie versichert, die Bibel hat (nicht nur in diesem Punkt) recht: Wer suchet, der findet. Wer anklopft, dem wird auf getan.

Simplex Simplicitas

05. März 2021

 

Heute berichten die Medien, dass die Zahl der mit Corona Neu-Infizierten um 600 Personen höher ist, als letzte Woche Freitag. Schaut man genauer hin, ist die 600 eine interessante Zahl.

 

Haben Kinder zum Beispiel am Weltspartag 600 EUR auf ihren Sparbüchern, werden sie ziemlich stolz sein und große Pläne machen. Haben Auto- und PS-Liebhaber einen Maserati mit 600 PS (und eine freie Autobahn), haben auch sie ein Gefühl von Stolz und unbegrenzter Freiheit.

 

Nimmt man die Weltbevölkerung um das Jahr 600 n.Chr., lag diese bei rund 200 Millionen Menschen. Am heutigen Tag leben 7.852.046.000 Menschen auf diesem schönen Erdenrund, was einem Wachstum von 3.926 % entspricht. Nur ist die Erde nicht im gleichen Maße um das 3.926-fache angewachsen, weshalb es heute etwas voller und enger ist als vor 1421 Jahren. Und weil das so ist, sind 600 mit dem SARS-COV-2-Virus Infizierte mehr als vor einer Woche eine unfassbar große Zahl. Besonders bedenklich ist, dass dieser Anstieg unter den Bedingungen einer angelaufenen Impfmaschinerie erfolgte und ab Montag schrittweise geöffnet werden soll.

 

Vor einigen Tagen wurde von einer Düsseldorfer Arzthelferin berichtet, die wissentlich mit einer der hochansteckenden Virus-Mutanten infiziert arbeiten ging und – Sie ahnen es schon - ebenfalls mit 600 Personen Kontakt gehabt haben soll, die man nun mühevoll versucht ausfindig zu machen. Wenn trotz Impfungen und noch unter Lockdown-Bedingungen die Zahl der Neuinfektionen wieder steigen, kann man ohne besondere mathematische Talente ausrechnen, wie lange es bis zum nächsten Lockdown dauert. Aber auch für Mathematik gilt, wie für so viele Dinge, die über lange Zeit als gut und richtig galten, dass nichts ewig währt...

 

So lernten wir vor drei Tagen in der FAZ: „2 + 2 ≠ 4“![1] Offensichtlich lösen sich in den USA die bisherigen Gesetze der Mathematik derzeit auf, weil mathematische Ergebnisse nun doch keine mathematischen Gesetze sind, sondern ein Zeichen „weißer Vorherrschaft“ und die Idee von 2 + 2 = 4 kulturelle Gründe habe, wie eine Studierende konstatierte. Deshalb forderte das Kultusministerium von Oregon die Lehrer auf, sich in Ethno-Mathematik weiterzubilden, damit sie lernen, dass die bisherigen eineindeutigen mathematischen Ergebnisse eben doch nicht richtig sind, sondern die Folge von Imperialismus und Kolonialismus. In dieser Fortbildung sollten die Lehrer nun lernen, dass in der Mathematik jede Aufgabe mindestens zwei Ergebnisse habe! Endlich!!! Ich habe es immer schon gewußt: wenn ich in der Schule eine fünf in Mathe hatte, lag das nicht daran, dass ich das nicht verstanden hatte, sondern der Lehrer nicht wusste, dass es immer zwei Lösungen gibt.

 

Ob unsere Abgeordneten das bereits wußten? Dann wäre es verständlich, warum bis gestern früh für die große Öffnung und das Ende des Lockdowns ein Inzidenzwert von 35 die Ultima Ratio war,  dieser jetzt aber ZWISCHEN 50 und 100 liegen kann. Kommt halt immer drauf an…

 

Für jemanden, dessen Stärke sich nicht im Mathematikunterricht gezeigt hat, ist die Numerologie ein interessantes Terrain. So nehmen wir am Ende der heutigen Betrachtungen den § 600 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der die Mängelhaftung definiert. Dort heißt es: „Verschweigt der Verleiher arglistig einen Mangel im Recht oder einen Fehler der verliehenen Sache, so ist er verpflichtet, dem Entleiher den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.“ Im Kontext von Corona geht es bei den finanziellen Hilfen teilweise um Verliehenes. Bei der Beantragung der ersten Corona-Hilfen im März/April 2020 gab es (noch) keine Rückzahlungsbedingungen und auch keinen Hinweis, das da etwas in der Mache ist. Diese kamen erst ins Spiel, nachdem die ersten Gelder längst geflossen und ausgegeben waren – zweckfremd, wie viele kleinere Unternehmen schon bald schmerzlich lernen sollten. Da stellt sich die Frage der Conditio-sine-qua-non und wie die Rückführung möglicherweise zu viel erhaltenen Hilfen unter den neuen mathematischen Bedingungen berechnet werden soll, wird gewiss eine heitere Angelegenheit. [Hierbei handelt es sich selbstverständlich weder um eine juristische noch steuerliche Betrachtung und auch soll weder den AOs des BTs noch dem Gesetzgeber Arglist unterstellt werden. Diese Überlegung dient lediglich der Demonstration, wie man mit Zahlen und Vergleichen umgehen kann].

 

Aber! Was kann man ernsthaft erwarten von Volksvertretern, die, wenn sie im Hohen Hause des Bundestages ans Rednerpult treten ALLE ihre abgenommenen Mund-Nase-Bedeckungen (vulgo: Masken) offenherzig und für jeden einsehbar auf dem Rednerpult ablegen, so dass den Betrachter bei längerer Verfolgung dieser Bundestagsdebatte, bei der es immerhin auch um die Abwehr der Pandemie und ihre Folgen ging, ein äußerst befremdliches Gefühl beschleicht, weil der Blick automatisch auf die auf dem Rednerpult offen gaffenden Masken gezogen wird? Das ist so dermaßen abstoßend, dass ich diesen Satz lieber nicht zu Ende denke. Abgeordnete, die noch nicht einmal den Mindestanstand wahren und ihre Schnodderlappen (vulgo: Masken) in ihren Jacken- oder Hosentaschen verbergen und sich vor den Augen der geneigten Öffentlichkeit ohne Mindestabstand in den Reihen miteinander unterhalten, beweisen spätestens mit dieser unappetitlichen Geste, dass sie weder die alte noch die neue Mathematik beherrschen.

 

Den Viren ist Mathematik indes egal. Da ist es ganz simple: wenn ein Infizierter einem Nicht-Infizierten begenet, ergibt das (ohne geeigneten Schutz und Immunität) gemäß Viren-Mathematik gleich zwei Infizierte. Und wenn ein Infizierter dann 600 Personen begegnet und diese 600 wiederum je 600 … dann ist ein Virus im Schlaraffenland. Das ist nicht das Ergebnis weißer Vorherrschaft, sondern Viren-Logik.

 

An dieser Stelle muss ich leider aufhören. Ich muss los und mir einen neuen Taschenrechner besorgen mit einer zusätzlichen Funktionstaste, die die „weiße Vorherrschaft“ herausrechnet. In meinen Statistik-Büchern aus dem Studium habe ich leider keine geeignete Formeln zur Berechnung dieser Abweichungen gefunden.

 

Haben Sie einen schönen Tag und bleiben Sie heiter!

 

P.S.: Weil die Zahl 600 wirklich schön und interessant ist, gab es natürlich auch 600.000 EUR Schmiergeld, pardon: Beraterhonrar für den Zuschlag zur Beschaffung der Masken.

 


[1] Heil, Christiane, 2 + 2 ≠ 4, FAZ, 02.03.2021, S. 8

 

 

Grün ist die Hoffnung

25. Februar 2021

 

Noch gibt keinerlei Erkenntnis, gesichert durch mittel- und langfristige Studien, in welchem Spektrum und über welche Dauer die im Schnellschuss aus dem Boden gestampften Impfungen tatsächlich wirken und schon gar nicht ist auch nur in ersten Ansätzen belegt, dass Geimpfte nicht nur nicht mehr erkranken, sondern, dass die Viren an ihnen abprallen und sie diese deshalb nicht mehr weitertragen.

 

Wie der amtierende österreichische Bundeskanzler auf die Idee kommt, Geimpfte mit einem neu zu schaffenden europäischen Impfausweis zu versehen, der sie berechtigt, wieder alles zu machen und das auch noch nach dem Vorbild des grünen Impfausweises Israels, das die Bekämpfung der Pandemie mit lupenrein autoritären, totalitären und diktatorischen Maßnahmen der Gesellschaft aufoktroyiert hat, ist nicht nachvollziehbar, aber für zwei Dinge ein sicheres Zeichen:

 

1. Kurz hat nicht wirklich verstanden, worum es bei Pandemien in Demokratien geht!

 

2. Das Ende freiheitlicher Demokratien westlicher Couleur aufbauend auf der Aufklärung ist ganz offensichtlich eingeläutet. Westliche Demokratien haben eine derart massive individuelle, persönliche Entwicklung und Entfaltung für die meisten ihrer Bürger mit sich gebracht, dass diese vor allem von jeder Eigenverantwortung freien Individuen diese Freiheit und Demokratie aus Überdruss heraus zerstören können, weil sich selber anzustrengen, auf die Bedürfnisse anderer zu achten und sie zu respektieren und sich dann auch noch eigenständig mit Fakten auseinanderzusetzen, auch wenn sie nicht dem persönlichen Empfinden entsprechen, offensichtlich eine Zumutung ist. Das ist der Anfang des Endes – wenn nicht ganz schnell noch ein Wunder geschieht.

 

So also auch an Sie die Frage, Herr Kurz:

 

Es gibt Impfprioritäten, nach denen die Alten und Vulnerablen zuerst geimpft werden. Wer sich in dieser Reihenfolge vordrängelt, soll mit einem Bußgeld von 25.000 EUR belegt werden. Wer also die Möglichkeit hat, die ansonsten zu vernichtenden Impfdosen, die niemand haben will, sich selbst oder anderen impfen zu lassen, die noch nicht auf dem Plan, aber willig sind, darf zahlen. Ein schlauer Plan unserer fein aufeinander abgestimmten und austarierenden GroKo. Schließlich ist unser Staatssäckel derart geschröpft, dass da dringend frisches Geld hinein muss. Welch Segen, dass soviele Bürger nicht mit einem bestimmten Serum geimpft werden möchten und Wegschmeißen dieses kostbarsten, unser Überleben sichernden Gutes wohl selbst die Deutschen in revolutionäre Höhen auftreiben würde.

 

Zur Frage: Was, bitte schön, sollen denn die nun geimpften Alten und Vulnerablen machen? Wohin sollen sie gehen mit ihrem die vollendete Freiheit garantierenden grünen Impfausweis? Endlich mal nach Ballermann reisen, weil dort gerade eine wohltuende Ruhe und keine Party ist? Die Anreise könnten sie nicht nur ökologisch 100% korrekt zu Fuß, Fahrrad oder Rollator vornehmen, nein sie müssten, denn: Fliegen oder Reisebus-Touren gehen nicht, weil die anderen ja noch Corona haben oder gefährdet, da nicht geimpft sind. Nun gut, die Geimpften könnten vielleicht noch selbst kochen, wenn das Alter und andere Erkrankungen ihnen das nicht verunmöglich. Das müssten sie denn auch tun, weil Restaurants weiterhin geschlossen sind. Im Zelt übernachten ist vielleicht nicht mehr so ganz ihr Ding, aber anders können sie nicht verreisen, da die Hotels ebenfalls noch geschlossen sind, denn deren Mitarbeiter stehen in der Impfprioritätenliste viel weiter hinten. Statt Museums- und Konzertbesuche könnten sie selbst malen und musizieren, vielleicht auf öffentlichen Plätzen, dann könnten all die anderen noch nicht Geimpften zumindest partiell kulturelle Genüsse und Ergüsse erheischen.

 

Theoretisch könnten Sie das auch selbst erkennen, oder Herr Kurz? Das sind Dinge, auf die kann jeder mit einem gesunden Menschenverstand kommen. Das hat nichts damit zu tun, ob jemand eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat, was bei Ihnen ja nicht der Fall ist. Aber Sie sind nun mit einem Amt betraut, an dem Menschen wachsen könnten, zumindest wenn sie Persönlichkeiten sind.

 

Und by the way: Nur selber denken macht schlau! Selber Denken ist indes etwas gaaaaanz anderes als ungefiltert die Äußerungen anderer oder einem durchs Gehirn schießende Ideen unreflektiert in die Welt zu blasen!

 

Bleiben Sie gesund, Herr Kurz, und lassen Sie uns bitte kurz wissen, wenn Sie geimpft wurden und auch, wie es ihnen danach und damit geht!

 

 

Summ summ summ

05. Februar 2021

 

In ein gar nicht so unbekanntes Land reiste dereinst ein den meisten unbekannter Mann. Wahrscheinlich per Schiffspassage, das Fliegen war noch nicht populär und nahezu unbezahlbar. Waldemar Bonsels war auf der Suche nach einer besseren Welt, denn die Nazis hatten ihren Worten ohne Zögern Taten folgen lassen. Nachdem sie gewählt in Amt und (ohne) Würden kamen und Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichkanzler ernannt wurde – in der fatalen Annahme, die braune Brut durch Einbindung besser kontrollieren zu können [!] – brannten nur vierzehn Wochen später am 10. Mai 1933 bereits die Bücher. Darunter die Autobiographie Waldemar Bonsels‘, in der er positiv über ein jüdisches Mädchen schrieb. So bedeutend Bonsels zu seiner Zeit auch war, wüssten wir heute kaum noch von ihm, wenn nicht eine kleine „Biene Maja“ durch die Welt summte, die er 1912 verfasst und ihn unsterblich gemacht hat. Es ist schon fast verblüffend, dass nicht auch die Biene Maja mit ihrem Drang nach Freiheit und dem Infragestellen des herrschenden Systems auf dem Index gelandet ist. Aber die braune Brut hat sich nicht durch feinsinnige Bildung ausgezeichnet, die auch zwischen den Zeilen zu lesen versteht.

 

Bonsels überquerte also den großen Teich. Zunächst, um auf einer Vortragsreise das gelobte Land Amerika in Augenschein zu nehmen, ob er dort leben könne. Laut Weidermann fand er das Land »abscheulich, technikgläubig und verkommen.«: »“Es gibt kaum etwas, das hier nicht rasch geglaubt und ebenso rasch wieder verworfen würde; es ist schwer, bei den Technikern dieser Kulte zwischen dem Aberglauben einer verbohrten Inbrunst und dem routinierten Geschäftssinn gewissenloser Ausbeuter zu unterscheiden.“« Bonsels kehrte daraufhin nach Deutschland zurück. Offensichtlich war es für ihn erträglicher, unter den Nazis zu leben als in Amerika.

 

Das ist für uns Heutige kaum nachvollziehbar. Gerade Amerika hat vielen Menschen das Überleben und einen Neuanfang ermöglicht. Es kann also nicht alles und jeder schlecht gewesen sein. Das von Bonsels beobachtete und beschriebene Verhalten der Amerikaner, etwas rasch zu glauben, wie zu verwerfen finden wir indes auch heute noch. Trump und die Stürmung des Capitols bleiben einprägsame Beispiele. Mit welcher Leidenschaft die USA andere Länder in Kriege stürtzen, natürlich zum Wohle der Bevölkerung vor Ort, und sich dann, wenn die beschrieenen Erfolge ausbleiben, zurückziehen und Zerstörung und failed states zurücklassen, ist in dieser Form einzigartig und erfordert wohl die vorgenannte Mentalität. Vietnam, Iraq und andere lassen grüßen.

 

Trotz all der Durchgeknallten bleibt Amerika ein interessant zu bereisendes Land und wer das im Moment nicht tun kann, dem sei zur Erheiterung des Gemütes die erneute Lektüre der Biene Maja ans Herz gelegt. Wer sich etwas genauer mit den Auswirkungen politischen und bürgerlichen Handelns befassen möchte, nehme sich „Das Buch der verbrannten Bücher“ von Volker Weidermann vor, der in sehr erhellender und bei aller Dramatik kurzweiligen Schreibe dieses dunkle Kapitel der Geschichte beleuchtet. Dort fand ich heute beim Wiederlesen die Geschichte des 'Vaters' der Biene Maja, die trotz aller Widrigkeiten, Krisen, Kriegen und Konflikten munter weiter durch die Welt summt und Frohsinn versprüht – sogar im arabischen Fernsehen, wie ich kürzlich mit Vergnügen feststellte.

 

Das ist posthume Friedensarbeit par excellence! Diese kleine Biene namens Maya zeigt mit Frohsinn, wie man bei Gegenwind stark bleibt, hinterfragt und immer neugierig auf alles bleibt. Das ist wahre Resilienz, wie sie in den kostspieligsten Seminaren nicht erlernt werden kann. Daran könnten sich – nicht nur – Politiker ein Beispiel nehmen, wie man haltbare Brücken zwischen Menschen, Völkern, Kulturen und Zeiten baut. Beide Bücher seien auch in besonderer Weise dem neuen US-Präsidenten ans Herz gelegt. Vielleicht hat er bei all seinen Aufgaben keine Zeit für gute Lektüre, aber immerhin hat er eine gebildete Frau an seiner Seite. Das allein schon lässt hoffen. Kann sie doch, wie das halt so ist in einer guten Partnerschaft, die Bücher lesen und ihm dann beim Sonntagsfrühstück darüber erzählen. Danke Her Weidermann, dass Sie uns daran erinnert haben!

Was Hamburg von Hong Kong lernen und von Hühnern übernehmen kann:

01. Februar 2021

 

Der Rat der Europäischen Union erbarmte sich 1999 der Legehennen und verbot deren Haltung in konventionellen Käfigen ab 2012[1]. Ihnen stehen nun größere Käfige zu, was gut und richtig ist, Tiere brauchen Platz für das Wohlbefinden.

 

Für Menschen gilt jetzt Gegenteiliges, zumindest in Hamburg-Nord. Der dortige Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz, Mitglied der Grünen, hat den Neubau von Einfamilienhäusern verboten! Jawohl – Sie lesen richtig: Der Bau neuer Einfamilienhäuser ist jetzt im Bezirk Hamburg-Nord verboten, weil Einfamilienhäuser zu viele Ressourcen verbrauchen und auf derselben Fläche viel mehr Leute leben könnten[2], was ökologisch, CO2- und sonst wie sinnvoller ist. So wurde es 2020 im Koalitionsvertrag der Grünen und SPD vereinbart, da die Fläche für Wohnraum immer knapper und teurer wird. Mathematisch und physikalisch stimmt es, dass, bringt man auf hundert Quadratmetern 10 Leute unter, neun Mensch mehr Platz auf derselben Fläche finden, als wenn nur einer dort lebt. Auch wird weniger Heizenergie verbraucht: je mehr Menschen, desto wärmer! Man braucht nur noch einen Telefon- und Internetanschluss, eine Hausratversicherung, Shampoo, Spülmittel und Pasta können in Großgebinden gekauft werden. Vielleicht sollte das Verbot des Neubaus von Einfamilienhäusern ergänzt werden mit einem Erlass, dass je Haus maximal ein Auto für alle zugelassen sein darf. Man darf gespannt sein, wie lange die Konsumgüterindustrie sich das gefallen lässt…

 

Kommunismus, Sozialismus, Totalitarismus, Autokratien oder Kleptokratien haben alle eine schlaue Idee (abhängig von der Seite des Betrachters): Die Abschaffung des Eigentums, der Individualität, Freiheit, Bildung und des Verstandes. Die Umerziehung der Menschen zu funktionierenden Arbeitsobjekten, die, sofern sie Glück haben und gut angepasst sind, immerhin das notwendigste zum Überleben erhalten. Alles andere wird gebraucht, damit die Häuser, Autos, Flugzeuge, Yachten und Wälder der Oligarchen und Herrschenden um so größer sein können. Gesamt gesehen verbrauchen diese doch weniger Fläche, als wenn man dem ordinären Pöbel gestattet, sich Eigenheime mit Garten zu bauen.

 

China wird gerne für seinen blühenden Kapitalismus gerühmt, für den es dort auch nicht das lästige Instrument der Demokratie braucht. Es lohnt also ein Blick in das Land der aufgehenden Sonne. So gibt es in Hong Kong die sogenannten Cage-People. Cage-People sind Menschen, deren Zuhause ein Käfig ist in Häusern mit vielen Räumen, in denen wiederum viele Käfige sind, in denen die Bewohner auf ungefähr zwei Quadratmetern leben, übereinander, nebeneinander, soviele halt eben reinpassen.[3]

 

Möglicherweise haben die Grünen und Sozis in Hamburg davon noch nichts gehört. Aber es könnte ein Modell sein, mehrere Probleme auf einmal zu lösen: zur Gewinnung von Wohnraumfläche könnten die nun für die Legehennen nicht mehr erlaubten, weil zu kleinen, Käfige einer neuen Verwendung zugeführt werden und Langzeitarbeitslose bekämen eine sinnvolle Beschäftigung. Mit dem Ziel der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt machen diese einen Ein-Euro-Job, in dem sie z.B. je zwanzig der nicht mehr gebrauchten Hühnerkäfige neu zusammenschweißen, in denen dann nach chinesischem Vorbild je eine Person, aber gemeinsam mit anderen in einem Raum, wohnen kann. Dafür werden die Ein-Euro-Jobber zuvor mit einen Crash-Kurs in Schweißen beglückt, so haben auch Bildungsträger neue Aufträge und die Kosten der Entsorgung alter Käfige werden gespart. Gibt man dann noch ein wenig Glückshormone ins Trinkwasser, werden die Bürger es phantastisch finden, auf ihrem  rot-grünen Wolkentraum zu schweben.

 

Nun bin ich kein Ökonom und habe auch nur aus Interesse vier Semester Volkswirtschaft studiert, aber mir scheint, man könnte bei der Umsetzung dieses Planes von einer Win-Win-Situation sprechen. Und der Bezirksamtsleiter in Hamburg-Nord, der wohl ein angemessenes Salär haben wird, hat dann, wenn die „nutzlose Masse“, wie Harari sie in Homo Deus nennt[4], ökonomisch und ökologisch effektiv, effizient und ressourcenschonend eingepfercht und beschäftigt ist, genügend freie Fläche für sein eigenes EFH, das ihm natürlich zu steht, weil er ja ein wichtiger Mann ist.

 

Zur Wahrung des sozialen Friedens und zur Gewährleistung von Fairness und Gerechtigkeit gäbe es ein weiteres Instrument zur eigenverantwortlichen Steuerung eines Vorrechtes auf Immobilienbesitz: wieder lernen wir von China und kreditieren das soziale Verhalten der Bürger. Gehen sie bei rot über die Ampel, gibt’s Abzug, ebenso, wenn der Müll nicht richtig entsorgt ist, man seine Steuern nicht pünktlich bezahlt, falsch parkt, kein Fit-Bit nutzt und anderes mehr. Bei Erreichen einer maximalen Punktezahl hat man das Anrecht auf die Option, in ein Auswahlverfahren zu kommen, über das, wenn man Glück hat, man ein Grundstück erwerben und bebauen darf. Dieser Prozess dauert in der Regel jedoch so lange, dass man wahrscheinlich erst am Ende eines Lebensweges zu Wohn-Eigentum kommt, das dann allerdings 1,80 tief und nur noch einen Meter breit ist! Wenn die in beengten Räumlichkeiten zusammengequetschten Trauernden dann die Verblichenen an ihrer letzten Heimstätte besuchen, haben sie immerhin die Möglichkeit, an einem ruhigen, gediegenen, schön begrünten Ort endlich richtig durchzuatmen und bei der Grabpflege ein wenig Erholung zu erfahren und von besseren Zeiten zu träumen.

 

Es ist perfide, dass der Hamburg-Nord-Bezirksamtsleiter auf Facebook den Ohlsdorfer Friedhof liked, während er den Lebenden das Recht auf ein EFH versagt. Liebe Hamburger, versteht mich bitte nicht falsch! Der Ohlsdorfer Friedhof ist ein kulturhistorisches, architektonisches, landschaftliches Kleinod, auf dem ich gerne spazieren gehe, weshalb mir auch der Raum je Grab und Gruft bekannt ist - woran auch niemand rütteln soll. Schließlich garantiert nicht zuletzt unsere Grundgesetz die Würde des Menschen über den Tod hinaus. Es wäre halt nur nützlich für den Fortbestand freier, demokratischer Gesellschaften, wenn gelegentlich auch die Würde des (lebenden) Menschen berücksichtigt wird. Gerne auch NACH den Hühnern und dem nun von FDP gemeinsam mit den Grünen vorgeschlagenen Selbstbestimmungsgesetz, mit dem dann ab dem vollendeten vierzehnten Lebensjahr jeder jährlich neu entscheiden können soll, ob er rechtlich als Mann oder Frau betrachet werden will, wofür unabhängig der biologischen Geschlechtsmerkmale eine Erklärung beim Standesamt reicht[5]

 

Sollte dieser Entwurf dereinst gültiges Recht sein, müsste allerdings noch mal überlegt werden, ob oder wie man ggf. eine Trennung der Käfige nach Geschlechtern organisieren muss und ob sich der Eigentümer der Käfige möglicherweise strafbar macht, wenn die Käfige nicht unisex und die Klos für alle sind. 

 

Wie sagte einst die prominente chinesische Vertreterin für ein demokratisches China Tienchi Martin-Liao zu mir: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“

 

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Schluss mit dem Gegacker.

 

Congratulations Mr President Joe Biden Jr

and Mrs Vice-President Kamala Harris

The U.S Capitol Building is prepared for the inaugural ceremonies for President-elect Joe Biden as American flags are placed in the ground on the National Mall on January 18, 2021 in Washington, DC.

"The U.S Capitol Building is prepared for the inaugural ceremonies for President-elect Joe Biden as American flags are placed in the ground on the National Mall on January 18, 2021 in Washington, DC.  Joe Raedle | Getty Images"  (Source)

Fänchen im Wind

20. Januar 2021

 

Die heutige Inauguration des praktizierenden Katholiken Joseph Robinette "Joe" Biden Jr. zum 46. Präsident der USA wird wohl in besonderer Weise in die Geschichte eingehen. Fähnchen - im Winde flatternd -  stellvertretend für Bürger, die hoffentlich nicht wie Fähnchen im Winde flattern, werden von dem wohl höchsten Sicherheitsaufgebot ever geschützt, wenn sie dem neuen Präsidenten während der Zeremonie zuwehen.

 

Fast prophetisch klingen heute die etwas martialischen Worte während seiner Nominierungsrede von der Schlacht, dem Kampf (battle) um die Seele Amerikas und seine Bitte an Gott, die Armee zu schützen!

 

Die Freude aller, die froh sind, dass dieses widerwärtige, demokratiezersetzende Trumple-Tier endlich aus dem Amt ist, sollte nicht über den wahren Zustand Amerikas und der geistigen und moralischen Verfassung seiner Bürger hinwegtäuschen - und auch nicht über die Geisteshaltung des in wenigen Stunden neuen Präsidenten, der seine Nominierungsrede am 21. August 2020 mit einem Zitat der Bürgerrechtlerin Ella Baker begann: "Gib den Menschen Licht und sie werden ihren Weg finden". Darauf aufbauend verkündete Biden, dass er ein Verbündeter des Lichtes, nicht der Dunkelheit sein werden, wenn man ihm die Präsidentschaft anvertraue. 

 

"Ella Baker, a giant of the civil rights movement, left us with this wisdom: Give people light and they will find a way. Give people light. Those are words for our time. The current president has cloaked America in darkness for much too long. Too much anger. Too much fear. Too much division. Here and now, I give you my word: If you entrust me with the presidency, I will draw on the best of us not the worst. I will be an ally of the light not of the darkness. It's time for us, for We the People, to come together. For make no mistake. United we can, and will, overcome this season of darkness in America. We will choose hope over fear, facts over fiction, fairness over privilege." 

 

Und Biden schloss seine Nominierungsrede mit den Worten: "May God protect our troops." Möge Gott unsere Armeen schützen!!! Bleibt zu hoffen, das dieser herbeigebetete Schutz wirkt und diese von Gott beschützten Truppen heute die Fähnchen im Winde und natürlich auch das Weiße Hause und alle Menschen schützen.

 

Viel Glück und Gottes Segen für ihr großes und schweres Amt, Mister President!

Mars macht mobil...

17. Januar 2021

 

So begann einst ein Werbejingle für einen Schokoriegel. Möchte jemand diesen Schokoriegel kaufen, klingt das schnell wie "ein Maas bitte". Das r ist in der Aussprache durch ein gedehntes a ersetzt. 

 

Der Verzehr eines Schokoriegels -mit ar- treibt die Insulinausschüttung in die Höhe, was kurzfristig die Leistungsfähigkeit steigert (was die Werbung als Mobilisator anpreist), um dann um so stärker abzufallen (wie der Mediziner weiß). 

 

Der derzeitige deutsche Außenminister würde auch gerne mobil machen. Heiko Maas -mit aa- bläst erneut seine Ideen in den politischen Orbit, dass es dem geneigten Bürger ebenfalls die inneren Ausschüttungen in die Höhe treibt.

 

Titelt noch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 03. Januar 2021 "Kein Vorrecht für Geimpfte" und zitiert damit aus einem Gespräch mit dem NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet, fühlt sich Maas mal wieder zu Höherem berufen und will, nach Laschets Kür zum künftigen CDU-Vorsitzenden, den Geimpften Privilegien einräumen, die ihnen jetzt auch wieder zu stünden, wie zum Beispiel die Besuche von Restaurants und Kinos. 

 

Nun gut. Nur weil jemand auch das zweite juristische Staatsexamen abgelegt hat, heisst das weder, dass das automatisch zu einem demokratischen Rechtsverständnis führt und schon gar nicht, das man Gesellschaft und betriebswirtschaftliche Belange versteht.

 

Grundsätzlich ist ja fraglich, warum man mit dem Impfen eines nicht erprobten Impfstoffes ausgerechnet bei den über 80-Jährigen beginnt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt... Moralisch lässt sich das politisch gut präsentieren: seht her, wir kümmern uns um die Vulnerabelsten. Aber wie sinnvoll ist das, wenn man eben nicht die Absicht hat, die Ü-80-Jährigen als Versuchskaninchen zu missbrauchen? Es wäre zum Erhalt der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und des sozialen Friedens wohl zwingend geboten gewesen, zunächst das ganze Krankenhaus-, Pflegeheim-, Arztpraxenpersonal und IT-Experten durchzuimpfen, die Polizei und Feuerwehr und andere Sicherheitskräfte, dann die Verkäufer, Zugbegleiter, Handwerker und Lehrer. Danach hätten alle Schüler geimpft werden müssen, die sich in zu großer Zahl noch am Wenigsten um das richtige Coronaschutz-gerechte Verhalten bemühen. Dadurch wären auch jene erheblich besser geschützt in Krankhäusern und Heimen sind.

 

Herr Maas, möglicherweise ist Ihnen nicht bekannt, dass die Ü-80-Jährigen nicht zu der Klientel gehören, die durch ihr Konsumverhalten Restaurants, Kinos und wer weiß, welche Etablissements Sie noch so im Hinterkopf hatten, am Laufen halten. Und was sollen die frisch-geimpften Ü-80-Jährigen dann in den Restaurants und Kinos machen? Selber kochen, putzen, Filme abspielen und sich das Popkorn selbst zubereiten? Diejenigen, deren Job es ist, die üblichen Aufgaben zum Betrieb eines Restaurants oder Kinos auszuführen, sind nach gegenwärtiger Planung voraussichtlich überwiegend erst im Sommer mit der Impfung an der Reihe.

 

Dass, was Sie, Herr Maas mit diesem blamablen Einwurf erreicht haben, ist, dass der Volkszorn hochkocht, ähnlich wie die Bauchspeicheldrüse nach dem Verzehr eines Ihrem Namen ähnlichen Schokoriegels. 

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Zitat des Tages

"Während meines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten habe ich bemerkt, daß eine demokratische Gesellschaftsordnung wie die der Amerikaner für die Errichtung des Despotismus einzigartige Möglichkeiten bieten könnte; [...] Ich bin überzeugt, daß es leichter ist eine absolute und despotische Regierung in einem Volk zu errichten, in dem die gesellschaftlichen Bedingungen gleich sind, als in einem anderen, und ich glaube, eine derartige Regierung würde - einmal in einem solchen Volk errichtet - die Menschen nicht nur unterdrücken, sondern auf die Dauer jedem einige der wesentlichen Attribute der Menschheit entreißen. Der Despotismus erscheint mir daher in den demokratischen Zeiten als eine besondere Gefahr."

Alexis de Toqueville 1840

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Montag, 13. September 2021 

Zur Bundestagswahl am 26. September 2021

Wahlen im Zeitalter von Fake-News und Katastrophen

Es ist ein alter Hut: Wer erst die Macht errungen, gibt sie freiwillig nicht mehr her, wie noch fast alle Regenten bewiesen haben. Zwar setzten die Mütter und Väter des Grundgesetzes auf Gewalten-hemmung der Staatsmacht und regelten, dass der Bundestag alle vier Jahre neu zu wählen ist. Die Dauer der Amtszeit der Gewählten wurde indes nicht eingegrenzt.

Aus diesem Versäumnis konnte sich der Berufspolitiker entwickeln, der sein Amt nur selten freiwillig räumt. Dabei geht es immer weniger um das Gemeinwohl, die Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse oder Pflichterfüllung, sondern, so darf unterstellt werden, (auch) um den Erhalt des üppigen Salärs, des Gefühls der eigenen Bedeutsamkeit und Macht.

Regierungschefs, die ihr Amt in einer Demokratie 16 Jahre innehaben, dürfen das zwar de jure. De facto ist das allerdings so wenig demokratisch, wie die schrumpfende Wahlbeteiligung, nachlassende Solidarität oder das fehlende Wissen um das Politische.

 

Langsam geht unserer Demokratie die Luft aus und die Ressourcen sind erschöpft. Ein Weiter so in Zeiten erstarkender radikaler, den Rechtsstaat aushöhlender Parteien, immer gewaltbereiterer Demos, maroder Staatsfinanzen und nicht mehr tragfähiger sozialer Sicherungssysteme entwickelt sich zum Bumerang.

Die Liste demokratischer Errungenschaften ist lang, das Schwarzbuch der Steuerzahler auch! Friede, Freiheit, Sicherheit, ein solider Wohlstand kennen keine Ewigkeitsgarantie. 

Kurz vor der Wahl des 20. Bundestages wollen wir uns die gegenwärtige Lage genauer ansehen.

 

19.30 - 21.45 Uhr