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15. Welttag der Philosophie

 

Der damalige marokkanische Kulturminister Mohamed Achaari schlug dem Generalsekretär der UNESCO die Implementierung eines globalen Tages der Philosophie vor, um die Bedeutung der Philosophie wieder sichterbarer zu machen und sie zu stärken. Seit dem finden alljährlich besondere Veranstaltungen mit denen vor allem auch Kinder an die Philosophie herangeführt werden sollen. 

 

Dieses Jahr ist der Fokus dem Thema "Die Bedeutung der Philosophie in Zeiten der Kriese" gewidmet.

 

Eine gute Gelegenheit, auch für sich selbst dieser Frage nach zu gehen, was die Philosophie heutzutage bedeuten kann, bedeuten muss und vor allem, was die Philosophie mir bedeutet. 

 

Ethik ist nicht länger eine Disziplin der Philosophen, Theologen und Universitäten. In den letzten 25 Jahren hat sich die Ethik (zumindest als Begrifflichkeit) überall ausgebreitet. Kein unternehmerisches, politisches und sonstiges Handeln, dass ohne irgendwelche Ethikregeln auskommt. Ethikkommissionen allerorten. In den Schulen wurde das Fach Ethik flächendeckend eingeführt, oft als Ersatz für den Religionsunterricht.

 

Vielleicht gar nicht so verblüffenderweise hat sich das Verhalten der Unternehmer, Politiker und Bürger aber keines Falls verbessert. Man gewinnt den Eindruck, dass je mehr Ethikkommissionen, -regeln und -unterricht Einzug hielten, das Verhalten der Menschen nicht besser, sondern im gleichen Maß schlechter wurde.

  • Warum hat all das nicht zu einem besseren Verhalten geführt?
  • Was bedeutet der Begriff Ethik für Sie?
  • Wie wichtig ist Ihnen Ethik?
  • Brauchen wir ethische Verhaltensstandards?
  • Welche Maßnahmen wären sinnvoll bei Nichteinhaltung der Standards?
  • Wodurch kann sich das Verhalten der Menschen dauerhaft zu mehr ethischem Verhalten verändern? Was muss dafür geschehen?

Darüber möchten wir uns mit Ihnen austauschen am Welttag der Ethik, der am 21. Oktober 2020 bereits zum siebten Mal den Fokus auf die Ethik richtet.

 

Die Teilnahme an der Veranstaltung am Samstag, den 24. Oktober 2020 um 15.00 Uhr ist kostenfrei!

 

Den Link zur Session erhalten Sie nach Registrierung und darf gerne geteilt werden.

 

Happy Global Ethics Day 2020!

Ethics is no longer a disciplin for philosophers, theologians or universities. At least the word Ethics spreaded in the last 25 years. No corporate, political or social action without ethic rules and commissions.

So it is astonishing that the people's behavior (obviously) worsened since then. Democracies and freedom are falling apart, no lasting peace, no justice, no access for everyone.

  • How do you understand ethics?
  • How important is ethics for you?
  • Do the humankind need ethical standards?
  • In case yes, how can the compliance be enabled?
  • How can we come to a lasting and working ethical behavior? What conditions would be needed?

Let's talk together about it on Wednesday, 21 October 2020 at 8.30 p.m. CEST.

The link and code you'll get after registration below.

Happy Global Ethics Day 2020! 

Take action: Umfrage zur US-Präsidentschaftswahl

30. September 2020

 

Die 59. Präsidentschaftswahl am 03. November 2020 verspricht spannend und wohl die schmutzigste demokratische Wahl überhaupt zu werden.

 

Nach dem ersten TV-Duell am 29.09.2020 zwischen Biden und Trump bezeichnete der US-Korrespondent des Deutschlandfunks Thilo Kößler das Duell als eine "furchterregende Debatte". Trump hat mal wieder seine vollständige geiste Beschränktheit, Bösheit, Dummheit und Egozentrik zu Markte getragen. Die Vorstellung, dass irgend jemand ernsthaft darüber nachdenkt, diesen Mann zu wählen, verknotet einem das Gehirn und man kann sich schon heute vorstellen, zu welchen Auswüchsen es führt, wenn Biden gewinnt. Dann wird die Demokratie im "Mutterland der Demokratie" zu Grabe getragen.

 

Am Vorabend der Wahl wird es dazu im Forum Politik in gewohnter Weise einen Vortrag mit Aussprache geben. Zuvor interessieren wir uns für Ihre Meinung und haben einige Fragen vorbereitet. 

Die Umfrage ist anonym. Persönliche Daten werden in keiner Weise erhoben. Sie werden mit Anklicken des Links auf die Internetseite des Umfrageanbieters SurveyMonkey weitergeleitet. Bitte beachten Sie dort die Datenschutz- und Cockie-Regeln, auf die wir keinerlei Einfluss haben.

Corona wird's richten!?

02. Oktober 2020

 

Der vormalige Corona-Leugner hat einen Befund: Er ist positiv – nicht in seiner Geisteshaltung und Gemüt. Aber ein Labortest ergab laut eigenem Tweet bei ihm und seiner Frau einen positiven Covid-19-Befund.

 

Das zwitscherte zwar über seinen Account, aber wer weiß das schon so genau. Vielleicht haben böse Mächte sein Twitter-Konto übernommen und verbreiten diese Nachricht, um ihm zu schaden?

 

Er könnte auch von seinem Gegner in der Wahl um das höchste amerikanische Staatsamt infiziert worden sein, damit er die Wahl verliert?

 

Sollte Trump in vier Wochen die Wahl nicht gewinnen, seine erbärmlichen, abstoßenden Versuche, die Briefwahl als im höchsten Maße unzuverlässig zu deklarieren und dementsprechend zu erwartenden Klagen vor dem Supreme Court abgewiesen werden, obgleich er diesen jüngst nach seinem Gusto besetzt hat, dann, ja dann ist klar, warum er verloren hat: es war Corona! Die ihm in vernichtender Absicht zugeführten Covid-19-Viren hinderten ihn daran, sein ach so „great“ Potential voll auszuschöpfen.

 

Wahrlich, ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, auch einem Donald Trump nicht, aber sollte sein unsägliches Mundwerk dadurch mal ein wenig ausgebremst werden, hätte die Welt endlich eine Atempause. Die erste Wahlkampfdebatte war so erschütternd unwürdig, dass man nur hoffen kann, dass dieses kleine Virus etwas schafft, das all seine Berater nicht vermochten: dass er Joe Bidens Rat endlich folgt – und die Klappe hält, zumindest für eine Weile.

 

Und die unsäglichen Tweets, wie er erfolgreich als größter Held nicht nur unserer, sondern aller Zeiten überhaupt, dieses tödliche Virus erfolgreich bekämpft hat, kennt man schon, bevor er sie überhaupt getwittert hat.

 

Auch das sind wieder nur Gedankenspiele, die als Übung das Hirn elastisch und den Verstand wachhalten. In diesem und im wahrsten Sinne gute Besserung nach Amerika!

What and how even a president can and has to learn

 

A letter to Donald Trump in response to your dreadful statement to the UN-General Assembly on 22 September 2020

 

To Donald Trump:

 

Sir, you have to forgive me that I do not use a title or any form of address. But, I have to confess that it is impossible for me to address you. Of course, there is no reasonable chance that you will ever read my note. Not because I am not that important, but it is well known that you do not read. 

 

Ever since you are in charge as head of state of America, I was asked from time to time to give a speech about your presidency. But so far I have refused to do so. I never meant to waste a single second with you either. Currently I prepare a lecture about the next US-election in November 2020. Initially, I planned to talk about the American political system, the global impact, the disastrous situation of unemployment, missing of a working public health insurance, rotten infrastructure, the excess indebtedness of $ 22 trillion, and the trace of havoc you left. 

 

But then, unfortunately, after all it was no longer avoidable to be occupied with you. And now it is worthy and the right thing to do. Not because of you! It is my duty to do the more I learned about your dishonourable, embarrassing behaviour. I read reports and books of former staffs of yours and analyses of scientists, in total about 2000 pages plus articles in newspapers and magazines while and about the period of your presidency. It was disgusting to read all your ugly, nasty, devastating actions and decisions. So horrible! Incredible! Unthinkable!

 

I know, you do not understand history, and you are free from any interest in it. Nevertheless, I tell you: once upon a time…. in 1983… there was a German MP who was at first a taxi driver and later became foreign minister. When he was a young MP he said to the president of the German parliament: “Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch” – “With all due respect, Mr. President, you are an asshole”. Even at those days it was whether polite nor common to name any president in public coram publicum like that, and so it is even today. But once in a lifetime one has to say the unsayable: He could have meant you! Unfortunately, my upbringing taught me to behave better. But at the end, I am sure that you wouldn’t mind at all. No, better: certainly you would understand it right if someone would call you an “a..h..e”. It was eventually you yourself who brought back the ungentlemanly, offending tone to the stage. 

 

Nevertheless: with my Christian upbringing I learned to do good to everybody and not to pay it back in the same way. So, I want to try it with an advice: All of us know that you love to watch TV and each of us learn on its own way until one finds his teacher. Perhaps you should watch the lovely film Paddington Bear. [You should choose the edition with the fabulous Hugh Bonneville, who is funnily even born in London district Paddington!] There you could learn from Paddington’s aunt Lucy: “Be gentle and polite and your day will be alright."

 

Even it was not possible for me to address you in a polite way at the beginning, at least at the end it brings me to a good wish to you, Mr Trump: I wish to you the pleasure of watching the film Paddington Bear, and - en passant - to learn from him and his aunt Lucy.

 

Maybe then your words will come true and the world is going to become more peaceful and better. And then not just your day will be alright. That is my wish to you - and to the world.

 

Yours sincerly 

 

22nd September 2020

Vom Rinder-/Wahnsinn und anderen armen Schweinen

29. September 2020

 

Mit der Corona-Pandemie brechen an vielen Stellen Schwachpunkte unserer Gesellschaft auf. So kamen in einer Großschlachterei miserable, menschenverachtende Arbeitsbedingungen ans Licht. Einen des Denkens fähigen Bürger überrascht das nicht. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zieht gegen diese Zustände nun ins Feld, indem er den Werkverträgen in der verarbeitenden Fleischindustrie den Garaus macht. Das ist begrüßenswert. Aber ob das dauerhaft zu besseren Bedingungen für Mensch und Tier führt?

 

Das Wohl und Weh beider interessiert entgegen besseren Wissens nur Wenige und schon bei Kohelet heißt es: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Deshalb bleibt anzunehmen, dass es auch in diesem Falle wieder so sein wird wie immer: ist das Thema dem öffentlichen Fokus entschwunden, werden die üblen Machenschaften der Fleischindustrie mit anderen dubiosen Konstrukten weitergehen. Sie könnten den wahrhaft unverschämten Zwang einer Regierung zum Arbeitsvertrag plus Mindestlohn aushebeln, in dem die Mitarbeiter, wie in dem ebenso pervertierten Reinigungsgewerbe Miete für die von ihnen genutzten Putzgeräte zahlen müssen. 

 

Da für gewöhnlich Arbeitnehmer in dieser prekären, perfiden Jobindustrie keine Steuererklärung machen, können sie diese Materialnutzungsausgaben auch nicht über die Steuer absetzen und umgekehrt werden die Finanzbeamte nicht darauf aufmerksam, dass hier möglicherweise ein signifikantes Missverhältnis entstanden ist.

 

Wirklich wirksam zur dauerhaften Abschaffung dieser unfassbaren Zustände ist nur das Konsumverhalten aufgeklärter, achtsamer und wachsamer Verbraucher, mit dem sie der Industrie wie der Politik in die Feder diktieren, was wirklich gewollt und gebraucht wird. Und da haben wir es wieder: es dreht sich immer um Bildung. 

 

Spätestens 1996 wurden wir alle auf die Problematik aufmerksam, dass es sich bei der Aufzucht und Haltung von zum Verzehr gedachter Tiere nur noch um einen in der Fabrik produzierten Artikel und nicht länger um lebende Geschöpfe handelt. In Deutschland hieß das Problem schlicht BSE. Im Englischen hieß die bovine, spongiforme Enzephalitis (BSE)  plastischer mad cow disease – verrückte Kuhkrankheit. In der Folge verzichteten viele Verbraucher auf den Verzehr von Fleisch, zumindest dem industriell hergestellten und Bio-Bauern erlebten ihren ersten großen Boom.

 

24 Jahre später soll nun ein Gesetz die unsäglichen Werkverträge in der Fleischindustrie unterbinden, über die Arbeiter unter üblen Bedingungen als Solo-Selbständige knechten. Künftig sollen sie Anspruch auf einen regulären Arbeitsvertrag haben, mit monatlich bezahlter Kranken- und Rentenversicherung, bezahlter Urlaubszeit, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Kurzarbeit. Weiterbildung, Zusatzqualifikationen, Corona-Tests, Anspruch auf VWL und andere Zusatzleistungen - alles möglich mit einem festen Arbeitstrag. Und kein Angestellter muss die Aufträge für seine Arbeit selbst akquirieren. Das heißt zum Beispiel im Falle des Mitarbeiters einer Fleischfabrik, dass er nur schlachten, nicht aber die zu schlachtenden Tier erst produzieren und zur Schlachtreife aufziehen muss.

 

In Sonntagsreden verkündet jeder, dass möglichst wenig Menschen in schlechten Arbeitsverhältnissen ihr Dasein fristen sollen. Dafür sei Bildung die Voraussetzung, unsere letzte Ressource, von der unsere Zukunft für das Individuum wie die Gesellschaft abhänge. Dem kann man nur uneingeschränkt zustimmen.

 

Deshalb ist es verblüffend, geradezu perfide, dass im Bereich der Bildung ein Großteil der Unterrichtenden zu derart prekären Konditionen arbeiten müssen, neben denen die Mitarbeiter der Fleischindustrie vergleichsweise noble Bedingungen haben. Nein, es geht nicht um die bedauernswerten Lehrer, die wahrscheinlich schon im ersten Semester einen Leistungsnachweis erbringen müssen, wie man am hörbarsten über unzumutbare Arbeitsbelastungen stöhnt. 

 

Gemeint sind die ungezählten Dozenten, die an Akademien, Instituten, Universitäten und sonst wo für Honorarsätze arbeiten (müssen), neben denen die Löhne in der Fleischindustrie üppig sind. Das klingt verblüffend, ich weiß, unglaubwürdig auf den ersten Blick. Aber tatsächlich erhalten viele, die mit ihrer Arbeit und Expertise andere befähigen sollen, den prekären Lebensbedingungen zu entkommen, Honorare zwischen 10,00 und 22,00 EUR/h. Wer darüber liegt, hat schon fast den Jackpot. Aber das ist es nicht allein!

 

Dozenten-Honorare sind Brutto-Brutto-Brutto-Einnahmen. Das heißt:

1. kein Arbeitgeberanteil zur Kranken- und Rentenversicherung

2. keine Lohnfortzahlung im Falle von Krankheit 

3. fällt der Unterricht aus, wird kein Honorar gezahlt, egal wie viel Vorbereitungszeit und Ausgaben für Vorbereitungsmaterial bereits geleistet wurde - und Fachliteratur ist teuer!

4. wird ein Institut wie bei Corona oder aus anderen Gründen geschlossen, gibt es kein Geld - auch kein Kurzarbeitergeld. Aber Jobcenter soll gar nicht so schlecht sein - behaupten jene mit den gutdotierten, kündigungsresistenten Festanstellungsverträgen

5. Unterrichtsvorbereitung wird nicht vergütet, sondern ist im Honorar inkludiert

6. keine Lohnfortzahlung im Urlaub oder an Feiertagen

7. kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld, keinerlei Gratifikation, es wird auch nicht zum Geburtstag gratuliert

9. Bekommen angestellte Mitarbeiter bspw. bei kooperierenden Autohäusern einen Rabatt, gilt das nicht für "die Freien", wie sie despektierlich von den Festangestellten genannt werden

10. keine bezahlte, zur Verfügung gestellte Infrastruktur. Angestellte haben einen mit allem für die Arbeit Erforderlichen ausgestatteten Arbeitsplatz, für dessen Nutzung sie nicht zahlen. Schreibtisch, Schreibtischstuhl, mit Anspruch auf Ergonomie, Computer samt Software, Drucker, Telefonanlage, EDV-Abteilung und Haustechnik, die installiert, repariert oder austauscht, Druckerpapier, Stifte, Aktenordner, Briefumschläge, Porti - alles bezahlt. Genauso wie alle anderen für die Durchführung der Arbeit notwendigen Materialen und Mittel.

 

All das bekommen (freie) Dozenten nicht. Sie müssen ihren Schreibtisch samt Stuhl und der kompletten technischen Ausstattung von ihrem beschämend niedrigen Honorar bezahlen, ebenso wie Strom und Heizkosten. Aktuelle Fachliteratur ist für Dozenten ein wichtiger Teil der Arbeitsvorbereitung, dessen Finanzierung indes kaum möglich ist und den Rest gibt einem das Finanzamt mit unsäglichen Debatten über den Nachweis, dass die erworbenen Güter auch tatsächlich für die Ausführung der Arbeit genutzt werden. Und nebenbei werden die nächsten Aufträge akquiriert, die immer häufiger nur noch unter der Bedingung vergeben werden, ein noch niedrigeres Honorar zu akzeptieren. Eine Honorarerhöhung im Verhältnis zur Lohn- und Kostensteigerung hat wohl noch kaum ein Dozent erhalten.

 

Da mag der geneigte Leser sich denken, dass die Vorbenannten doch angestellt arbeiten sollten und es selbst schuld sind, wenn sie die vermeintliche Freiheit vorziehen. Das ist ein böswilliger Irrtum. Lehrkräfte werden immer seltener angestellt. Es geht ja auch so, nur halt viel billiger für den Arbeitgeber! All das hat sich um ein Vielfaches verschärft, seit Bildungs-Institute die Sorge haben, dass jene, mit denen sie länger zusammenarbeiten Ansprüche auf eine Festanstellung erheben könnten. Auch deswegen hat kaum ein Dozent eine Auftragslage, die einer Vollzeitstelle entspräche.

 

Lassen Sie uns einen optimalen Fall durchexerzieren:

 

Ein Dozent hat das (unwahrscheinliche) Glück, jeden Tag 8 Stunden unterrichten zu können. Also 160 Stunden im Monat. Wir wollen ein wenig übertreiben und ein großzügiges Honorar von 20,- EUR zugrunde legen. 160 x 20 = 3.200, die in diesem (unwahrscheinlichen) Fall in Euro auf dem Konto unseres Dozenten laden würden.

 

Davon, weil wir ja positiv drauf schauen wollen, ziehen wir nur Mindestbeiträge ab: 20% für die Steuern = 640,00 EUR, 14 % gesetzliche Krankenversicherung 448,00 EUR. Jene, die ihr Wissen verkaufen, sind rentenversicherungspflichtig. Also sind 579,39 EUR für den Regelbeitrag fällig. Summa summarum 3200,00 - 640,00 - 448,00 - 579,39 = 1532,61 EUR. Davon müssen Bürokosten, Telefon, Internet, Computer, Papier, Arbeitsmittel, Fachliteratur, Fahrtkosten, Berufshaftpflicht-, Unfall- und gesetzliche Pflegepflichtversicherung und vieles ander mehr gezahlt werden. Da wir das Beispiel eines besonders Glücklichen rechnen, unterstellen wir dafür (nicht ausreichende) 500,- EUR im Monat.

 

Ist derComputer kaputt, beginnen gravierende Probleme. Gemeint ist nicht der private Computer für vergnügliche Momente, sondern das notwendiges Arbeitsgerät, wie es jeder Angestellten kostenfrei an seinem Arbeitsplatz zur Verfügung hat. Von den Honoraren ist Rücklagenbildung ausgeschlossen und eine Finanzierung ebenso. Als Honorarbezieher, auch mit guten Honoraren, gelten Sie als nicht liquide. Es könnten schhon morgen keine Aufträge mehr kommen und der nächste Schritt wären die Bezüge  über das Jobcenters, wovon eine Tilgung nicht zu leisten ist. Dass das für jeden Arbeitnehmer, außer die Beamte, genau so gilt, ist irrelevant - die Banken würden andernfalls einen erheblichen Teil ihres Geschäftes verlieren. Immerhin haben Angestellte bei Arbeitsplatzverlust noch 12 bis 18 Monate Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.

 

Zurück zu unserem Glückspilz, dem vom Umsatz nach Abzug der Kosten noch 1000 EUR bleiben, mit denen Miete, Lebensmittel und Klopapier zu bezahlen sind. Wer da keine Partner, ein Erbe oder sonstiges Vermögen zur Existenzsicherung hat, hat weniger Geld als jeder Schlachthofmitarbeiter und ist unterhalb der Armutsgrenzen. Zusätzlich müssen von den 1000 EUR Gewinn Rücklagen gebildet werden für honorarfreie Zeiten wie Urlaubs- oder Feiertage. Das bei diesem üppigen Salär nicht verreist wird, versteht sich. Sollte ein Fahrrad vorhanden sein, darf dieses aber keinen neuen Reifen brauchen, sonst gibt es keine Radtour - so einfach ist das. Spazieren gehen ist gesund und läuft man im Idealfall barfuß, spart das das Geld für Schuhe und Schuster. Und viele große Gedanken kamen beim Spazieren... Die braucht man auch, da der zu leistende Unterricht vorbereitet werden muss. An der Uni bekommt man immerhin je Semesterwochenstunde noch je eine Stunde Vor- und Nachbereitung vergütet. Ausseruniversitär wird das nicht bezahlt, resp. ist im Honorar inkludiert. Warum auch sollte es dafür Geld geben? Es ist doch eine großartige Beschäftigung für jemanden, der ohnehin kein Geld hat, in seiner arbeitsfreien Zeit etwas zu unternehmen, das mit Kosten verbunden sind... 

 

Das deutsche Bildungssystem folgt schon lange nicht mehr dem humboldtschen Bildungsideal, sondern hat sich zu einem knallharten Business entwickelt. Immer mehr Ausbildungsbereiche werden von betriebseigenen Ausbildungsgängen mit gut bezahlten Lehrkräften an Akademien ausgelagert. Wenn Sie beispielsweise Lokführer oder Zugbegleiter bei einem privaten Verkehrsunternehmen werden möchten, ist Arbeitslosigkeit Einstellungsbedingung, weil Sie einen Bildungsgutschein (20.000 EUR bei Lokführern) benötigen, den sie nur vom Arbeitsamt oder Jobcenter erhalten, um die entsprechende Qualifizierung zu erwerben, natürlich an einer Akademie. Sämtliche Bildungsmaßnahmen müssen ausgeschrieben werden. Aber Kommune, Land, Bund oder EU entscheiden nicht nach Qualität der Lehre, sondern nach Prokopfpreis je Teilnehmer. Also erhält der Billigste den Zuschlag.

 

In der deutschen Sprache gibt es aus gutem Grund den Unterschied zwischen den Begriffen preiswert und billig. Preiswert ist etwas dann, wenn es seinen Preis wert ist und das kann durchaus bedeuten, dass etwas teurer ist, als der billigste Anbieter vorgaukelt. Einen billigen, statt einen preiswerten Bildungsträger zu wählen ist am Ende für die gesamte Gesellschaft erheblich teurer. Nicht gut gebildete Bürger haben in der Regel weniger qualifizierte Jobs, bleiben weiter oder immer wieder von Sozialleistungen abhängig und nehmen schlechtere Arbeitsverträge hin.

 

Hier schließt sich der Kreis. Wenn die mit der Bildung Beauftragten weniger verdienen als Mitarbeiter eines Schlachtbetriebes, ohne deren Absicherung, dafür mit permanentem Existenzrisiko, solange also (hochqualifizierte!) Dozenten weiterhin Werkverträge erhalten, während am Schlachthof, wenngleich auf niedrigem Niveau, zumindest die Existenz gesichert ist, wird die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriften. Zur Zeit wird des dreißigjährigen Mauerfalls gedacht. Da zwingt sich der Vergleich mit dem früheren Ostblock auf, in dem die verpönte Intelligenzia der Universitäts- und andere Dozenten und Lehrer weniger verdiente als ein Taxifahrer.

 

Marode, kleptokratische und totalitäre System der Selbstbereicherung meiden echte Bildung wie der Teufel das Weihwasser. Möglicherweise hat die BSE in den 90er Jahren nicht nur die Hirne der Rinder in den Wahnsinn getrieben, sondern viel mehr menschliche Gehirne angenagt, als man bisher weiß. Wer weiß das schon so genau... Es wäre eine logische Erklärung für die gegenwärtigen Absurditäten. Mit einem gesunden, gebildeten menschlichen Verstand wäre der aktuelle Wahnsinn wohl eher nicht möglich!

 

Nun ja: solange jemand, der nachdenken kann noch nachdenken darf und das in aller Öffentlichkeit, ist er weder krank noch das System kaputt oder die Freiheit perdu! Aber genau darauf wird es hinauslaufen, wenn wir nicht zügig Kants Aufforderung folgen: SAPERE AUDE!

Wiedervereinigung und Deutsche Einheit?

Gedanken zum 30. Jahrestag

03. Oktober 2020

 

Nun zelebrieren wir schon zum 30. Mal die deutsch-deutsche „Wiedervereinigung“. Dumm nur, dass es keine Wiedervereinigung gibt. Sie hat sich im Sprachduktus eingebürgert und das ist durchaus gewollt und richtig. Wären BRD und DDR 1990 tatsächlich wiedervereinigt worden, hätte sich eine gemeinsame Bundesrepublik Deutschland wohl anders entwickelt. Eine „Wiedervereinigung“ im juristischen Sinne schien den damaligen Akteuren zu riskant.

 

Die Mütter und Väter des Grundgesetzes hatten 1949 dort im letzten Artikel 146 dem deutschen Volk in die Agenda geschrieben: „Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ Die Bezeichnung der deutschen Verfassung als Grundgesetz und die Begrenzung seiner Geltungsdauer bis zu einer freien Abstimmung vom deutschen Volke, sollte seine Vorläufigkeit und die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung betonen. 

 

Bei einer gemeinsamen Abstimmung über das Grundgesetz wäre zu Vieles in Frage gestellt und nicht widerspruchslos akzeptiert worden – in Ost wie West! So behalf man sich mit dem ebenso simplen wie legitimem Vehikel: Die vormalige DDR ist der BRD beigetreten. Damit wurden sämtliche Rechte, Pflichten und Regelwerke übernommen – ohne darüber abzustimmen. Wer als neues Mitglied einem Club beitritt, kann auch nicht vorher die Statuten ändern. So wurde in dem nun noch immer so heißenden Grundgesetzt der noch immer letzten Artikel 146 um die Passage ergänzt: "Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Geltung an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist." 

 

Die vorgesehene Abstimmung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Und da nicht allzu viele Bürger das Grundgesetz lesen und die hinter knappen Sätzen liegenden Bedeutungen in ihrer Komplexität durchdringen, war das Risiko gering, dass eine gesamtdeutsche Bevölkerung auf ihre grundgesetzlich verankerte Option pochen würde, über das Grundgesetz gemeinsam abzustimmen. 

 

Seit seinem ersten Zusammenschluss 1871 wurde Deutschland nicht richtig einig Volk und Vaterland. Formal wurde mit der Gründung des ersten deutschen Kaiserreiches die deutsche Kleinstaaterei abgeschafft, aber bis heute hat sich kein übergreifendes nationales Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Zu tief steckt uns im Blut, dass das „deutsch-nationale“ mit Terror, Unfreiheit und Niedergang verbunden ist. Vaterlandsliebe (wie soll man das nur genderneutral umformulieren?) bleibt verpönt. Das gegenwärtige Erstarken der Reichsbürger und das Pochen der AfD auf das Deutsch-nationale, vertreiben jedes wohlverstandene Nationalgefühl, wie es anderen Völker selbstverständlich ist. 

 

Franzosen sind zuerst Franzosen, ob aus den Ardennen oder dem Languedoc. In Deutschland ist ein Hesse eine Hesse und ein Norddeutscher ein Norddeutscher. Wenn Sie als Nicht-Bayer auf Auslandsreise gehen und ein typisch deutsches Gastgeschenk mitbringen möchten, haben Sie ein Dilemma. Ein Italiener bringt Pasta und Wein, ein Brite eine winkende Queen oder den Union Jack als Sofakissen, aber als Deutsche? Mit der Fußball-WM 2006 schmückten die Deutschen in ganz Deutschland erstmals Autos, Häuser oder Gesichter mit der deutschen Flagge. Aber das währte nur kurz. Mir ist auch kein im Ausland lebender Deutscher bekannt, der die deutsche Flagge an seinem Haus montiert hat, wohl aber die hamburgische oder bayrische! 

 

Die mantra-mäßige Wiederholung des Wortes Wiedervereinigung hat nicht dazu geführt, dass sich die Bürger als eine Gemeinschaft wahrnehmen, in der nicht jeder pausenlos seine Rechte deklamiert, die Pflichten hingegen vergißt und die Fehlverhalten anderer anprangert, wo sich der eine neben dem anderen nicht als Bürger zweiter Klasse vorkommt, wozu selbst die Bundeskanzlerin sich genötigt sah, das noch einmal zu artikulieren. Wenn jemand aus einer belebten Metropole innerhalb eines Bundeslandes in eine ländliche Region umzieht, bleibt man auch dort bei allem Engagement lange nichtdazugehörig. Ein richtiges Zusammenwachsen dauert. Selbst innerhalb der Familie wird mit der Heirat nicht jeder in der Schwieger-Familie ein richtiges Familienmitglied, sondern bleibt der/die Eingeheiratete. 

 

Es wäre gut innezuhalten und die Ideen, Grundstrukturen und die freiheitliche Grundordnung Deutschlands neu zu durchdenken und dann mit Leben zu füllen. Dass zwei so gegensätzlich entwickelte Länder, davon eines ein marodes Milliardengrab mit Bürgern, die vierzig Jahre lang von einem totalitären System der Unfreiheit unterjocht wurden, wieder eine Nation sind, ist eine einzigartige Leistung. Dass die vormals unterdrückten, überwachten, misshandelten DDR-Bürger heute in Frieden und Freiheit leben mit vollen Supermärkten und freier Meinungsäußerung und alles studieren und beruflich werden können, ohne strammes Parteimitglied zu sein, hat indes nur noch für wenige eine bewusste Bedeutung. Schon bald nach dem Mauerfall begannen Klagen, dass man weniger habe und verdiene als die Wessis. War die Freiheit erst einmal da, dreht es sich im weiteren Verlauf nur noch ums Geld. Man stelle sich vor, ein Ruhrgebietler würde permanent reklamieren, dass die Münchner so viel mehr haben. Das war und ist nicht die Geisteshaltung, die Bürger zu einer Gesellschaft, zu einer Nation zusammenschmiedet.

 

Damit kommen wir noch einmal zum Grundgesetz: Eine vom ARD beauftragte Studie zeigt, dass die Hälfte der Ost-Deutschen mit der Demokratie, wie wir sie haben unzufrieden sind. M.E. ist das auch ein Beleg, dass eben (gesamt-)deutsch die Bildung wie vorbenannt zu unserem politischen System völlig fehlt. Nimmt man dazu die großen Herausforderungen in Deutschland, Europa und global und die gegenwärtigen Gemüts- und andere Zuständen, sollte der Art. 146 bis auf weiteres nicht zur Anwendung kommen. Wohin das führen könnte, wenn in Zeiten von Fake News, AfD und Reichbürgern, Corona, hoher Sockelarbeitslosigkeit, zunehmender Verarmung und großen globalen Unsicherheiten, eine ungesunde Gemengelage über eine gemeinsame Verfassung abstimmen soll, möchte man sich nicht ausmalen…

 

Nun also: herzlichen Glückwunsch, liebes Gesamt-Deutschland, zu dieser beeindruckenden historischen Leistung. Bleiben Sie heiter beim friedlichen Zusammenwachsen. Mit und wegen aller Herausforderungen haben wir doch ein großartiges Land mit faszinierenden Menschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur 75. Generalversammlung der Vereinten Nationen

 

Die US-Botschafterin bei den UN, Kelly Craft, kündigt Trumps Rede tatsächlich mit den Worten an, dass die Welt eine bessere, friedvollere geworden ist, seit Trump Präsident ist...

 

... sehen Sie selbt die perdifeste Selbstdarstellung eines demokratischen Präsidenten aller Zeiten.

 

Quelle Photo: UN emblem and podium in the General Assembly Hall. UN Photo/Cia Pak

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"Nur der Frieden lastet nicht auf der Erde" 

(Dag Hammarskjöld, 2. UN-Generalsekretär)

Gedanken zum Internationalen Friedenstag am 21. September 2020

Die arabische Sprache mag ich wegen ihrer Klangmelodie und der Schönheit des Schriftbildes. Besonders gefällt mir, dass die Grußformel meist "salam" lautet. Salam bedeutet Frieden. In keiner anderen (mir bekannten) Sprache wünscht man sich der Art den Frieden. In der katholischen Kirche gibt es während der Messe noch den Friedensgruß, im alltäglichen Sprachgebrauch wünscht man sich hingegen nicht mehr verbal den Frieden. Und auch wenn in einigen arabischsprachigen Ländern derzeit der Frieden ferner ist, so bleibt er doch im Sprachgebrauch.

Vor nunmehr 39 Jahren erklärte die UN-Vollversammlung mit einer Resolution den dritten Dienstag im September zum Internationalen Friedenstag, um in besonderer Weise den Frieden zwischen den Nationen und Völkern zu erinnern und zu stärken. In 2001 wurde der Weltfriedenstag auf den 21. September verlegt. 

Schon in der Präambel der 1945 verabschiedeten Charta der Vereinten Nationen verkündeten die Vertreter der Völker, dass sie künftige Geschlechter von der Geißel des Krieges bewahren, für diesen Zwecke Duldsamkeit üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander leben wollen. Dafür wollten sie ihre Kräfte vereinen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu bewahren.

Davon scheinen wir gegenwärtig weiter weg, als im Jahr der Proklamierung des Weltfriedenstages, als im Oktober 1981 gut 300.000 Menschen für Frieden und Abrüstung im Bonner Hofgarten demonstrierten. Es ist beschämend vielsagend, dass am heutigen Weltfriedenstag weder die FAZ noch die Süddeutsche als die wichtigsten deutschsprachigen überregionalen Tageszeitungen dieses Ereignis des Welttags des Friedens nicht mit einer Silbe erwähnen! Ist der Friede so unbedeutend geworden, dass er keine Zeile mehr wert ist? Oder gehört der Friede bereits ins Reich der Mythen und Legenden und ist also für seriöse Blätter kein Thema? Ich möchte wirklich verstehen, warum die Herausgeber den Welttag des Friedens nicht auf dem Radar haben! Auch Die Zeit hat keine kleine Spalte für die Erinnerung an den Frieden...

Wenn der Friede mit Wahrheit und Gerechtigkeit verbunden ist, wie der Philosoph Wilhelm Vossenkuhl schreibt, dann haben wir (gegenwärtig) keinen Frieden - eben weil Wahrheit wie Gerechtigkeit auf dem Altar der Profilneurosen und verfehlter Politiken dem Profit und der schnellen, Aufmerksamkeit heischenden Schlagzeile geopfert wurde. Und wie soll wer in Zeiten von Fake News und von Algorithmen erstellen Nachrichten die Wahrheit überhaupt noch erkennen, wo Bildung längst durch Infotainment ersetzt wurde?

Dementsprechend fordern auch immer weniger Bürger den Frieden. Vielleicht ist er auch zu selbstverständlich? Und warum sollten Politiker ihn dann fördern? Wie auch - wenn die fünf ständigen UN-Sicherheitsratsmitglieder Rüstungsexportweltmeister sind? Hieß es in den 1980er-Jahren noch "Frieden schaffen ohne Waffen", hat sich das längst verkehrt. Heute werden Rüstungsgüter in unvorstellbaren Mengen und für Billionenbeträge verkauft - natürlich nur zur Friedenssicherung. Das versteht sich! 

In seinem philosophischen Entwurf  „Zum ewigen Frieden" fordert Kant im Geheimen Artikel zum ewigen Frieden: "Die Maximen der Philosophen über die Bedingungen der Möglichkeit des öffentlichen Friedens sollen von den zum Kriege gerüsteten Staaten zu Rate gezogen werden." 225 Jahre später gehören Philosophen eher nicht zu jenen, deren Rat gefragt oder gar angenommen würde.  Nicht nur, weil sie im Getöse der pausenlosen Nachrichtenflut überhört würden. Sie äußern sich durchaus zu Themen von Umwelt, Gender- und anderen Fragen der Gegenwart. Auch diese Themen tragen zum Frieden bei, natürlich. Aber zum Thema Frieden selbst müssten sie sich von sich aus wieder äußern, aktiv, direkt, konkret, nicht als Randbemerkung eines anderen Kontextes, damit sich wieder jedem ins Bewusstsein drängt, wie fragil und kostbar Frieden ist, wie schwer ein positiver Frieden im Galtungschen Sinne* zu erreichen ist.

Statt den Rat der Weisen, eines Senates im römischen Sinne oder Kantischer Philosophen einzuholen, haben sich freiheitlich organisierte Demokratien dem Primat des Ökonomischen unterworfen und folgen dem Diktat der Lobbyisten. Nur: den Frieden kann man nicht kaufen! Ich habe bei Online-Händlern weltweit gesucht - und wurde nicht fündig. Ich weiß, das klingt ein wenig überraschend, wo man doch heute alles spätestens im Darknet kaufen kann. Dort, so muss ich gestehen, habe ich es indes nicht versucht. 

Und so bleibt doch wieder nur die Bildung. So heißt es noch einmal bei Vossenkuhl: "Die Alternative zum Frieden der Angst ist nicht die Politisierung des Friedens, mit der nur Machtkonflikte durch ideologische ersetzt werden, sondern eine Erziehung zum Frieden als sozialer Kompetenz. Diese begreift Frieden als Ergebnis einer vernünftig rechtfertigbaren sittlichen Entscheidung." 

Und hier schließt sich der Kreis. Es ist wie mit der Hydra: Mit der Forderung nach vernünftig rechtfertigbaren sittlichen Entscheidungen stellt sich die Frage, welche Politiker, Lehrer, Eltern dieser Erziehungsaufgabe gegenwärtig gerecht werden könnten... Aber das ist ein anderes Kapitel!

Nun ja! All das sind nur Gedanken und die sind ja bekanntermaßen frei.

In diesem Sinne wünsche ich einen friedvollen Tag allerseits. Ma'a Salam! مع السلام

Quellen und Erläuterungen:

Bild: https://internationaldayofpeace.org/get-involved/community/

Zitat Vossenkuhl: Wilhelm Vossenkuhl, Friede, in: Höffe, Oftfried, Lexikon der Ethik, München 2002, S. 73 f.

* Der Norweger Johan Galtung gilt als Begründer der Friedensforschung. Er definierte den positiven Friedensbegriff und teilt ihn vom negativen Frieden, der sich durch das Ruhen der Waffen auszeichne.

 

Allies of the light - and given words of honorable men

21 August 2020

 

Joe Biden began his presidential nominee speech on 21 August 2020 as follows: 

"Ella Baker, a giant of the civil rights movement, left us with this wisdom: Give people light and they will find a way. 
Give people light. Those are words for our time. The current president has cloaked America in darkness for much too long. Too much anger. Too much fear. Too much division.
Here and now, I give you my word: If you entrust me with the presidency, I will draw on the best of us not the worst. I will be an ally of the light not of the darkness.
It's time for us, for We the People, to come together.
For make no mistake. United we can, and will, overcome this season of darkness in America. We will choose hope over fear, facts over fiction, fairness over privilege." 
 
And his very last words were: "May God protect our troops." 
 
So, has Biden already paved the way for how he will accomplish the promised light? 
 

I try hard to understand the meaning of light in context of blessed troops. In the today's world it's urgently needed to define words. As we know from painful experiences, troops can bring light, too - the light of bomb fire or explosions e.g., especially the american troops. They shed a lot of light all over. Ask the people in Iraq or wherever you want to ask.

 

Who is advising this presidential candidate - and wrote his speech? Assumingly Biden trained with a coach how to give his speech in the most effective way. It is hardly to believe that really nobody noticed this double meaning. So, do we have to consider that it was meant deliberately? A president nominee, as any politician, should really mean what he says.

 

And when already a candidate starts with "I give you my word" ... . Once upon a time there was another american president who never had a relation to a special woman. And he gave his word even with an official oath.

 

Of course, it's not typically american. But maybe the ability to give us their word is a specific qualification for heads of state? It's worthy to think about it! At least until they give us real doings to mull over.

 

And all the speech without even the tiniest facial movement, very paretic, morbid, just looking like too much botox and aesthetic surgery. Let's hope that this is only an outer effect!

 

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Umfrage zur Kommunalwahl NRW 2020

 

Zur Kommunalwahl am 13.09.2020 können sich alle Wahlberechtigten wieder aktiv an dem Geschehen in ihrer Stadt beteiligen. Jedoch grasiert die PolitikERverdrossenheit auch wie ein Virus, nur dass sie sich viel unbemerkter verbreitet. Über eine zu lange Zeit zeigen sich keine Symptome. Die in beinahe unappettichen Wahlplakat laden weder zur Wahlbeteiligung ein, noch machen sie neugierig, sie vermitteln keine oder gar falsche Informationen und Versprechen. Die Linke mit ihrem Slogan "Steuern rauf für Reiche. Wann, wenn nicht jetzt?" suggiert ein falsches Versprechen. Die Besteuerung höhere Einkünfte und Vermögen ist NICHT Angelegenheit der Kommunalen- sondern der Bundespolitik. 

 

Die Aufforderung der FDP, "Jungen Menschen eine lautere Stimme geben. Weil Oberhausen.", ist inhaltsfrei. Was möchte die FDP dem potentiellen Wähler anbieten? Das künftig schon neunjährige wählen dürfen, weil sie dann schon das Alphabet beherrschen (sollten) und bis drei Zählen können? Lautstärke ist kein Inhalt. Wo bleibt das Argument? Oder das niemand mehr wählen oder gewählt werden darf, der z.B. älter als 35 ist? Lord Dahrendorf würde sich im Grabe umdrehen, ob solcher perfid dummen Äußerungen. 

 

Und natürlich haben alle anderen zur Wahlstehen auch nichts besseres im Programm. Die kommunalen Wahlversprechen der Grünen lauten "Grün ist Antifaschismus". Das ist ja gut, richtig und wichtig. Aber: was genau heißt das denn in der Umsetzung im kommunalpolitischen Raum? Wird jeder Faschist eingesperrt, entmündigt, des Landes verwiesen? Oder will man langfristig auf Bildung als Rüstzeug gegen den Faschismus setzen? Was genau wäre da die Aufgabe der kommunalen Politik, wo Bildung Ländersache ist?

 

Den Werbeplakten aller Parteien ist gemein, dass sie nicht inspierieren, keine wirklich sinnvollen Inhalte haben, nicht zum eigenen Nachdenken und Reflektion anregen. Sie zeigen lediglich die Geisteshaltung, dass der Bürger maximal als Stimmvieh dienlich ist.

 

Am 07. September 2020 werden wir uns mit einem Vortrag und anschließender Diskussion gemeinsam Gedanken zur Kommunalwahl machen.

 

Im Vorfeld lade ich Sie herzlich ein, uns Ihre Gedanken über eine Umfrage mit acht kurzen Fragen mitzuteilen.

 

Die Umfrage ist vollständig anonymisiert und läuft über den Anbieter SurveyMonkey. SurveyMonkey hat eigene Datenschutzrichtlinien, mit denen Sie sich dort vertraut machen, zustimmen oder wiedersprechen können.

 

Die Umfrage ist freigeschaltet bis einschließlich 06.09.2020. - Die Umfrage ist abgeschlossen!

 

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70 Jahre Volksrepublik China -

Eine denkwürdige Erfolgsgeschichte

1. Oktober 2019

 

Peking feiert sich, 70 Jahre Volksrepublik - allerdings ohne sein Volk. Ohne eine besondere Einladung darf kein Bürger als Claqueur zur Militärparade kommen. Die Stadt ist Sperrgebiet, Geschäfte dürfen nicht öffnen, die Bürger nicht auf die Straßen. Rund um den Platz des Himmlischen Friedens darf man noch nicht einmal aus dem Hotelfenster schauen. Überall sollen Rentner sitzen, die die Einhaltung der Verbote kontrollieren. Bei der Parade wird martialisch aufgefahren mit hunderten von Panzern, Flugzeugen, atomar bestückbaren Waffensystemen und dem Aufmarsch von 15.000 Soldaten, bestimmte Wahrzeichen und Gebäude sollen illuminiert werden.

 

Mit Maos Machtübernahme begann die Schließung und ethnische Säuberung des Landes. Tibeter, Uighuren, Innere Mongolei, Volksgruppen und Landstriche, die es bis dato versäumten, sich als eigenständige Nation quasi bei der Weltgemeinschaft, den neu gegründeten Vereinten Nationen, zu akkreditieren, wurden völkerrechtswidrig besetzt und erleiden bis heute das gesamte Spektrum der Zwangssinisierung von Diskriminierung bis Genozid.

Natürlich wird diese Erweiterung des vermeintlichen chinesischen Territoriums nicht gefeiert, ebenso wenig wie die glorreiche Kulturrevolution, die das Volk in eine mittelalterliche Leibeigenengesellschaft zurückwarf. Die im Massaker geendeten friedlichen Demonstrationen der Studenten, die 1989 eine Öffnung des Landes à la UdSSR unter Gorbatschow forderten, werden ebenfalls weiterhin totgeschwiegen und zwar so erfolgreich, dass viele der heutigen Studenten darüber tatsächlich nichts mehr wissen und jene, die in diesem System erfolgreich wurden, es auch nicht mehr wissen wollen.

 

Summa summarum der Erfolg von 70 Jahren Volksrepublik:

- Ungezählte Millionen Tote

- Noch mehr Gefolterte

- die auch als Arbeitssklaven in den Laogais den chinesischen Wirtschaftsboom erarbeiten. Praktisch, Millionen inhaftierte Zwangsarbeiter zu haben, denen kein Lohn gezahlt werden muss – und die ganze Welt feiert und bewundert das wirtschaftliche Wachstum ohne lästige Demokratie und Mitbestimmung

- ungebremster Raubbau an der Natur

- knapp 1,4 Milliarden unfreie Menschen, die bis heute vor allem dann eine Chance auf ein gutes Leben haben, wenn sie absolut auf Linie sind und nicht das Geringste gegen das System sagen, tun, denken

- knapp 1,4 Milliarden Menschen, die nun hervorragende Versuchsobjekte sind für den perfekten Überwachungsstaat unter digitalen, algorithmischen Bedingungen und Wohlverhaltensboni sammeln können, die sie auch brauchen, wenn sie z.B. ein Flugticket kaufen wollen

- wenn in HongKong die Bürger heute ihre seit Wochen andauernden Protestmärsche schwarz gekleidet abhalten, ist das wahrscheinlich eine ganz besondere Art, die Freude und das Glück auszudrücken, zu diesem Mutterland dazuzugehören

 

Schöne freie Welt! Denn man herzlichen Glückwunsch!

 

 

 

Schlimmer geht immer ... oder nimmer?

17. Juli 2019

 

Erstaunlich genug, dass eine ausgebildete Ärztin, sechsfache Mutter und Familienministerin zur Verteidigungsministerin avancierte. Dem geneigten Beobachter stellte sich die Frage nach Motivation, Qualifikation und Intention.

 

Noch erstaunlicher ist indes, dass diese honorige, bisher nicht im europäischen Kontext aufgefallene Dame nun Präsidentin genau jener Behörde ist, die als einzige genui und ausschließlich europäisch ist.

 

Am Erstaunlichsten (für den Moment) ist allerdings wohl, dass eine Klosprüche klopfende Möchtegern-künftige-Kanzlerkandidatin jetzt auch noch deutsche Verteidigungsministerin wird. Höchst selten um Worte verlegen, fällt mir dazu definitiv nichts mehr ein, kein Vergleich, weder historisch noch gegenwärtig, auch nicht aus anderen Branchen, nichts, außer Fassungslosigkeit.

 

Noch vor sieben Wochen will sie die Meinungsäußerungen im Internet vor Wahlen regulieren, sprich Zensur ausüben und eines der entscheidenden Grundrechte demokratisch verfasster Staaten aushebeln. Will sie mit dieser Methode die Sicherheit unseres Landes sicherstellen - oder gar verteidigen? Bisher hat sie keinerlei Erfahrung auf Bundeebene. Die Position der (Bundes-)CDU-Vorsitzenden, die sie ja auch noch nicht lange ausübt, wird hier bewußt ausgelassen, da es dabei um die Gestaltung einer Partei und nicht gesamtgesellschaftlicher Aufgaben geht.

Wer, um alles in der Welt, ist warum auf die Idee gekommen, ausgerechnet AKK in diesen Zeiten für dieses Amt vorzuschlagen? Hat das Beispiel der Arbeit der Frau vdL nicht nachdenklich gemacht? Wir leben eben nicht (mehr) auf einer Insel der Glückseligen und leider ist die Verteidigung ein immens wichtiges Thema, das nur von den fähigsten, profiliertesten und erfahrenen Experten gestaltet werden sollte.

 

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Sprachgenies und andere Kommissare

11. Juli 2019

 

Und weiter geht’s mit diesem unsäglichen, blamablen Geschrei, an Peinlichkeit und offen zu Markte getragener Dummheit nur schwer zu unterbieten. Immerhinque (wie mein alter Lateinlehrer zu sagen pflegte): Sie spricht neben Deutsch auch Englisch und sogar Französisch. Ohlala… wenn das nicht zur Kommissionspräsidentin qualifiziert, was dann? Und in Ermangelung sachlicher Aussagen und echter Ideen zu Europa, kann man zumindest dem der Verständigung dienlichen Sprachvermögen der Frau von der Leyen lauschen.

 

Lieber hätten wir Europäer wohl klare, eindeutige Statements, die erkennen ließen, worum es einem künftigen Kommissionspräsidenten/in für Europa geht, gerne von einem Dolmetscher übersetzt. En passent: Frans Timmermans spricht neben Niederländisch sechs weitere Sprachen fließend! Da er sich, wie auch andere Präsidentschaftskandidaten, inhaltlich qualifiziert und eloquent äußert, sogar in tadellosem Deutsch, musste sein Sprachbegabung in Berichten über ihn nicht betont werden.

 

Dieses destruktive Postengeschacher zeigt einmal mehr, wie erodiert das europäische Fundament und die Demokratie mittlerweile sind, wie wenig es tatsächlich noch um die Ideen von Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit als Grundlage prosperierender Gesellschaften geht.

 

Auch für mich war es bei der letzten Wahl des Europäischen Parlaments ein hartes Ringen, welcher Partei ich meine Stimme gebe. Schien mir doch der niederländische Sozialdemokrat Timmermans der geeignete Kandidat für das Amt des Kommissionspräsidenten, dessen Erster Stellvertreter er bereits seit fünf Jahren ist, erfahren als niederländischer Außenminister, Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten und Mitarbeiter des Kommissars für Außen- und Sicherheitspolitik und Erweiterungsverhandlungen.

 

Das scheint solides Rüstzeug für die Aufgaben des Kommissionspräsidenten, der lt. EUV (6):

"a) legt die Leitlinien fest, nach denen die Kommission ihre Aufgaben ausübt,

b) beschließt über die interne Organisation der Kommission, um die Kohärenz, die Effizienz und das Kollegialitätsprinzip im Rahmen ihrer Tätigkeit sicherzustellen,

c) ernennt, mit Ausnahme des Hohen Vertreters der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, die Vizepräsidenten aus dem Kreis der Mitglieder der Kommission."

 

Jedoch - das Wahlprogramm der europäischen Sozialdemokraten war für mich nicht wählbar und Timmermans konnte nicht ohne die Partei gewählt werden. Ob Frau von der Leyen für diese ureuropäische Position wirklich die Geeignete ist? Weiß man qua Geburtsort automatisch um die Funktionsweise der Kommission und Europäischen Union? Selbst wenn ..., die Europäische Kommission, damals noch Hohe Behörde, war zum Zeitpunkt der Geburt der Frau von der Leyen auch erst sechs Jahre alt und hat sich seit dem respektabel weiterentwickelt… Möge Frau von der Leyen den gleichen Weg beschreiten.

 

Ein Blick ins Gesetz hat bekanntermaßen noch keinem geschadet und sollte gar verpflichtend sein für alle, die sich von Berufswegen mit Politik befassen. Dann wäre es ein Einfaches zu verstehen, dass zunächst nichts an dem Verfahren der Ernennung Ursula von der Leyens  fragwürdig war, wie politische Gegner wie Medien gleichermaßen tönten.

Es ist der vertraglich geregelte Auftrag des Europäischen Rates (ER), also der Versammlung der europäischen Staats- und Regierungschefs, die Mitglieder der Kommission „aufgrund ihrer allgemeinen Befähigung und ihres Einsatzes für Europa unter Persönlichkeiten auszuwählen, die volle Gewähr für ihre Unabhängigkeit bieten.“ (EUV 17 (3)).

Welchen Einsatz genau hat Frau von der Leyen für Europa bisher gebracht?

Und bei dem Vorschlag eines Kandidaten als Kommissionspräsident „berücksichtigt der ER das Ergebnis der Wahlen zum Europäischen Parlament.“ (EUV 17 (7)). Dort steht expressis verbis berücksichtigt ...!!! Die Auswahl eines Kandidaten als künftiger Kommissionspräsident ist schlechterdings nicht der Job des EU-Parlaments. Sie stimmen über die Vorschläge des ER ab, aber sie schlagen nicht vor!

Es stellt sich die berechtigte Frage, warum die Osteuropäer die seit Wochen bekannten Spitzenkandidaten erst jetzt blockieren. Sie hätten doch vor und nach der Kür der Spitzenkandidaten in Opposition gehen können. Aber eben VOR der Abstimmung … statt jetzt ganz Europa zu blockieren und zu diskreditieren.

 

Jean Monnet würde sich im Grabe umdrehen. Der spiritus rector der Europäischen Gemeinschaften hat die Montanunion entworfen und war der erste europäische Kommissionspräsident, damals noch Hohe Behörde, aus der dann 1967 die Kommission wurde.

 

Die Lektüre seiner autobiographischen „Erinnerungen eines Europäers“ sind besonders geeignet, um zu verstehen und sich zu erinnern, was es heißt, etwas Gemeinsames friedlich und wohlwollend aus- und zu verhandeln, auch und gerade gegen Widerstände und unter Verzicht eigener Wünsche zu Gunsten des Ganzen. Über ihn ist im Übrigen auch nicht überliefert, ob er neben Französisch und Englisch weiter Sprachen beherrschte.

 

Ach Europa…!!! Wir werden das Geschehen im Blick behalten

 

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Oh, tu felix Austria...

22. Mai 2019

 

… wohin bist du entschwunden? Einst warst Du glücklich, von Literaten und Poeten besungen. Claudio Magris erinnert in seiner lesenswerten Habil über den habsburgischen Mythos in der Literatur an die einstmals beschriebene Ehre und Kultiviertheit, an ein geordnetes, märchenhaftes Mitteleuropa, in dem die Zeit nicht so schnell zu vergehen schien, wo der Staat Sicherheit und Beständigkeit garantierte, wo jeder wusste, wo er hingehöre, man gemessen sprach und langsam ging...

 

Wohl nicht erst seit Österreich seit 1995 der Europäischen Union beitrat, ist’s vorbei mit dieser austrischen Glückseligkeit, können die alltäglichen Gegen- und Widerwärtigkeiten nicht länger mit nostalgischen, romantisierenden Bildern überpinselt werden. Kaum fünf Jahre in der EU, erschütterte Österreich (mal wieder?) Europa. Fassungslos erfuhr die europäische und Weltöffentlichkeit, dass die ÖVP unter Führung ihres Vorsitzenden Wolfgang Schüssel eine Koalition mit der rechtspopulistischen FPÖ einging, was damals noch Anlass für eine handfeste Krise war. Als Zeichen gegen Rechtspopulismus sanktionierten alle anderen 14 EU-Mitglieder Österreich, in dem jedes Land seine bilateralen Beziehungen zu Österreich einfror. Norwegen, Tschechien, Kanada und Israel schlossen sich den Sanktionen an. Ein eigens von der EU eingesetzter „Rat der Weisen“ erarbeitete in einem „Weisenbericht“, dass die bürgerlichen Rechte trotz rechtspopulistischer Regierungsbeteiligung nicht eingeschränkt seien, woraufhin die Sanktionen nach sechs Monaten wieder aufgehoben wurden.

 

Einen Rat der Weisen einzuberufen, in dem Experten unparteiisch und mit Abstand einen Sachverhalt analysieren, ist wahrlich weise und begrüßenswert. Indes: Die ÖVP-FPÖ-Koalition war erst vier Monate im Amt, so dass grundlegende Veränderungen wohl kaum erkenn- und messbar gewesen sein dürften. Die Entgiftung von Köpfen, Seelen, Kulturen und Gesellschaften braucht Zeit.

 

Die Sanktionen waren richtig gemäß der Devise „währet den Anfängen“. Dass Europa damals zeigte, spalterische, zerstörerische Ideen und Gruppierungen nicht zu dulden, war richtig und wichtig, und dennoch war es ein zahnloser Tiger. Mittlerweile ist die rechtspopulistische Saat aufgegangen und eine korrumpierende FPÖ sprengt die österreichische Regierung und treibt einen weiteren Keil in die EU. Mir scheint, dass heute das Einfrieren von Beziehungen und Weisenräte wohl nicht mehr helfen…

 

Was muss geschehen, damit Österreich und ganz Europa wieder glücklich, in sich ruhend, gemessen reden und handeln kann, auf das es eines Tages heiße: tu felix Europa???

 

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Drah di net um, schau schau ein Trumpletier geht um...

8. Mai 2018

 

An diesem heutigen, historisch so bedeutenden Tag, am 08. Mai, will Trumpletier SEINE, ich betone SEINE Entscheidung über das Iran-Abkommen verkünden. Es ist Dienstag, ursprünglich wollte er das erst am Samstag tun. Aber ja, jemand, der zwar twittern, aber offensichtlich nicht denken kann, braucht keine Zeit (zum Nachdenken). Möglicherweise ist diesem Herrn nicht bekannt, dass das Abkommen zwischen Iran, China, Deutschland, England, Frankreich, Russland und den USA ausgehandelt wurde und keine einseitig, gönnerhafte goodwill-Erklärung der USA war. Aber natürlich, was interessiert einen ach so mächtigen Möchtegern das Geschwätz von gestern, zumal von anderen Leuten? Zu dumm, dass er diese nicht einfach feuern kann, wie andere denkende Köpfe seines Stabes…

 

Seine lange Zeit berühmte Rede zum 08. Mai 1945 beendet Richard von Weizsäcker 1985 mit dem Satz „Schauen wir am heutigen 08. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.“

 

Wahrheit ist etwas, das allem Anschein nach längst auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist. Natürlich gibt es viel mehr Menschen, die der Wahrheit verpflichtet bleiben. Diese haben allerdings keine Reputation und keiner interessiert sich für sie - und ihre Wahrheit. Und sollten sie doch einmal Gehör finden, werden sie als Lügner, Irre, Schlächter oder sonst was diffamiert.  In einer Zeit, in der wir Zugang zum Wissen dieser Welt haben, ist Bildung irrelevant und der Unterschied zwischen Wissen und Bildung unbekannt. Heute ist nur noch der Zugang entscheidend, in high speed, allerdings weniger zur Aneignung von Wissen, sondern für Zocken und Shoppen, die destruktiven Drogen des 21. JHs. Die Wahrheit wurde auf dem Altar der fake-news geopfert.

 

Bisher ist bei den Äußerungen dieses twitterwütigen Präsidenten kein historisches Bewusstsein oder Wissen aufgefallen. Möglicherweise ist ihm weder die Genese des Atomabkommens noch die atomare Entwicklung in Iran bekannt. Die Hintergrundberichte seiner Berater nimmt er nicht zur Kenntnis. Es scheint fast so, dass er eines verstehenden Lesens nicht mächtig sei.

 

Es war Eisenhower (seinerzeit US-Präsident), der der Tehraner Uni 1959 einen Forschungsreaktor spendierte. Und schon zwei Jahre später gab es einen Leichtwasserreaktor. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Die US-Ideen des Kalten Krieges, den Rest der (außeramerikanischen) Welt als Bollwerk gegen den Kommunismus und die Sowjet Union aufzubauen, gehören für Trumpletier wahrscheinlich auch nur in den Lügenkatalog bösartiger Feinde der großartigen amerikanischen Freiheit.

 

Es wäre interessant, ob Trump auf einer Weltkarte ohne eingezeichnete Grenzen und Ländernamen Iran finden würde. Das klingt böse, ich weiß, ist auch nur eine Überlegung…

 

Wie ist es möglich, dass eine handvoll macht- und geldgieriger Idioten die Welt an den Abgrund führen kann, ohne dass die Weltgemeinschaft dagegen etwas unternimmt, unternehmen kann? Diese Frage ist rhetorisch… Demokratie war doch mal anders gedacht. Wahrscheinlich gibt es zu viele gute Menschen, die dieses abgrundtief Böse nicht in seiner katastrophalen Komplexität in Gänze erkennen, weil sie gar nicht so schlecht denken können. Sie retten halt im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten die Welt, in dem sie Flüchtlinge aufnehmen, den Nachbarn helfen, ihre Kinder liebevoll erziehen und Müll vermeiden. Um die große Politik kümmern sie sich nicht.

 

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Fragen einer lesenden Akademikerin

8. Apr. 2018

 

Fliegerbombe, eineinhalb Tonnen Sprengstoff, noch immer explosiv, jetzt in Paderborn gefunden. Zwecks Entschärfung 26.000 Menschen evakuiert. Abgeworfen irgendwann zwischen 1939-45. Von wem? Auch 73 Jahre nach WK-II treten noch immer Gefährdungen der Bevölkerungen in unmittelbarem [sic!] Zusammenhang mit diesem auf. Unfassbar!

 

Und wer trägt die Kosten für die Entschärfungen? Die Produzenten der Bomben? Wohl kaum. Sie sind mit abgeschlossenem Verkauf aus jeder Haftung entlassen. Für die Verwendung durch den Käufer haben Hersteller keine Verantwortung, zumal der Sinn der Bomben Zerstörung ist. Wer dann? Vielleicht der Staat, der die Bombe abgeworfen hat? Staaten in Haftung zu nehmen ist auch ein schwieriges Unterfangen. Zum einen dürften die unmittelbar [sic!] Verantwortlichen aller Wahrscheinlichkeit nach das Zeitliche gesegnet haben, zum anderen führt ein ewiges Aufrechnen von Kriegsschulden und Kriegslasten nur zu neuen Konflikten und Eskalationen.

 

Bleiben also mal wieder die Bürger als Zahlmeister, deren Vorfahren durch den Krieg viel bis alles verloren und auf eigene Kosten wiederaufgebaut haben, die als Kriegsnachfahren mit diesen Entschärfungskosten bis heute am WK-II zahlen. Ich habe keine Vorstellung, was der ganze Prozess vom Auffinden der Bombe über Evakuierung bis zur vollständigen Vernichtung, kostet. Wahrscheinlich "Peanuts" im Vergleich zu den den Bürgern aufgelasteten Kosten zwecks Bankenrettung. Trotzdem! Man stelle sich vor, es hätten mit diesem Geld Schultoiletten renoviert, ein Kindergarten gebaut, eine Parkanlage gereinigt werden können... Irgendwas Sinnvolles hätte man damit schon schaffen können.

 

Unter diesem Aspekt ist es möglicherweise gar nicht so unklug, NICHT in Bildung zu investieren. So wird die Bildungall zu vieler kluger Menschen verhindert, die das Ganze hinterfragen könnten, was für Verantwortliche, Verursachende unbequem werden könnte. Völlig ohne Kosten könnte dieser WK-II-Bombenfund in Paderborn im Unterricht in Bezug gesetzt werden zum gestrigen Amoklauf in Münster zum Krieg in Syrien, Jemen, Afghanistan. Damit könnten die Fächer Geschichte, Politik, Psychologie, Mathematik und Physik gleich als Einheit bedient und in einen Zusammenhang gestellt werden, der Unterricht hätte Bezug zum Realen, Schüler würden Zusammenhänge und Lanfristigkeiten verstehen lernen und auf das richtige Leben praktischer vorbereitet werden.

 

Es darf allerdings unterstellt werden, dass auch diese Ereignisse  in Schulen unbesprochen bleiben, wie schon Fukushima, der Tsunamie, gegenwärtige Kriege, Zerstörung der Weltmeere u.a., passt halt nicht ins Curriculum. Stattdessen schreiben Abiturienten in ihren Abiklausuren über Texte aus den 50er Jahren des letzten JHs über die Rassentrennung und Diskriminierung der Afro-Amerikaner. Ja, es ist wichtig das zu lernen. Aber mit der stupiden Analyse alter, in schlechtem Stil verfassten Texte schaffte man weder Bewusstheit für das Thema noch lehrt man die Schüler ein brauchbares, lebendiges Englisch. Nun ja, das ist eine andere Baustelle... Um wievieles schlauer wäre es, man würde über Rassismus und Diskriminierung heute z.B. im Sillicon Valley sprechen. Damit könnten Schüler etwas anfangen, somit ergibt Geschichte einen Bezug zur Gegenwart und es wird klar, warum man heute handeln muss, wenn man morgen etwas erreicht haben möchte.

 

Zurück zur WK-II-Bombe und den damit verbundenen Kosten. Eine eineinhalb Tonnen schwere Bombe ist groß und einfach auffindbar. Was ist mit all den Bomben und noch schlimmer mit den Minen, mit denen allzu häufig westliche Rüstungsunternehmen unfassbare Gewinne erwirtschaften und die überall in nichtwestlichen Ländern großzügig über's Land gestreut werden? Minen werden über Jahrzehnte eine konkrete Bedrohung bleiben und die Länder, in denen sie ausgebracht sind werden in eben diesen Jahrzehnten kaum eine stabile Staatsverwaltung aufbauen, die dann in der Lage sein wird, die Bürger schützend den Kriegsmüll zu entsorgen.

 

Wann wird dieser ganze, sich scheinbar endlos wiederholende Wahnsinn ein Ende finden? Was muss passieren, damit das endlich aufhört? Ist nur der Untergang der Menschheit der einzige Weg zum „ewigen Frieden“? Vielleicht sollten (nicht nur) Verantwortliche in Politik wie Wirtschaft bei Zeiten Kants philosophischen Entwurf „Zum ewigen Frieden“ lesen…

 

Haben Sie einen friedvollen Sonntag!

 

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Von Worten und Werten

6. Apr. 2018

 

Salam! Heiko Maas, seines Zeichens deutscher Außenminister seit März 2018, weilte in Jordanien! Das war ihm wichtig, Jordanien als erstes arabische Land zu besuchen. (Warum eigentlich?) Während einer Pressekonferenz dort wurde er zu deutschen Rüstungsexporten nach Jordanien befragt.

 

Im Koalitionsvertrag heißt es explizit: „Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind. Firmen erhalten Vertrauensschutz, sofern sie nachweisen, dass bereits genehmigte Lieferungen ausschließlich im Empfängerland verbleiben.“ [Zeilen7040-7043].

 

Dazu meinte Maas, man müsse definieren, was „unmittelbar“ bedeute!!!! Geht’s noch, Herr Maas??? Wahrscheinlich haben Sie und das ganze Kabinett und sämtliche Koalitionsverhandler genau an dem Tag in der Schule gefehlt, als dieses Wort besprochen wurde. Ein Blick in Dudens Deutsches Universalwörterbuch ist da bestimmt hilfreich, vorausgesetzt, der Leser kann lesend verstehen. Offensichtlich ist der mit unsäglichem Aufwand herausgewürgte Koalitionsvertrag das Papier nicht wert, auf dem es steht, wenn am Ende doch noch Bedeutungen definiert werden müssen.

 

Mit dieser Aussage, dass noch definiert werden müsse, was „unmittelbar“ im Zusammenhang mit Rüstungsexporten nach Jordanien bedeute, hat Maas sich als Außenminister von Beginn an für dieses Amt disqualifiziert. Als ausgebildeter Jurist dürfte er um die Bedeutung von Worten wissen. Aber wahrscheinlich wird diese Bemerkung noch nicht einmal eine Randnote der Geschichte werden und bekanntermaßen hat jedes Volk die Regierung, die es verdient.

 

Worüber und was genau wurde denn bei den Koalitionsverhandlungen verhandelt, wenn nach Unterzeichnung und Inkrafttreten die dort getroffenen Vereinbarungen erst noch definiert werden müssen? Mein fassungsloses Erstaunen kennt im Moment keine Grenzen. Das ist fast noch schlimmer als fake news…

 

Wenn Worte keinen Wert mehr haben und Werte nur noch Worte sind, dann ist es wohl fraglich um den Zustand einer Gesellschaft bestellt.

 

Warten wir ab, was als nächstes kommt... Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

 

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Warum, Amerika? Warum Amerika?

24. März 2018

 

In ihrer Rede anlässlich ihres 80. Geburtstags sagte Marion Gräfin Dönhoff: „Damals, als ich geboren wurde [1909], gab es fünf Großmächte in Europa: England, Österreich, Frankreich, Deutschland, Rußland. Die übrige Welt existierte nicht. Als ich […] Akten des Auswärtigen Amtes studierte, die die letzten Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges betreffen, stellte ich mit Verblüffung fest, daß bei den Erwägungen, die man damals anstellte – also bei dem Abwägen der Risiken -, Amerika nicht einmal erwähnt wurde.“

 

Und tatsächlich haben die USA sich ihren Platz im Weltgeschehen erst mit und nach dem zweiten Weltkrieg herbeigebombt. Was meinte Trump, wenn er bei seiner Inauguration ein "America first and great again" versprach? Will er sich den vermeintlich ersten Platz (wieder) herbeibomben? Dafür hat er ja nun den richtigen Mann an seiner Seite. Sein per Twitter ernannter neuer Sicherheitsberater John Bolten schließt einen Präventivschlag gegen Nord-Korea nicht aus.

 

Geht's noch, Amerika? Die risikieren nicht nur den Weltfrieden, sondern gleich den Untergang. Einen Krieg wegen oder gar mit Atomwaffen dürfte die Zivilisation wohl eher nicht überleben. Und das wollen sie dann mit einem Haushalt finanzieren, der nun von März bis immerhin Oktober 2018 gesichert sein soll. Ach ja, bei einer desaströsen fiskalischen Gesamtlage wurden die Ausgaben in diesem Haushalt für Verteidigung natürlich erhöht - das hilft bestimmt gegen einstürzende Brücken.

 

Verteidigung! Ach Amerika! Ich bitte euch! Gegen wen oder was müsst ihr euch denn verteidigen? Doch wohl first of all euer ökonomisches Großmachtstreben. Wie gut, dass es genügend Verrückte in der Welt gibt, die so gerne mit euren Rüstungsgütern spielen. Und damit das Spiel immer schön weiterläuft, will sagen, das Umsatzwachstum gesichert bleibt, muss natürlich ordentlich gezündelt werden - irgendwo in der Welt, nicht at home. Dafür braucht es auch niemanden mehr von außen. Das erledigt ihr von innen schon selber. Mit einer immer schneller zerfallenden, zerrottenden Infrastruktur oder mit dem permanent wachsenden Verkauf und Gebrauch von Schusswaffen. Nach dem Schulmassaker im Februar d.J. lud Trump Schüler, Lehrer, Eltern der betroffenen Schule ins White House und diskutierte das Geschehene. Ein Teilnehmer machte den Vorschlag, dass die Lehrer doch bewaffnet werden sollten, womit der Tod vieler Unschuldiger verhindert werden könne. (jaja, Amerika steht auf Prävention...). Das war natürlich genau das, worauf Trump & Co. gewartet haben. Vier Wochen später kam dann die Nachricht, dass sich aus einer Waffe eines mittlerweile bewaffneten Lehrers versehentlich ein Schuss gelöst hat. Uuuups...! Was mag das wohl mit jungen Menschen machen, wenn sie den ganzen Tag bewaffneten Personen gegenüberstehen? Welche Ängste und Neurosen entwickeln sich da - völlig unreflektiert? Züchtet man so Neurotiker? In jedem Fall gehören Schusswaffen jetzt zum Alltag der Erziehenden und daran dürfte auch die heutige Großdemonstration in USA und weltweit gegen die Schusswaffen kaum was ändern. Mit fake news und Geschichtsklitterung wird genügend Öl in das Feuer das Hasses und der Gewalt gegossen werden. Glauben die Amis wirklich, dass Lehrer zu bewaffnen eine pädagogisch wertvolle Maßnahme ist, um junge Leute zu um Ausgleich und Bedacht besonnene Friedensengel heranzuziehen? Wenn Trump die Welt nicht in Schutt und Asche legt, dann spätestens die unter bewaffneten Lehrern erzogene Generation und die Schuldigen dafür sind längst ausgemacht, aber das ist eine andere Geschichte...

 

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Handelskriege und historische Unbildung

4. März 2018

 

Trump bricht einen Handelskrieg vom Zaun mit der Ankündigung, auf die Einfuhr von Stahl 25% und auf Aluminium 10% Importzölle zu erheben. Damit bringt er erhebliche Unruhe, gar Instabilität in die internationalen Beziehungen. Und das genau 100 Jahre nach dem der damalige US-Präsident Wilson in einem 14-Punkte-Plan zur Wahrung des Friedens unter Punkt 3. "die soweit als mögliche Beseitigung aller wirtschaftlichen Schranken und Herstellung einer Gleichheit der Handelsbedingungen zwischen allen Nationen, die dem Frieden beitreten und sich zu seiner Aufrechterhaltung verbinden."

 

So wichtig und sinnvoll dieser Vorschlag war, hatt er doch den US-Kongress nicht überzeugt, der den Versailler Friedensvertrag nicht ratifizierte. America first galt schon zu jener Zeit, als die USA das internationale Parkett betragen, nur hat man es damals noch nicht so genannt.

 

Ob US-Präsidenten - und auch andere - einen Crash-Kurs in Geschichte absolvieren müßten, um das Handeln ihrer Regierungen besser verorten zu können? Oder spielen solche Überlegungen in der Welt 4.0 keine Rolle mehr, wo die Folgen der Pax Americana und Truman Doctrine ihren Tribut zollen in den daraus resultierenden Kriegen, Nationalismen sich offensichtlich wieder ausbreiten und Cyberkriege längst unseren Alltag erreicht haben, wer braucht da schon Geschichte, aus der man ohnehin nur lernt, das man aus ihr nichts gelernt hat ...

 

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Mit verbaler Diarrhoe in die Zukunft

8. Feb. 2018

 

Vermeintlich vollbracht... Nach - wie vielen - Tagen Verhandelns steht sie, die GroKo, von der Schulz, derzeit designierter Außenminister, vorvormals Buchhändler, noch am Wahlabend sagte, dass es sie nicht gäbe? Aber was zählt schon das Geschwätz von gestern? Nun ja... Es war ein hartes Geschäft, bei dem nicht einfach nur verhandelt wurde, sondern "verhandelt, bis es quietscht", so die wahrscheinlich künftige SPD-Vorsitzende. Genau, jene, die mit einem hämischen "Bätschi" an die CDU verkündet, dass das (GroKo) teuer werde, was vergleichsweise harmlos klingt, nachdem es vorher noch "auf die Fresse" gab, als klar war, dass nun doch koaliert werden soll. Ach, Frau Nahles... wo kommen Sie nur her, dass Sie sich immer wieder derart unflätig äußern müssen?

 

Zu müßig, sich mit den verbalen Diarrhoen der vom Steuerzahler Alimentierten auseinanderzusetzen. Wir sollten darüber nachdenken, was das über uns selber sagt, die wir diese Volksbelustiger gewählt haben. Als Volksvertreter vertreten und repräsentieren den Willen des Volkes. Wollen wir wirklich, das es "quietscht" und "auf die Fresse gibt", wie Nahles ankündigt? Und was kommt als Nächstes? Wo bleibt der Aufschrei, so ein richtiger, nicht die lahmen, folgenfreien Kommentare? Oder sind wir auch dafür bereits zu saturiert und/oder resigniert? Wir werden sehen...

Zitat des Tages

"Während meines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten habe ich bemerkt, daß eine demokratische Gesellschaftsordnung wie die der Amerikaner für die Errichtung des Despotismus einzigartige Möglichkeiten bieten könnte; [...] Ich bin überzeugt, daß es leichter ist eine absolute und despotische Regierung in einem Volk zu errichten, in dem die gesellschaftlichen Bedingungen gleich sind, als in einem anderen, und ich glaube, eine derartige Regierung würde - einmal in einem solchen Volk errichtet - die Menschen nicht nur unterdrücken, sondern auf die Dauer jedem einige der wesentlichen Attribute der Menschheit entreißen. Der Despotismus erscheint mir daher in den demokratischen Zeiten als eine besondere Gefahr."

Alexis de Toqueville 1840

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