LebensKunst

Nennt man jemanden einen Lebenskünstler, ist das durchaus negativ konotiert. Dann ist jemand gemeint, der irgendwie so durchs Leben kommt, vermeintlich ohne Verantwortung übernehmen zu wollen, der gerne schläft, dem Nichtstun fröhnt oder nur die Dinge macht, die ihm Spaß machen. Nur selten wird es anerkennend oder gar bewunderd, wenn jemand mit Leichtigkeit und Fröhlichkeit durchs Leben geht und dabei vielleicht sogar genau die Dinge macht, die die meisten noch nicht mal mehr als Hobby in ihre wichtigen to do-Listen gequetscht bekommen. 

 

Dabei ist Lebenskunst wunderbar, erfüllend und wichtig für die Gesundheit.

 

Lebenskunst ist die "Gekonntheit der guten Lebensführung"*1.

    

In der Antike empfahlen die Philosophen die gegebenen Aufgaben mit Tugend zu machen. Aristoteles beschreibt in seiner Nikomaischen Ethik, dass

Lebenskunst die Synthes von Genuss, Politik und Betrachtung

sei. Die Werke der großen Denker von der Antike bis heute beschreiben alle, dass das Notwendige mit Anstand zu erledigen sei, dass Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Loslassen und Genießen, und zwar alles zu seiner Zeit, die elementaren Grundlagen eines gelungenen Lebens und somit auch einer funktionierenden Gesellschaft sind.

 

Oder wie Paddington Bears Tante Lucy sagte: Be gentle and polite and your day will be alright. Und gentle and polite sind wir in der Regel nur dann, wenn es uns im tiefsten Innern wirklich gut geht, wir ganz bei uns, unserem Tun und unserer Umgebung sind. Das ist indes bei immer weniger Menschen der Fall. Vielleicht noch vordergründig, weil sie ein schickes Auto und tolle Urlaube haben. Das allein macht aber niemanden zu einem entspannten Menschen. Im Gegenteil...

 

*1Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Meiner Verlag

„Wenn Du ein Schiff bauen willst,

so trommle nicht Leute zusammen

und vergib Aufträge,

 

sondern lehre sie die Sehnsucht

nach dem Meer.“

 

                    Antoine de Saint-Exupéry 

Wo ist sie geblieben, diese Sehnsucht? In einer leistungs- und konsumorientierten Welt, in der man zu funktionieren hat? Wo Ziele auf der Strecke bleiben oder sich erst gar keine Ziele mehr setzt? In der Mensch und Umwelt krank werden?

 

Schon im Physikunterricht der 7. Klasse haben wir gelernt: Druck erzeugt Gegendruck! Wer sich nicht entfalten kann, engagiert sich auch weder in der Firma, noch in der Gesellschaft und irgendwann auch nicht mehr in seinem persönlich Umfeld. 

 

Ungenutzte Potentiale und Fähigkeiten brennen aus, verunsichern, machen physisch und psychisch krank. Innere Kündigungen entwickelten sich schleichend, dehnen sich in alle Lebensbereiche aus und kosten Sozialversicherungsträgern , Unternehmen und die Gesellschaft Millarden.

 

Kant beschreibt Entwicklung als das Auspacken eigener Fähigkeiten. Wollen und können wir wir es uns als Gesellschaft und persönlich wirklich leisten, Potentiale brach liegen zu lassen? Wo bleibt unser eigener Wert? Und was unterscheidet uns dann noch von Algorithmen und Robotern, die immer mehr und immer schneller und vor allem immer besser unsere, die menschlich genuine Arbeit übernehmen?

 

Was sind die oft im Verborgenen liegenden Ursachen für das, was irgendwie oder offensichtlich nicht richtig läuft? Warum schauen wir uns bei der Degenerierung und Degradierung zum funktionierenden Konsumenten zu?

 

Wie entdeckt und entfaltet man seine wirklichen Potentiale? Was sind Ihre tatsächlichen Ziele, wo möchten sie persönlich hin - wenn Zeit, Geld, Qualifikationen und anerzogene Weltbilder keine Rolle spielten? Wie schafft man wieder ein aktivierendes, motivierendes, vertrauendes Umfeld, eine Kultur des guten Umgangs?

 

Das Aufbrechen alter Muster und eine Neuausrichtung geht nicht per Order de Mufti, es gibt auch keine App. Erkenntnis, das Durchdringen von Zusammenhängen, Verständnis, die Bereitschaft zu Selbsterkenntnis, auch wenn das zwischendurch unangenehm werden kann, die bewusste und gezielte Veränderung gepaart mit Geduld, Zeit und Humor sind die Schlüssel.

Zitat des Tages

"Während meines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten habe ich bemerkt, daß eine demokratische Gesellschaftsordnung wie die der Amerikaner für die Errichtung des Despotismus einzigartige Möglichkeiten bieten könnte; [...] Ich bin überzeugt, daß es leichter ist eine absolute und despotische Regierung in einem Volk zu errichten, in dem die gesellschaftlichen Bedingungen gleich sind, als in einem anderen, und ich glaube, eine derartige Regierung würde - einmal in einem solchen Volk errichtet - die Menschen nicht nur unterdrücken, sondern auf die Dauer jedem einige der wesentlichen Attribute der Menschheit entreißen. Der Despotismus erscheint mir daher in den demokratischen Zeiten als eine besondere Gefahr."

Alexis de Toqueville 1840

Nächste Veranstaltungen

Coronabedingt müssen wir die Präsenz-Veranstaltung am 10. Mai 2021 leider absagen.

 

Die Online-Veranstaltung ist bereits ausgebucht. Bei Interesse setzen wir Sie gerne auf die Warteliste. Bitte schicken Sie uns eine Nachricht über das Kontaktformular.

 

Von 1871 zur Cybokratie

Präsenz-Veranstaltung:

Montag, 10. Mai 2021 19.30 - 21.45 Uhr

Online-Veranstaltung auf Zoom:

Samstag, 15. Mai 2021, 15.00 - 17.00 Uh