Forum Politik 2016

 

Im V. Forum Politik wollen wir uns die gegenwärtig paradoxale Weltentwicklung genauer ansehen. Während manche Regionen der Welt auseinanderzubrechen scheinen, wächst die Welt immer schneller, immer verflochtener zusammen. Längst begegnen sich nicht mehr nur Politiker, Unternehmer oder Vermögende im Jet-Set-Urlaub. Dank Internet und Social-Media kann heute (theoretisch) jeder mit jedem weltweit in Kontakt kommen. Wir leben in einem Zeitalter der Gleichzeitigkeit. Was immer wo auch immer passiert – wir sind quasi live dabei und erfahren die Auswirkungen unmittelbar. Während im Westen die Demokratie, Freiheit und Möglichkeit der politischen Partizipation ihren Wert zu verlieren scheinen, erreichen uns die Probleme anderer Länder in der ganzen tragischen Bandbreite u.a. über die Flüchtlinge, die hier ankommen auf der verzweifelten Suche nach Sicherheit, Freiheit und Frieden. Was bedeutet das für unsere Demokratie, wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft und in welchem globalen Kontext steht das? Wie können und müssen wir weltweit als „Weltgesellschaft“ für Frieden und Sicherheit arbeiten? Diese Fragen wollen wir wieder in drei spannenden, hochaktuellen Vorträgen und gemeinsamen Diskussionen erörtern.

 

Veranstalter: Katholisches Bildungswerk Oberhausen

Veranstaltungsort:Kath. Stadthaus, Elsa-Brändströmstr. 11, Oberhausen

Jeweils von 19.30 - 21.45 Uhr

Eintritt 5,- EUR

 

 

III. Forum 12. September 2016

Wohin entwickelt sich die Weltpolitik

 

Nicht nur Flüchtlinge und die Krisen in ihren Herkunftsländern stellen die Weltgemeinschaft vor große Herausforderungen. Der Youth Group Summit 2013 der Weltbank zeigte auf, dass pro Monat fünf Millionen NEUE Arbeitsplätze zusätzlich weltweit geschaffen werden müssten, um eine global gefährdende Jugendarbeitslosigkeit abzuwenden. Auch die Fragen nachhaltige Energiegewinnung, Verarmung, Trinkwasser, Verlust von Mutterboden, Epidemien, etc. entziehen sich längst der Deutungs- und Lösungshoheit nationalstaatlichen Handelns. Wenngleich die Grenzen des Wachstums längst überschritten sind, scheint es gegenwärtig, dass sämtliches Weltgeschehen vor allem dem Diktat des unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums unterworfen ist und es nicht mehr um das Wohl der Bevölkerung geht. Bereits Gandhi sagte, dass die Erde genug für die Bedürfnisse aller bereithält, aber nicht genug für die Gier weniger. Wie kann und muss es gesteuert werden, dass tatsächlich für die Bedürfnisse aller und nicht die Gier weniger gesorgt wird? Welche Institutionen können und müssen verantwortlich steuern welche Verantwortung hat jeder Einzelne? 

 

II. Forum 13. Juni 2016 

Zwischen Politikmündigkeit (der Wähler)

und der Ohnmacht (der Politiker)

 

Zunehmend wirken Politiker eher hilf- und machtlos als gestaltend und die Bürger gelten als politikverdrossen. Kaum noch Vorschläge, die als großer Wurf gelten, stattdessen Reförmchen der Reformen. Den Wähler macht die Betrachtung des Politischen eher skeptisch, was sich auch an stetig sinkender Wahlbeteiligung zeigt. Aber sind sie wirklich unpolitischer geworden? Sie engagieren sich aktiv in der Gesellschaft, diskutieren auf verschiedensten Ebenen, in Internet-Foren und klassischen Leserbriefen wird sichtbar, wie leidenschaftlich, besorgt und motiviert sie sich in den politischen Prozess einbringen. Die Freiheit, seine Meinung und Gesinnung ungestraft zu äußern, ist für eine Gesellschaft das höchste Gut und es ist schmerzhaft zu erleben, welch entsetzlichen Konsequenzen Menschen in manchen Ländern erfahren, wenn sie sich frei äußern. Fraglos ist die Demokratie westlichen Zuschnitts an Grenzen gestoßen und scheint ihre Bedeutung zu verlieren. Demokratie ist nicht, alle vier Jahre zur Wahl zu gehen und das Handeln den Gewählten zu überlassen. Schon Max Weber umschrieb politisches Handeln als das geduldige Bohren dicker Bretter. Hochkomplexe demokratische Systeme in einer vernetzten Welt mit globalen, statt rein nationalen Herausforderungen erfordern neues Denken und Handeln. Um zu überlegen, wie Anspruch und Wirklichkeit einer freien, demokratischen Gesellschaft zusammenkommen können, wollen wir noch einmal genauer hinschauen, wie und warum sich politische Mitwirkung durch die Bürger entwickelt hat und was geschehen müsste, um vermeintliche Politikverdrossenheit in aktive politische Partizipation zu wandeln. Wahlurnen im Supermarkt sind wohl eher nicht die Lösung…

 

 

 

I. Forum 15. Februar 2016

Flüchtlinge – Hype oder Völkerwanderung

 

Im Sommer 2015 hat man, vermeintlich völlig überraschend, den Eindruck, Europa wird von Flüchtlingen regelrecht überschwemmt und tatsächlich sind die Zahlen der Angekommen hoch. Neben fremdenfeindlichen Attentaten zeigt sich in Deutschland eine selten so sichtbar gewordene Welle der Hilfsbereitschaft. Der britische Guardian mutmaßt gar, dass das deutsche Wort „Willkommenskultur“ in den internationalen Sprachwortschatz eingehen könnte, ähnlich wie z.B. das Wort Kindergarten. Dänemark schaltet in libanesischen Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen mit Informationen über die äußerst restriktive Asylpolitik und sendet damit laut Washington Post die klare Botschaft, besser nicht nach Dänemark zu kommen. Ob die Flüchtlinge in den Camps tatsächlich Zeitung lesen??? Der französische Staatspräsident will zur Lösung der Probleme in den Herkunftsländern z.B. Syrien mit Überwachungsflügen unterschützen und ggf. militärisch eingreifen. Kann das tatsächlich die Probleme lösen? Oder unterstützt Hollande damit nicht auch die heimische Rüstungsindustrie? Großbritannien schickt ohne Zustimmung des Parlaments eine Kampfdrohne, mit der ausgerechnet zwei britische IS-Kämpfer getötet werden.

 

Es bleibt indes die Frage, wie man mit Migration und den Flüchtlingen umgeht. Sind sie wirklich die große Chance für den Arbeitsmarkt (im Mindestlohnsektor!) oder eine Bedrohung für die innere Sicherheit und Stabilität Europas? Wie integriert man die Angekommenen und vor allem wie schafft man es, in den jeweiligen Herkunftsländern von Europa aus die geeignete Unterstützung zu leisten, damit die Menschen nicht mehr gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen? 

Zitat des Tages

"Während meines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten habe ich bemerkt, daß eine demokratische Gesellschaftsordnung wie die der Amerikaner für die Errichtung des Despotismus einzigartige Möglichkeiten bieten könnte; [...] Ich bin überzeugt, daß es leichter ist eine absolute und despotische Regierung in einem Volk zu errichten, in dem die gesellschaftlichen Bedingungen gleich sind, als in einem anderen, und ich glaube, eine derartige Regierung würde - einmal in einem solchen Volk errichtet - die Menschen nicht nur unterdrücken, sondern auf die Dauer jedem einige der wesentlichen Attribute der Menschheit entreißen. Der Despotismus erscheint mir daher in den demokratischen Zeiten als eine besondere Gefahr."

Alexis de Toqueville 1840

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